Kurzreviews: Carriers, Final Destination 4, Der Solist, 500 Days of Summer, Wie das Leben so spielt, Gesetz der Rache

12. Februar 2010 - 23:52 Uhr | Kategorie: Kritik | Noch nicht kommentiert...

Ich weiß ich weiß, alles alte Schinken. Mir egal.

Carriers

Carriers
“Zombies in Zombiefilmen sind so 2008!”

Carriers, der Eröffnungsfilm des letztjährigen Fantasy Filmfests, ist ein Film mit Chris Pine (der junge Captain Kirk), Piper Perabo (der unehelichen Tochter von Hillary Swank und Jennifer Lopez) und noch ein paar anderen Hanseln, die versuchen vor einer weltumfassenden tödlichen Epidemie an einen abgelegenen Ferienort zu fliehen. Da der Virus ultraansteckend ist, die Menschen aber nur elendig dahingammeln lässt anstatt sie zu coolen Zombies zu machen, ist der große Feind in diesem Film neben dem Virus der Mensch selbst, der es durch Misstrauen und Egoismus schafft seine Rasse noch schneller aussterben zu lassen als durch die Epidemie alleine. Nun könnte man meinen, und so ist es wohl auch angedacht, zentrales Thema in diesem Film sei deswegen eher die Hoffnungslosigkeit der Situation und Ausweglosigkeit der Betroffenen bei einer Ansteckung, was zu interessant gezeichneten Charakteren und einer intelligent ausgearbeiteten Dynamik innerhalb der Gruppe hätte führen können. Hätte, denn leider wurde das Ziel nicht wirklich erreicht. Hier ein paar Tips wie es hätte besser gemacht werden können.

1. Erklärt die Hintergründe. Klar, spätestens nach der ersten vor sich hingammelnden Leiche am Straßenrand bemerkt wohl auch der eingeschlafene Zuschauer dass da irgendetwas nicht stimmt. Dennoch wäre es schön etwas mehr über die Umstände der Menschheit zu wissen als die simple Kausalitätsabfolge Virus – Ansteckung – Tod. Vor allem wenn das Thema Hoffnungslosigkeit auf irgendeine Weise emotional übertragen werden soll ist es glaube ich ganz hilfreich zu wissen ob jetzt schon dreiviertel der Menschheit ausgerottet ist oder ob nur gerade im Süden der USA bei den Rednecks die Schweinegrippe 2.0 ausgebrochen ist.

2. Führt wenigstens einen sympathischen Protagonisten ein. Stichworte hierbei sind “einführen” und “sympathisch”. Es ist als hätte der Kameramann aus Versehen die Tapes mit dem Anfang des Films überspielt, man weiß nichts über die vier Kasperle die mit ihren lustig angemalten Atemmasken über die verseuchten Landstraßen brausen. Wo kommen sie her? Wer sind sie? Wie haben sie zueinander gefunden? Nichts. Das wäre ja noch verschmerzbar, wenn die Charaktere wenigstens Interessant genug wären als dass man sie mit Interesse den Film über hinweg kennen lernt, leider ist aber auch das nicht der Fall. Captain Kirk ist einfach ein bescheuerter Sack, seine Freundin ist die heiße Ische die mit dem bescheuerten Sack zusammen ist, keine Person die man unbedingt kennen lernen will, sein Bruder benimmt sich als wäre er noch 12, heult ständig rum, und die unbekannte Vierte im Bunde ist irgendwie auch ständig mies gelaunt, ich kann mich nicht mal mehr an ihren Namen erinnern. Also wen zur Hölle soll es interessieren oder rühren diesen vier Unbekannten bei ihrem Road Trip zuzusehen? Wer soll mitfiebern wenn einem die Personen so ziemlich egal sind, da man zu keinem in irgendeiner Weise eine Verbindung aufbauen kann?

3. “Hey, fick dich doch, du meinst wir sind dir egal? Ha, wir sind uns selbst doch alle egal. Wir finden auf dem Weg einen unbekannten Mann mit einem infizierten kleinen Mädchen? Klar, nehmen wir die beiden auf der Rückbank mit. Captain Kirks Freundin ist infiziert? Werfen wir sie einfach aus dem Auto und lassen sie in der Wüste verrotten. Captain Kirk ist infiziert? Lassen wir ihn doch einfach von seinem eigenen Bruder erschießen.”

4. Lasst eure Protagonisten den eigenen scheiß Film ernst nehmen. Ich wüsste wie ich mich verhalten würde wenn ein hoch ansteckender Virus auf der Erde ausbrechen würde. Ich würde mich so lange in Frischhaltefolie einwickeln bis ich keine Luft mehr bekommen und ersticken würde. Obwohl mehrmals im Film erwähnt wird wie ansteckend der Virus doch sei, scheint das den vier Hauptpersonen gänzlich egal zu sein. Mal haben sie die Atemschutzmasken auf, mal nicht, mal fassen sie alles nur mit Schutzhandschuhen an, mal nehmen sie völlig ungeschützt einen tiefen Atemzug von der dahingammelnden Oma, mal schützen sie sich vor dem kranken Mädchen auf der Rückbank nur durch eine an die Decke geklebte Plastikfolie und mal kümmert es sie einen Dreck wenn ihnen der Hund, der gerade noch die infizierte Leiche ausgeweidetet hat, Blut mitten ins Gesicht sabbert. “Keine Angst, ist nur Hundeblut.” Genau. “Keine Angst, ist nur Syphilis.”

Tja, leider am Ende ein eher enttäuschender Film, wenn auch nett gedacht und teilweise sogar mit ganz interessanten Ideen gespickt.

Final Destination 4

FinalDestination4
Herr A. und Frau B. haben Angst

Ich weiß, ich weiß, eigentlich heißt der Film The Final Destination, aber sorry, eine so schöne Serie mit so einem Murks als großem Finale enden zu lassen, das bringe ich einfach nicht übers Herz, dazu waren die ersten drei Teile einfach zu toll. Prinzipiell könnte ich euch auch einfach sagen, lest Batzmans Review bei den Fünf Filmfreunden, dreht (fast) alles ins Gegenteil um, und ihr habt mein Review. Ein paar Erläuterungen seien mir dennoch erlaubt.

Die Grundstory, die tollerweise auch in jedem Film gleich ist, sollte wohl jedem bekannt sein. Ein paar Jugendliche entkommen durch die Vision des Hauptcharakters knapp dem Onkel Tod, welcher sich aber nicht lumpen lässt und sich die Opfer der Reihe nach zurückholt. Die Mittel sind ihm dabei meist recht egal, und so beginnt für die Protagonisten ein Wettlauf gegen ihr Schicksal und für den Zuschauer eine Stunde lang voll irrwitziger Todesarten.

Die einzige wirkliche Neuerung im vierten und neuesten Teil ist, dass er in 3D gedreht wurde, was sicherlich im Kino für einige witzige Momente sorgt, sieht man ihn jedoch zuhause auf dem normalen Fernseher wirken die eher schlecht animierten 3D Effekte die sich durch den ganzen Film ziehen wohl eher deplaziert. Aber darauf kommt es eigentlich gar nicht an, oder?

Nein, denn neben dem Zusammenspiel der Todeskandidaten waren und sind die größten Eyecatcher in der Reihe stets die fantasievollen Arten Menschen über den Jordan zu schicken, wobei natürlich immer ordentlich gesplattert werden darf. Leider, und das ist einer der Hauptpunkte den ich anders sehe als im oben verlinkten Review beschrieben, versagt der vierte Teil hier auf ganzer Linie. Das beginnt schon allein mit der Anfangssequenz, die vorige Filme immer virtuos einleitete, die hier bei einem Nascar Rennen stattfindet. Schraubenzieher verhakt sich in einem Auto, es explodiert und fliegt in die Menge, alle tot, toll. Wahnsinnig kreativ und spannend. Weiteres Beispiel. Eine Frau geht mit ihren beiden Kindern zum Friseur, während sie mit ihrer spitzen Schere nahe ihrem Gesicht herumhantiert, passiert so einiges, eine Dose Haarspray explodiert, der Stuhl auf dem die Dame sitzt kracht zusammen, und sogar der Deckenventilator fällt von der Decke. Doch nichts passiert. Erst als sie aus dem Salon gehen will, fährt auf der Wiese davor ein Arbeiter mit einem Rasenmäher über einen Stein, welcher dann gezielt in ihr Auge und quer durch ihren Kopf geschleudert wird. Super, erstmal schön alle Chancen auf ein kreatives Ende gekonnt umgangen um dann mit so einem langweiligen Scheiß zu kommen.

Waren es meiner Meinung nach in Teil 3 gerade die Ängste des Zuschauers mit denen gespielt wurde – Tod auf einer Achterbahn, klaustrophobisches Verbrennen in einem Solarium (inklusive Möpsen!) – und waren dort die Todesszenen zumindest schön in Szene gesetzt, so versagt hier der neue Teil komplett.

Großer Minuspunkt ist dabei allerdings auch die Wahl der Charaktere. Blasser und flacher hätte man sie kaum schreiben können, irgendein Typ, mit irgendeiner Freundin, irgendein Quotenschwarzer, irgendein Polohemden-Arschloch mit seiner Fickfreundin. Wahnsinnig interessant. Während der dritte Teil bewusst Stereotype einsetzte um die Dynamik innerhalb der Gruppe der Überlebenden auf die Spitze zu treiben, scheint The Final Destination selbst nicht mal zu wissen was das für Leute sind die sich da auf der Leinwand tummeln. Und selbst wenn, es ist scheißegal, denn auch nur ansatzweise sympathisch ist einem davon beileibe keiner. Und so folgt man gelangweilt dem uninteressanten Treiben, sieht schlechte 3D Effekte, schlechte Splatter Effekte, langweilige Charaktere und ein ziemlich mäßiges Ende.

Final Destination war für mich immer der Popcorn-Ableger des Horrorgenres. Vorhersehbare Geschichte, dafür aber eineinhalb Stunden vollgestopft mit spaßigen und manchmal sogar spannenden Todessequenzen, nebenbei noch individuelle Charaktere und viel viel schwarzer Humor, gerade in letzterem war der dritte Teil fantastisch. Auch wenn Teil 4 tatsächlich mit einigen wenigen Szenen begeistern kann, so reichen diese jedoch lange nicht aus um den Qualitätsabfall des Rests auszugleichen.

Der Solist

DerSolist
Nicht im Bild: Glaubhafte Charaktere

Das hier mache ich ganz schnell, denn der Film ist einfach schlecht. Ende.

Naja. Ein paar wenige Worte mehr können wohl nicht schaden. Während Robert Downey Jr. den anfangs zynischen und emotional heruntergekommenen Journalisten zumindest noch akzeptabel mimt, und Jamie Foxx den offenbar psychisch mehr als labilen Obdachlosen zu Tode schauspielert, versuchen beide zusammen nach Schema F die altbekannte Story um ein verwirrtes Genie, welches vom Schicksal gebeutelt nur darauf wartet in einem emotional explodierenden Ende seine Passion und sein Genie ausleben zu können, über die Bühne zu bringen. Der große Fehler liegt dabei nichtmal so sehr bei den Schauspielern, die wohl versuchen das beste aus ihren eher blassen Charakteren herauszuholen, sondern bei dem Drehbuch, dass es, obwohl fast zwei Stunden lang, nie schafft den Zuschauer an den Emotionen der Protagonisten wirklich teilhaben zu lassen. Zu plakativ, zu unreflektiert wirkt die plumpe Geschichte, die einen durch ihre gewählten Szenarien und Bilder eigentlich mit Leichtigkeit mitreißen sollte, was sie aber im Endeffekt nie wirklich schafft. Im Großen und Ganzen fehlt dem Film einfach die Stimmung, der Flow, wie ich so gerne sage, um die einzelnen Szenen gekonnt zu verknüpfen und eine zum Mitfühlen anregende Stimmung zu erzeugen.

Was bleibt ist ein Fischstäbchen, das zwar wie ein 5-Sterne Gourmetgericht angerichtet ist, aber dadurch noch lange nicht so schmeckt. Das einzige was da noch helfen könnte wäre etwas Ketchup, und mit Ketchup meine ich Alkohol, und mit Alkohol meine ich man spart sich am besten den Kinobesuch und verbringt den Abend mit einer Flasch Vodka. Macht mehr Spaß, und kostet bei billigem Fusel sogar weniger.

500 Days of Summer

500DaysOfSummer
“Furzkissen?” – “Jep” – “Klassiker!”

Lebendige Liebesdramakomödien haben bei mir einfach direkt ein Stein im Brett. Juno, toll, P.S. Ich liebe dich, Mann hab ich geheult, Sex and the City, ich muss diese Schuhe haben, 50. erste Dates, Drew (!), Titanic, das war grenzüberschreitende Liebe… gut, lassen wir das lieber.

Summer, das ist Zooey Deschanel, bekannt süß aus dem Anhalter durch die Galaxis, und Tom, das ist Joseph Gordon-Levitt, den ich allein schon wegen seinem Wikipedia Bild mag, und 500 Days in of Summer (eindeutig Pornotitel-Kandidat), das ist die verquirlte Geschichte der beiden, mit ganz viel Liebe und ganz viel Herzschmerz, am Ende aber keinem Happy End, wie im Trailer schon angekündigt.

Tja, was lässt sich zur Story sagen. Mann trifft Frau. Sie finden zueinander. Mann, hoffnungsloser Romantiker, will mehr Sicherheit in der Beziehung als sie ihm geben kann, Frau fühlt sich zusehends in eine Rolle gezwungen die ihr nicht gefällt und nimmt immer mehr Abstand, bis es eines Tages aus ist. Mann verfällt in Depressionen, bis er sein Leben radikal ändert und am Ende vielleicht doch die Frau seiner Träume gefunden hat.

Die verworrene und unchronologische Erzählweise macht es dem Film möglich dem Zuschauer trotz des relativ früh geklärten augenscheinlichen Endes eine frische und interessante Geschichte zu erzählen. Man weiß wie es anfängt und wie es endet, aber nicht was sich dazwischen abspielt. Erst im weiteren Verlauf wird klar dass es Summer ist, die Probleme damit hat feste Bindungen einzugehen und somit Tom immer weiter von sich drängt. Insofern ist 500 Days of Summer genau das, was sein Titel sagt, 500 Tage mit Summer, nicht weniger, aber auch nicht mehr, eine Geschichte wie sie das Leben jeden Tag aufs Neue schreibt, nichts was es sonst wert wäre in einem großen Hollywood-Streifen erzählt zu werden.

Gerade das macht den Film interessant. Als Zuschauer hofft, liebt und leidet man zusammen mit dem durchwegs sympathischen Tom, und erkennt gerade in dem traurigen, aber doch sehr lebensnahen Ende der Beziehung zwischen ihm und Summer mehr von sich selbst als in Titanic oder Sex and the City. Das Ganze wird von einem tollen Soundtrack und tollem Schauspiel begleitet, und auch das Ende kommt dann doch nicht ganz um einen kleinen Lichtblick herum, wie das Leben eben so ist, mal scheiße, mal geil.

Einziger wirklicher Kritikpunkt, der allerdings leider gar nicht mal so unbedeutend ist, ist Summers Charakter, der über den ganzen Film hinweg eher im Dunkeln bleibt. Ihre Gedanken und ihre Geschichte scheinen dem Zuschauer nie direkt zugänglich, man fragt sich stets wieso sie sich gerade so verhält wie sie es tut, wieso sie immer Abstand zu Tom hält, der es genauso wenig zu begreifen scheint. So geht leider ein wichtiger Aspekt der Beziehung, vor allem aber der Geschichte verloren, der sich beim Abspann als mittelgroßes Fragezeichen über dem Zuschauerkopf manifestiert und den ansonsten tollen Gesamteindruck etwas schmälert.

Trotzdem bleibt ein schöner und frischer Film, der ein alteingesessenes Thema auf neuen Wegen weiter ergründet und in so gut wie jeder Minute Spaß macht.

Wie das Leben so spielt

FunnyPeople
“Das gekaufte Publikum findets jedenfalls toll!”

Mit dem Alter wird man ernster, das wissen nicht nur die Fantastischen Vier sondern auch Adam Sandler, der nach zahlreichen hirnverbrannten (aber guten) Komödien in den letzten Jahren sein Augenmerk immer mehr auf Geschichten mit seriösem Hintergrund gelenkt hat. Das stimmt so zwar eigentlich gar nicht, immerhin ist er der Mann hinter Zohan, dafür klingt es aber gut, und ich glaube ich bin sicher nicht der Einzige der in seinem Kurzfilm A Day With The Meatball Sandlers traurige aber wahre Message erkennt: Bulldoggen sehen scheiße aus. Wie auch immer, Wie das Leben so spielt ist Judd Apatows neuester Streich, in dem wir neben Apatows Standardbesetzung mit Seth Rogen und Leslie Mann dieses Mal auch Adam Sandler sehen, und dabei zusehen können wie sie über zwei Stunden lang versuchen irgendetwas zwischen traurigem Drama und lustigem Stand-Up über die Bühne zu bringen.

Leider klappt keines von beidem. Es mag sein dass es an der deutschen Sprachausgabe lag, aber kaum einer der Witze wollte so richtig zünden. Schade, denn der massive Einsatz von Gaststars ließ eigentlich mehr erhoffen. Sogar Eminem ließ sich überreden. Auch das Drama, präsentiert durch den vorerst Krebskranken Sandler, will nicht so richtig ziehen, was an den eher unausgegorenen Charakteren liegt. Seth Rogen spielt einen Trottel, der für sein Idol, Sandler, alles tut, und sich mehr als einmal als bescheuerter Saftsack präsentiert. Nicht gerade sympathisch. Sandler spielt den sich selbst bemitleidenden Star, der vom einen Tag auf den anderen sein zerbrochenes Leben ändern will. Rein theoretisch keine schlechte Konstellation, das Zusammenspiel zwischen zwei solchen Protagonisten könnte einiges an Tiefe hervorbringen, leider scheint sich ihre Beziehung zueinander den ganzen Film über aber kaum zu ändern. Ganz zu schweigen davon dass keiner der Schauspieler seine Rolle wirklich authentisch vermittelt.

Eine große Schwierigkeit des Films ist allerdings vor allem auch seine Länge, und dabei meine ich nichtmal nur die rein faktische Filmlänge. Der gesamte Film dümpelt mit seiner eher flachen Handlung so vor sich hin, mal passiert dies, mal passiert das, am Ende passiert plötzlich wieder etwas ganz anderes, im Großen und Ganzen passiert aber eigentlich gar nichts. Mein sieht einfach kein Ziel, keine Entwicklung und keine große Pointe in dem Ganzen, und ist somit verdammt dem Treiben mehr oder weniger Emotionslos zu folgen und ständig auf die große Wendung, die nie Eintrifft, zu hoffen. Gerade das teils abstruse Handeln der Protagonisten verwirrt einen immer wieder und lässt keine klare Linie erkennen. Insgesamt also leider eine mittelmäßige bis große Enttäuschung.

Gesetz der Rache

GesetzDerRache
“Ich persönlich würde doch auch lieber in Avatar mitspielen.”

Wer die genaue Story wissen will soll sich bei Wikipedia bedienen, dazu habe ich momentan keine Lust. Gerard Butlers Frau und Tochter werden umgebracht, die beiden Einbrecher werden geschnappt, einer von ihnen macht einen Deal mit Staatsanwalt Nick Rice, weswegen er nur drei Jahre Haft und sein Kollege die Todesstrafe bekommt. Gerard Butler findet das eher uncool, lässt 10 Jahre verstreichen und rächt sich dann ordentlich an dem Staatsanwalt, bringt viele Leute um und führt den Staatsanwalt mitsamt des Justizsystems ordentlich an der Nase herum. Es beginnt ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Butler und Rice, welches Rice am Ende gewinnt. Butler stirbt.

Der große Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist das Spiel zwischen Butler und dem Staatsanwalt, welcher die ganze Zeit im Dunkeln tappt und keine Ahnung hat wie Butler es schafft während er im Gefängnis sitzt trotzdem noch Menschen umzubringen. Wobei das nicht sein einziges Ziel ist, im Grunde will er dem Staatsanwalt, der Geschäfte mit dem Teufel in Form von Kriminellen macht, nur so viel Schaden zufügen wie möglich. Er tötet seine Mitarbeiter, schickt ein Video von der Zerstückelung einer Leiche an seine Familie und diffarmiert Rice, welcher hauptsächlich auf Karriere aus ist, zunehmends.

Zweiter großer Gegner ist für ihn das Justizsystem, welches er ständig zu untergraben versucht. Er lässt sich absichtlich mit relativ eindeutigen Beweisen gegen ihn festnehmen, kann die Richterin aber im Gerichtsaal davon überzeugen ihn gegen Kaution freizulassen, nur um sie kurz darauf zu beleidigen und ihr vorzuwerfen dass sie Verbrecher gegen Geld wieder freilässt. Später zieht er Staatsanwalt Rice mit absurden Forderungen als Bezahlung gegen wichtige Informationen ins Lächerliche, um ihm kurz darauf wieder sein Versagen vor Augen zu führen.

Dieser doch recht eindeutig kritische Teil des Films gefällt. Gerade die erste Hälfte besticht durch viele irrwitzige Situationen, in denen die festgefahrenen und teils absurden Statuten von Vater Staat ordentlich durch den Dreck gezogen werden. Butler kämpft mit ziemlich harten Bandagen, etwas was man weder vom Schauspieler noch vom Film erwartet hätte. Das Hin und Her der beiden Hauptcharaktere macht Spaß, jedenfalls für Leute die das Thema Selbstjustiz differenziert genug sehen um es nicht von vornherein zu verurteilen.

Auffällig dabei ist das klare Weglassen von einem Sympathieträger. Normalerweise würde man ja annehmen dass in einem so kritischen Film die Taten des Selbstjustiz ausübenden Familienvaters irgendwo gerechtfertigt werden, ähnlich wie beispielsweise im Film Der blutige Pfad Gottes, in dem die rechtlich gesehen zwar bösen, in Wirklichkeit aber doch guten Jungs nur gegen Verbrecher und Straftäter vorgehen, womit sie ihre Taten wieder legitimieren, zumindest für den Zuschauer. In Gesetz der Rache passiert das aber nicht. Butler geht mit voller Härte vor um dem Staatsanwalt zu schaden, tötet auf grausame Art Unschuldige und schreckt auch nicht vor Frau und Kind des Anwalts zurück um sich zu rächen. Die nüchterne, geplante und im Film offen gezeigte Härte seiner Taten vermittelt kaum Sympathien für den Charakter und schreckt den Zuschauer eher ab. Auch Staatsanwalt Rice ist von vornherein, spätestens ab dem Abkommen mit einem der Einbrecher, unten durch und wird gegen Ende des Films eher bemitleidet als gemocht, was dem Film komplett seine Identifikationsfiguren raubt.

Auswirkungen hat das insofern als dass man als Zuschauer nie weiß auf wessen Seite man sein soll. Für den gebrochenen Mann, der außer Rache nichts mehr im Sinn hat und Unschuldige auf seinem Weg zum Seelenfrieden opfert, oder für den korrupten Anwalt, der die Gerechtigkeit gegen seine eigene aufstrebende Karriere eintauscht und so auch nicht viel besser ist. Man könnte das als interessanten Aspekt des Films interpretieren, eine Geschichte die einen gleichzeitig berührt und kalt lässt, und mit keiner klaren Antwort auf die Frage, wer von den beiden denn jetzt im Recht ist, zurücklässt. Meiner Meinung nach ist das aber eher ein Indiz für fehlende Stringenz in der Stoffentwicklung. Gerade im Hinblick auf das doch recht unspektakuläre Ende scheint es als wäre dem Drehbuchautor nie klar gewesen welche Möglichkeiten ein solch brisantes Thema doch mit sich bringt. Während die erste Hälfte des Films seit langem mal wieder interessante Aspekte und Sichtweisen in die Thematik bringt, so scheint die zweite Hälfte inklusive dem Ende nur dazu da zu sein um die bisher getroffenen Aussagen wieder zu relativieren und sich mit der Masse und Hollywood gut zu stellen.

Ich kann an dem Film tatsächlich viel Gutes finden, leider verbaut er sich die Möglichkeit ein provozierend kritischer Film zu sein aber mit zunehmender Laufzeit und endet dann eher enttäuschend. Ob es am fehlenden Mut des Regisseurs lag, oder einfach daran dass keiner erkannt zu haben scheint welche Möglichkeiten sich da eröffnet hätten, kann ich nicht sagen, so oder so bleibt aber ein fahler und enttäuschter Beigeschmack bei einem ansonsten wirklich gar nicht mal so schlechten Film.



Kurzreviews: Jennifer’s Body, Love Happens, All Inclusive, New in Town, A Tale of Two Sisters

22. November 2009 - 23:33 Uhr | Kategorie: Kritik | Noch nicht kommentiert...

Langer Titel, aber irgendwann muss ich ja mal irgendwas zu den ganzen Dingern raushauen.

Jennifer’s Body

JennifersBody
“Was meinst du mit mein Botox läuft aus?”

Eigentlich sollte es in die Sneak gehen, am Ende wurde jedoch Megan Foxs bzw. Juno Autorin Diablo Codys High School Gruseldrama daraus. Leider eine eher schlechte Entscheidung.

Der Film handelt von Jennifer und ihrer besten Freundin Needy, die als Schulschönheit und Streberin natürlich wunderbar zusammenpassen. Als beide ein Konzert einer Indie-Rockband besuchen fackelt plötzlich die ganze Schabracke ab, woraufhin Jennifer dem Drang nach einem logischen Plot erfolgreich widersteht und zusammen mit der Band in deren düsteren Gothic-Van in den Wald fährt. Kurz darauf taucht sie bei ihrer Freundin Needy auf, verletzt, heruntergekommen, blutend und hungrig. Statt diese nun aber auszusaugen kotzt sie lieber 3 Liter Teer auf den schönen Küchenboden und verpisst sich wieder. Kurz darauf sterben weitere Schüler der High School, und irgendwann zwischen einem Zungenkuss mit Megan Fox Jennifer und dem Sterben ihres Freundes kommt Needy auf den Trichter mit ihrer Freundin könnte irgendetwas nicht stimmen. Großer Showdown, Ende.

Der Film hat mehrere große Probleme. Meiner Ansicht nach ist das größte, dass er selbst nicht weiß was er sein will. Es gibt ein paar ganz nett gemachte Gruselszenen, zwischendrin immer mal wieder ein paar Gag-Einlagen, auch bekannte High School Klischees werden hier und da mal auf die Schippe genommen, nur um kurz darauf wieder in ein Kleinstadt-Sozialdrama umzuschwenken. Man könnte jetzt meinen, hey, genau so soll es sein, eine Horrorkomödie mit sexy Teenagerlife, doch leider versteht es der Film nicht das alles in ein großes Ensemble einzuordnen und nimmt sich dabei selbst noch viel zu ernst. Zeitweise kommt es einem vor als wären hier mehrere Filme einfach durcheinander gewürfelt worden, ohne Feingefühl wechseln Stimmung und Atmosphäre ständig und lassen sich den geneigten Zuschauer so fragen, was er hier eigentlich gerade sieht. Umso schlimmer fällt dann die plumpe Story ins Gewicht, Hauptdarsteller 1 wird zu Vampirwesen, Hauptdarsteller 1 tötet ein paar beliebige Leute, Hauptdarsteller 2 tötet Hauptdarsteller 1. Und das 102 Minuten lang, in denen nichts passiert was einen irgendwie großartig interessiert, was hauptsächlich daran liegt dass man sich zu keinem der Charaktere auf irgendeine Weise verbunden fühlt. Jennifer ist mal böse und mal nett, im einen Moment schlitzt sie Menschen auf und weidet sie aus, im anderen liegt sie in sexy Unterwäsche auf ihrem Bett und leckt sich gekonnt über die frisch gebleichten Zähne. Needy wechselt auch ihre Stimmungen wie ihre Socken, im einen Moment lässt sie sich von ihrem anscheinend 12 Jährigen Freund vögeln, im anderen rennt sie schnurstracks in ihr Verderben und verhält sich dabei noch wie mit Frankensteins IQ gesegnet.

Jennifer’s Body (wieso der Film so heißt ist mir ein Rätsel) will mit dem Sexappeal der Hauptprotagonistin spielen und das Ganze in ein realistisches, gruseliges und humorvolles Korsett packen, wirkt aber durch die plumpe und extrem behäbige Machart eher wie ein gescheiterter Versuch, weswegen fast alle Stellen und Szenen im Film ihre Wirkung vertun und somit die einzigen Szenen die dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben die sind in denen man Megan Fox halbnackt irgendwo rumturnen sieht. Leider sind aber selbst diese enttäuschend, denn einen Film an seiner heißen Hauptdarstellerin aufzuhängen und dann in Sachen Hotness nur auf Standard-Rumgeknutsche zu setzen ist wahrlich nichts wofür sich die 7 Euro fürs Kino lohnen. Einzig der Soundtrack hat ein paar nette Lieder zu bieten.

Love Happens

LoveHappens
“Hübsche Tasche!” – “Hübscher Zinken!”

Jennifer Aniston hat es nicht leicht. Nachdem ihr größter Erfolg, Friends, abgedreht war, sah man sie hauptsächlich in eher mittelmäßigen Liebeskomödien oder als Nebencharakter neben großen Namen wie Jim Carrey in Bruce Allmächtig. Der einzige Film der da etwas herausstechen konnte war Er steht einfach nicht auf Dich!, was aber sicherlich auch nicht gerade an ihrer schauspielerischen Brillianz lag, sondern eher am erfrischend leichten und dennoch schön geschriebenen Plot. Jetzt ist sie wieder da, zusammen mit Aaron Eckhart, der mit The Dark Knight und Thank you for Smoking zumindest schonmal zwei respektable Kinoerfolge feiern konnte.

Burke ist ein Ja-Sager, der sich seit dem tragischen Tod seiner Frau der Trauerbewältigung hingibt, Bücher veröffentlicht hat und Seminare gibt in denen er anderen Menschen hilft ihren Schmerz über den Verlust Geliebter zu verarbeiten. Eloise ist eine Lebefrau, die mit Männern nicht viel Glück hatte, einen Blumenladen führt und nebenbei einige Ticks pflegt die zu so einer Frau eben gehören, in Hollywood. Die beiden treffen in einem Hotel, in dem er ein Seminar gibt und sie die Innenraumbegrünung übernimmt (das Wort habe ich gerade erfunden… glaube ich), aufeinander, mögen sich erst nicht, dann aber doch. Er realisiert dass er trotz all seiner guten Ratschläge selbst den Tod seiner Frau noch nicht ganz verarbeitet hat, sie findet das ganz toll und hilft ihm dabei, und das Ende kommt wie es in Romantikkomödien eben so kommen muss. Er weidet sie aus und badet in ihrem Blut. Naja, man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Prinzipiell macht der Film nicht viel falsch, aber leider gelingt es ihm auch nicht sich in irgendeiner Weise von den Klischees des Genres zu lösen und die ein oder andere unerwartete Wendung zu zeigen. Insofern weiß man schon relativ früh worauf das Ganze hinauslaufen wird und muss so nur noch verfolgen wie der Plot die Treppe zum Happy End immer weiter hinaufsteigt. Anfangs nette Ansätze werden leider im Schmalztopf ertränkt, beispielsweise als der seit dem Tod seine kleinen Jungen arbeitslose Bauunternehmer zusammen mit den anderen Teilnehmern des Seminars durch eine Shoppingtour im nahen Baumarkt wieder ins Leben zurückfindet, begleitet von Herzschmerz-Musik und vielen Tränen von harten Kerlen. Das I-Tüpfelchen auf dem Schmalzberg ist die Szene als Burke gegen Ende hin vor den Seminarteilnehmern seine eigene Geschichte unter Tränen offenbart, was mit einer kräftigen und tränenreichen Umarmung mit seinem Ex-Schwiegervater und den Worten “Wir haben dir nie die Schuld an ihrem Tod gegeben, Junge.” endet. Das Kino applaudierte.

Insgesamt ist Love Happens also sicherlich kein schlechter Film, und für den zweisamen DVD-Abend um die Weihnachtszeit bestens geeignet, doch leider fehlt ihm jeglicher Versuch eine neue und innovative Story zu erzählen. Die Schauspieler machen ihre Arbeit solide, herausragende Leistungen darf man allerdings nicht erwarten, und so bleibt es am Ende bei einem netten Film. Und ihr wisst, was nett bedeutet.

All Inclusive

AllInclusive
“Jetzt sind wir endlich auf dieser scheiß Insel und ihr habt die Pointen zuhause vergessen?”

Ein Film der mit so einer Starbesetzung und so einem Setting auffährt kann kaum schlecht sein sollte man meinen. Vince Vaughn, den man aus zahlreichen guten Komödien aber auch einigen respektablen Dramen kennt, Jason Bateman, bekannt aus Hancock, Juno und Starsky & Hutch, Malin Akerman, die es sich in Watchmen als Silk Spectre II gerne in Ledermonturen bequem gemacht und selbige auch lasziv ausgezogen wieder hat, Kristen Bell, Privatschnüfflerin in Veronica Mars, Kristin Davis, die wohl jeder noch aus Sex and the City kennt, und nicht zuletzt sogar Jean Reno nimmt die Schuhe in die Hand und lässt sich in diesem Film den Sand von Bora Bora zwischen die Zehen rieseln.

Die Story ist schnell erzählt. Vier befreundete Paare wollen Urlaub auf der Insel Eden und dem dortigen Resort machen um dabei mittels Paartherapien und tantrischen Übungen ihre Ehen oder ihre Beziehungen wieder auf Vordermann zu bringen. Während die Insel anfangs noch ihren kühnsten Erwartungen entspricht, stellt sich bald heraus dass die dortigen Distriktiven hart und oberstes Gesetz ihre Befolgung ist. Auch der formschöne Yogalehrer mit seiner offenen Sexualität und die Therapien wirbeln so einiges an Ärger und zwischenmenschlichen Problemen auf.

Viel lässt sich über diesen Film wirklich nicht sagen. Die Schauspieler verrichten ihren Job passabel, grobe Schnitzer gibt es keine und sogar Jean Reno schafft es die ihm aufgetragenen Rolle als französischer Beziehungsguru nicht komplett im Klischeetümpel versinken zu lassen. Knapp ist es aber schon. Das größte Problem dieses Films ist wohl die offenkundige Lustlosigkeit des Drehbuchs, während 2-3 Gags tatsächlich ganz witzig sind schafft es der Rest des Films nicht einen über ein mattes Schmunzeln hinaus zu bringen. Irgendwie hat man alles schonmal irgendwo gesehen, selbst das neumodisch gedachte Guitar Hero Match ist heute nicht mehr allzu frisch und wirkt in seiner Präsentation genauso uninspiriert wie der Rest des Plots. Die zwischenmenschlichen Dramen der Protagonisten bewegen sich auf McDonalds Niveau (sieht aus wie Fleisch, schmeckt aber nach Pappe), die Story ist vorhersehbar wie meine allmorgendliche Sitzung auf dem Klo und die Charaktere in ihrer Ausarbeitung flacher als Milla Jovovich. Wäre alles zu verschmerzen wenn wenigstens die Gags zünden würden, doch irgendwie scheint sich keiner am Set bewusst gewesen zu sein wann denn jetzt eigentlich wo welche Pointe hingehört. Selbst Vince Vaughn, der mit seiner trockenen staksigen Art sonst immer den ein oder anderen Lacher kassieren konnte, scheint in All Inclusive chronisch gelangweilt zu sein, was umso merkwürdiger ist wenn man bedenkt dass er am Drehbuch mitgearbeitet hat.

Wenn dann ist dieser Film nur für den DVD-Abend geeignet, wer allerdings mal gerne einen eineinhalb stündigen Werbefilm über Bora Bora mit mittelmäßigen Witzen sehen will, der kann zugreifen. Wobei, selbst das gibt es schon, für Windows 95, mit Matthew Perry und Jennifer Aniston.

New in Town

NewInTown
“Ich bin zwar nicht Gerard Butler, aber das kann ich!”

Frau/Mann wird beruflich von der Großstadt in ein kleines Kaff versetzt, Frau/Mann findet das ganz doof und mag die Kleinstadtleute nicht, Frau/Mann trifft einzige/n alleinerziehende/n Mutter/Vater, verliebt sich, findet gefallen an diesen putzigen Landeiern, geht zurück in die große Stadt und kehrt rechtzeitig für das große Happy End wieder zurück. Ende. Altbekannte Story, altbekannte Charaktere, altbekannte Renée Zellweger. Obwohl man das alles schon dutzende Male gesehen hat schafft es New in Town dennoch einen mit dem Charme der kleinen Leute einzulullen und hat sogar ein paar ganz lustige und herzliche Momente. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden um einen netten kleinen Film zu drehen, gut für den winterlichen DVD-Abend. Oder um nebenbei ein kleines bisschen rumzuvögeln.

A Tale of Two Sisters

ATaleofTwoSisters
“Wieso werden wir seit Shining eigentlich” – “immer nur für solche Scheißrollen besetzt?”

Eigentlich bräuchte dieser Film ein eigenes dickes Review, denn er ist alles andere als klein und schnell behandelt. Ich will es aber dennoch versuchen. 2003 in Südkorea entstanden wird die Verfilmung eines alten Märchens von zwei Schwestern bis heute als einer der besten Filme aus Korea gehandelt. Su-mi und Su-yeon kommen nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie in das Haus ihres Vaters zurück, wo sie zusammen mit der Stiefmutter leben. Das Verhältnis zwischen den Töchtern und der Stiefmutter ist von Anfang an angespannt, auch der Vater hat offensichtlich keinen direkten Zugang zu seinen Töchtern. Plötzlich beginnen mysteriöse Ereignisse sattzufinden, nachts sind fremde Geräusche zu hören, Gegenstände im Haus scheinen ihre Plätze zu wechseln, die Bewohner haben teils schreckliche Visionen und das Verhältnis zwischen den beiden Töchtern und der Stiefmutter verschlechtert sich zusehends bis es zum Eklat kommt und die Stiefmutter eine der Schwestern in einen Schrank sperrt und versucht die andere umzubringen.

So viel zur Geschichte, zu viel will ich auch nicht verraten, denn während man den Charakteren auf dem Bildschirm folgt bleiben die größten Fragen bis zum Ende im Dunkeln. Was ist den Schwestern geschehen? Wieso ist ihr Verhältnis zur Stiefmutter so gereizt? Was ist mit der Mutter passiert? Und überhaupt, wieso liegt hier eigentlich Stroh? Allerdings wäre dieser Film kein koreanischer Film, wenn der große Twist am Ende nicht so einiges an Überraschungen bereit halten würde, und wenn alles auf der rationalen Ebene erklärbar wäre. Die Geschehnisse deuten schon darauf hin, in diesem Haus ist etwas schlimmes geschehen, und irgendetwas geht immernoch vor sich, doch was, das erfährt der Zuschauer erst am Ende.

Was den Film neben der Geschichte auszeichnet ist vor allem seine einzigartige Gestaltung. Entgegen den teils ausartenden Situationen im Film ist es die Kamera, die alles ruhig und in ungewöhnlich langen Einstellungen einfängt. Obwohl man derartige Kameraarbeit von solchen Filmen teilweise ja schon gewohnt ist, treibt A Tale of Two Sisters das ganze auf die Spitze und setzt die Schnitte so bewusst und Messerscharf dass einem der Atem wegbleibt. Die dadurch erzeugte Spannung wird aufs Äußerste ausgereizt, selbst bei scheinbar vorhersehbaren Szenen bricht einem der Schweiß aus und man will eigentlich schnell vorspulen damit es endlich passiert. Die Stimmung behält dabei stets einen destruktiven, psychisch bedrückenden und fast schon lebensnahen Charakter bei, was teilweise an Funny Games erinnert. Wenn (ich nenne mal keine Namen) eine Person plötzlich grundlos in der Küche zusammenbricht und ein 5-Minütiger Krampfanfall inklusive verdrehter Glieder, weißer rollender Augen und einem Monster unter der Spüle folgt, oder wenn eine der Töchter zusammen mit einer Leiche unter einem Kleiderschrank begraben wird und niemand ihr hilft, dann sind das Momente in denen man das Leid und den Horror lebhafter denn je nachempfinden kann. Es sind diese Sequenzen die länger dauern als einem lieb wäre, die stiller und dennoch eindrücklicher präsentiert werden als man es von jedem Hollywood-Horrorfilm gewohnt ist und die sich einem ins Gedächtnis gebrannt haben, wenn nach fast zwei Stunden das Rätsel gelöst ist und das Ende fast schon in poetischer Schönheit abläuft.

Die Schauspieler liefern eine großartige Show ab, allen voran Yeom Jeong-ah als strenge Stiefmutter. Auch die Vertonung ist einzigartig, passt wie der Tritt in den Schritt, lässt einen immer tiefer in die Geschichte um die zwei Schwestern eintauchen und pusht die Spannung nochmal ein ganzes Stück weiter ans Limit. Somit kann ich mich den Meinungen nur anschließen, A Tale of Two Sisters ist mit eines der besten Kunststücke die sich aus Korea importieren lassen. Die Story ist interessant und der Plot hält einige Überraschungen bereit, die Kameraarbeit ist fantastisch und auch der Rest weiß zu begeistern. Wer Lust auf einen nervenzerfetzenden Abend hat und sich mit dem asiatischen Hang zum Übernatürlichen bisher immer gut anfreunden konnte, dem kann ich nur empfehlen sich über Amazon die Special Edition für läppische 10 Euro zu Weihnachten schenken zu lassen.



Zombieland

9. November 2009 - 03:19 Uhr | Kategorie: Kritik | Noch nicht kommentiert...

2009, USA
Regie: Ruben Fleischer
Drehbuch: Paul Wernick, Rhett Reese
Schauspieler: Jesse Eisenberg, Woody Harrelson, Emma Stone, Abigail Breslin, etc.
Links: Offizielle Website | OFDb Eintrag | Imdb Eintrag | Wikipedia Eintrag | Filmstarts.de

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“Wer hat hier gesagt ich bin nicht witzig?”

Zombieland, das ist dieser Film mit Zombies, Woody Harrelson und Bill Murray, unter dem man sich irgendwie nur schwer etwas vorstellen kann. Witzig soll er sein, manchmal auch gruselig, auf jeden Fall aber ziemlich cool, sagen die Amis. Zombies sind wieder in, wie Sahnestückchen wie Dawn of the Dead, Shaun of the Dead oder 28 Days Later eindrucksvoll bewiesen haben, und während Genrekönige längst vergessener Tage wie George Romero sich immernoch auf veraltete Tugenden berufen, die Zombies nicht rennen lassen und somit Paradebeispiele dafür abgeben wie sehr sich die Sehgewohnheiten und Geschmäcker der Zuschauer geändert haben, poppen hier und da Frischlinge unter den Regisseuren auf die dieses klassische Genre fabulös an die heutige Zeit anpassen und damit wieder das Interesse der Massen wecken. Ganz so frisch, wie oft gerne geschrieben wird, ist zwar auch Regisseur Ruben Fleischer nicht mehr, dennoch, mit Zombieland hat er es geschafft sich in die Herzen der Filmnerds und an die Spitze der Kinocharts zu spielen.

Also was ist Zombieland? Komödie? Zombiefilm? Postapokalyptisches Drama? Hommage an das Genre? Die Antwort: Alles.
Der Film beginnt mit Columbus, einem schüchternen WoW spielenden Nerd, der als einer der Wenigen den Ausbruch der Zombies überlebt hat und sich seitdem durch den Alltag schlägt indem er sich an seine eigenen Überlebensregeln hält, die gekonnt und toll inszeniert das ganze Genre auf die Schippe nehmen. Dich verfolgen ein paar Zombies? Renn ein paar mal im Kreis und steig dann in das nächstbeste Auto und fahr einfach davon. Erledigte Zombies stehen meistens noch ein zweites Mal auf? Kein Ding, ein zweiter Schuss in den Kopf löst auch dieses Problem.

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“Und darum, Freunde, ist Burger King besser als McDonalds. Zombieclowns…”

Irgendwann macht sich Columbus auf den Weg in seine Heimatstadt um seine Familie zu finden, trifft auf dem Weg den von Woody Harrelson fantastisch gespielten Tallahassee, der sich mit der Situation arrangiert hat und eigentlich nur noch den nächsten Twinkie und Zombie Kill of the Week sucht, aber auch seine dunkle Vergangenheit hat. Generell zieht sich das Thema des Misstrauens und der Geheimnisse der letzten Überlebenden durch den gesamten Film, so auch als die beiden auf zwei Schwestern treffen und sich von ihnen zweimal übers Ohr hauen und sowohl Waffen als auch Auto klauen lassen. Gezwungenermaßen begeben sich die vier zusammen auf eine Reise quer durchs Land, freunden sich langsam an, töten Zombies, verwüsten Einkaufsläden, wohnen bei Bill Murray in Hollywood und landen schlussendlich in einem Vergnügungspark.

Mehr über die Story zu wissen ist eigentlich gar nicht nötig. Der ganze Film hat durchgehend eine ordentliche Geschwindigkeit und treibt die Protagonisten von einer irrwitzigen Situation in die nächste. Zwischendrin gibt es viel zu lachen, ob es jetzt Slapstick Einlagen sind, kleine Seitenhiebe auf Genrekollegen, popkulturelle Anspielungen, trockene Oneliner oder einfach der Spaß dem Chaos und der Anarchie die sich auf der Leinwand abspielt zu folgen. Es ist als hätten sich hier ein paar filmverliebte Nerds zusammengesetzt und sich überlegt was sie tun würden wenn die Welt untergehen würde und sie tun könnten was sie wollten, jeder Schauplatz ist liebevoll ausgewählt, die Dialoge sind zwar nicht die tiefgründigsten, passen aber in ihrer derben Art immer zu den Charakteren und der Film sprüht nur so vor spaßigen Ideen. Man kann den Schauspielern den Spaß am drehen geradezu ansehen, die Chemie zwischen dem harten Zombieschnetzler, dem schüchternen Nerd, der 12-Jährigen Hannah Montana hörenden Schwester und der in Wirklichkeit gar nicht so selbstsicheren Femme Fatale passt in jeder Sekunde des Films. Vor allem Woody Harrelson scheint in seiner Rolle seit langem mal wieder richtig aufzugehen, so hat er die komplette Kleidung seines Charakters selbst gestaltet und ist einer der freudigsten Fürsprecher für ein Sequel. Sogar Bill Murray passt in seiner kleinen Nebenrolle wunderbar in das Geschehen und war trotz anfänglicher Überlegungen Patrick Swayze oder Sylvester Stallone für diesen Part zu besetzen wohl die beste Wahl.

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“Zum Hochzeitstag? Bist du dir sicher?”

Auch dem Script, geschrieben von Paul Wernick und Rhett Reese, merkt man seine lange Entwicklungszeit und die Liebe zum Detail an. Jeder Charakter hat seine eigene Geschichte, die ihn zu dem macht der er im Film ist, und jeder hat so seine eigene kleine Lebensweisheit die er dem Zuschauer präsentiert, sei es Don’t be a Hero von Columbus oder Enjoy the small things von Tallahassee. Obwohl zwischen Drehstart im Februar 2009 und Kinorelease im Oktober nicht mal ein ganzes Jahr liegt sprüht Zombieland nur so vor Charme, ist vollgestopft mit verrückten Ideen und tollen Charakteren, hat einen tollen Soundtrack und ist auch filmtechnisch auf der Höhe der Zeit, wie das eindrucksvolle Slowmotion-Intro beweist.

Für mich ein Höhepunkt des Filmjahres 2009, und sicher auch ein weiterer Meilenstein in der Wiederauferstehung des Zombiegenres. Zombieland ist ein junger frischer Film, bei dem es auch ohne große Storytwists Spaß macht einfach dem Handeln auf der Leinwand zuzuschauen, und so war ich zum ersten Mal seit langem wieder fast schon etwas etwas traurig als der Abspann nach nur 81 Minuten das Ende einläutete. Dennoch, wer auf richtig derben Humor und Zombies steht, der kommt an diesem Film nicht vorbei, alle zartbesaiteten können zuhause bleiben und ‘ne warme Milch trinken.



Eden Lake

12. Oktober 2009 - 05:06 Uhr | Kategorie: Kritik | Noch nicht kommentiert...

Auf dem Fantasy FilmFest 2008 lief Eden Lake als Eröffnungsfilm. Der Regisseur und Autor James Watkins war selbst anwesend, und verkündete, diesen Film schaue man nicht, nein, man überlebe ihn. Außerdem brauche man einen starken Magen, womit er nicht nur auf die gezeigte Gewaltdarstellung, sondern auch auf das eigentliche Thema das Films anspielte, welches in Zeiten von Happy Slapping, YouTube und Co brisanter denn je sei.

Das ist natürlich alles Bullshit. Der Film gestaltet sich größtenteils wie ein normaler Backwood-Horror-Flick, ein fröhlich herumgluksendes junges Pärchen will sich ein schönes Wochenende irgendwo auf dem Land, im Wald an einem See machen. Kaum angekommen gibt es erste Begegnungen mit unfreundlichen Einheimischen, und schon bald stellt sich auch schon heraus wer diesmal die Rolle der meuchelnden inzestgeschädigten Zombiemonsterschnetzler übernimmt, nämlich eine Gruppe Jugendlicher, die von der einödenden Einöde des öden Landlebens so angeödet sind, dass sie sich einen Spaß daraus machen die beiden Touristen ordentlich zu terrorisieren. Als dann einer der beiden Hauptprotagonisten auch noch ungewollter Weise den Hund des Anführers der Halbstarken tötet, kommt es zum Eklat, der Elternbeirat wird zusammengerufen und das Pärchen wird des Waldes verwiesen, womit der Film zuende ist. Schön wärs.

Der weitere Ablauf des Films besteht hauptsächlich in der versuchten Flucht des Pärchens und deren scheitern, der Mann wird von den Jugendlichen gefangen genommen und ein bisschen gezweiteilt, woraufhin er stirbt, die Frau rennt durch den Wald, fällt hin, wird geschnappt, flieht, rennt durch den Wald, fällt hin, wird geschnappt, flieht, rennt durch den Wald, und so weiter und so fort. Und das leider gar nicht mal so sehr metaphorisch gesprochen. Dabei hält sich natürlich auch Eden Lake an die Vorgaben des Genres, die Charaktere verhalten sich wunderbar unlogisch, geradezu gewollt dumm (“Nein ich ruf nicht mit dem Handy die Polizei, lieber versuche ich über Bluetooth ein Handy der Mörder zu hacken und damit die Polizei zu rufen, McGuyver würds genauso tun!”), das Auto wird gegen einen Baum gesetzt, das Handy hat nur einen Balken Empfang und der Akku ist auch fast alle, statt zu fliehen wird den Jägern in die Arme gelaufen, und zwischendrin wird einem kleinen netten Inderjungen der Kopf angezündet. Dazu aber später mehr.

Auch das Ende ist nicht minder vorhersehbar, natürlich entpuppt sich die mögliche Rettung als dead end, Hinterwäldler müssen ja zusammenhalten, womit der Film rein Storytechnisch schonmal eins zu eins tausend anderen Genrekollegen gleicht und sich somit erfolgreich in die Riege mittelmäßiger bis schlechter Backwood-Schnetzler einreiht. Spannung nicht vorhanden, Gruselfaktor 0. Doch halt! War da nicht noch was?

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“Ich kaufe ein A und löse: Stuhl im Gesicht!”

Stimmt. Wie der unglaublich tiefgründige letzte Blick eines Täters in die Kamera hinein eindeutig vermittelt, soll es hier um mehr gehen als um grobe Mettwurst, der Zuschauer wird vorwurfsvoll und subtil mit dem Zaunpfahl erschlagen und wird zu guter letzt nochmal aufgefordert so lange über den Film zu grübeln bis dessen tiefere Bedeutung endlich ans Tageslicht befördert wurde, was gar nicht so lange dauert. Geschickterweise wurden die gewaltgeilen Freaks einfach mal mit Jugendlichen ausgetauscht, die mehr oder weniger fröhlich Bauchhölen aufschneiden und Menschen verbrennen. Zwar geht die Gewalt hauptsächlich vom Anführer der Gruppe aus, doch schlussendlich sind sie alle dabei, und auch das Video auf dem Handy fehlt dabei nicht. Und ja, auch ein Kind muss mal dran glauben, genaugenommen sogar zwei, eigentlich sogar drei, wenn man den kleinen Inderjungen mitzählt dessen Kopf angezündet wird. Zu dessen Sinn und Zweck aber später mehr.

Et voilà. Da haben wir ihn, den Bezug zur heutigen Gesellschaft, den großen Schock, die große Anklage, die tiefere Bedeutung. Dumm nur, dass man davon den Film über nichts mitbekommt, und wie oben erwähnt erst am Ende darauf hingewiesen wird dass da mehr drinstecken soll. Denn während sich andere Filme tatsächlich mit eine solchen Thematik beschäftigen, Gründe, Entwicklungen und Ansätze aufzeigen, wird hier einfach mal ein schlechter Schnetzelfilm abgespult und danach der (für Indie-Kino ganz wichtige) Stempel “Gesellschaftskritisch” draufgehauen. Ja, es sind Kinder die da ihren Schabernack treiben, aber ohne Gründe oder eben Entwicklungen bezüglich dieses Themas zu behandeln stellt sich der Film diese Frage selbst nicht mal, die der Regisseur da an die große Glocke hängt. Wie als würde Keanu Reeves am Ende von Matrix in der Telefonzelle in die Kamera sehen und sich laut Fragen:”Ob ich Sex mit einer 16 Jährigen haben darf?”. Wuschhhhhh!!!

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“Auf jeden, Alter!”

Tja, also was haben wir da? Einen schlechten, langweiligen, spannungsarmen Schnetzelfilm mit Möchtegernsinn, und auf unlogische Handlungsstränge reagiere ich allergisch. Dazu einen mysteriösen, storytechnischen komplett irrelevanten Inderjungen dessen Kopf angezündet wird. Wozu? Mit irgendwas muss man die 2 Stunden ja voll kriegen.



Nick und Norah – Soundtrack einer Nacht

28. Februar 2009 - 16:20 Uhr | Kategorie: Kritik | Noch nicht kommentiert...

Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht Nick and Norah’s Infinite Playlist
2008, USA
Regie: Peter Sollett
Drehbuch: Rachel Cohn, David Levithan
Schauspieler: Michael Cera, Kat Dennings, Aaron Yoo, Alexis Dziena, etc.
Links: Offizielle Website | OFDb Eintrag | Imdb Eintrag | Filmstarts.de

Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht
“Bist du nicht… dieser… du bist doch… dieser Kerl aus Juno… oder? Na?”

“Hi, du kennst mich nicht, weil ich im Film nicht wirklich vorgestellt werde, aber ich bin der Typ aus Juno, und aus irgendeinem Grund finden mich die hübschesten Mädchen in diesem Film alle süß in meinen Karottenjeans. Da wäre zum Beispiel meine Ex, total heiß, und eigentlich bin ich total traurig dass sie mich verlassen hat, naja, bis zum Ende des Films jedenfalls, da hab ich dann ‘ne Neue. Meine Ex steht eigentlich noch auf mich, obwohl sie mich andauernd betrogen und dann mit mir Schluss gemacht hat, das ergibt für mich irgendwie keinen Sinn, aber wenn es so im Drehbuch steht wird es wohl stimmen.

Und dann ist da dieses andere Mädchen, viel heißer als meine Ex, und sie steht auch auf mich, und am Ende vom Film kommen wir zusammen, was aber sowieso schon nach 2 Minuten klar ist. Ihr Papa ist berühmter Musikproduzent, das ist aber nur wichtig weil ich seine Tochter später im Film in seinem Musikstudio fingere, was auch nur wichtig ist weil sie da einen Orgasmus hat, was auch nur wichtig ist weil sie irgendwann früher im Film meint, sie hätte noch nie einen gehabt. So ist das eben bei den Frauen, die haben keinen Orgasmus, bis der richtige Typ sie mal eben auf der Couch fingert. Richtiger Filmklassiker, oder?

Irgendwie geht es in dem Film auch um Musik, und eigentlich suchen wir die ganze Zeit auch den Auftritt einer Band, aber mehr ist den Autoren wohl nicht eingefallen. Darum haben sie noch ein Mädchen erfunden, das wir die Hälfte des Films suchen weil es betrunken irgendwo in der Stadt herumläuft und rumkotzt, und das dafür sorgt dass keinem auffällt dass dieser Film eigentlich gar keine Handlung hat. Übrigens genau wie meine drei schwulen Freunde und Bandkollegen, die außer ein paar lückenfüllenden Dialogen und den altbekannt-typischen Schwulengags auch nichts zu tun haben außer den Film unter den Armen zu packen und durch die Plotlöcher zu schleifen.”

Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht
“Wieso muss ich eigentlich in jedem Film seit Juno Gitarre spielen?”

“Ach und dann gibt es da noch diesen Kaugummi, der durch den ganzen Film wandert. Was der für einen Sinn hat weiß ich auch nicht, irgendwann liegt der mal in Kotze und wird dann wieder gegessen, ich glaube das findet die Zielgruppe ziemlich witzig. Kotze, hehe. Vielleicht haben sie den aber auch nur erfunden damit sie Stoff für weitere 5 Minuten hatten um gerade so die 90 Minuten Grenze zu erreichen. Mit Abspann.

Naja, aber eigentlich geht es in dem Film, wie der Titel ja sagt, sowieso hauptsächlich um die Musik. Davon wird auch oft gesprochen. Ehrlich gesagt finde ich die Musik darin aber eher langweilig, uninspiriert und total wahllos reingestreut, obwohl ich und alle anderen in unseren Dialogen dauernd davon sprechen wie cool sie doch sei. Das ist eigentlich voll schade, ohne Handlung, ohne gute Musik, und ohne Charme ist dieser Film eigentlich langweiliger als eine schlechte Folge von Star Trek. Aber wen kümmerts, die Leute hier in Hollywood werden schon wissen was sie tun, ich vertrau denen, und da man mich ja aus Juno kennt gehen bestimmt sowieso genug Leute ins Kino. Ich bin nämlich der Typ aus Juno.”

Fazit: Uninspirierte Teenie-Liebeskomödie, mit wenig Handlung und wenig Herz.
Einen Extrapunkt gibt es für den Gastauftritt von John Cho.


Der Nebel

12. April 2008 - 00:22 Uhr | Kategorie: Kritik | Noch nicht kommentiert...

The Mist
2007, USA
Regie: Frank Darabont
Drehbuch: Frank Darabont (nach einer Geschichte von Stephen King)
Schauspieler: Thomas Jane, Marcia Gay Harden, Laurie Holden, Toby Jones, Jeffrey DeMunn, etc.
Links: Offizielle Website | OFDb Eintrag | Imdb Eintrag | Wikipedia Eintrag | Filmstarts.de

Der Nebel
“Wer hat hier gefurzt? Ich seh’s doch!”

“Ohje, noch eine King Verfilmung die nicht an ans Original heranreicht.” war mein erster Gedanke als ich von diesem Film hörte. Und ich hatte recht. Aber es hätte durchaus schlimmer kommen können.

Die Kurzgeschichte die hier zugrunde liegt habe ich vor ein paar Monaten gelesen, so lange ist das noch gar nicht her. Insofern konnte ich mir den Film nicht ganz unvoreingenommen ansehen. Während die Geschichte nicht zu den Besten, allerdings zu den wirklich Besseren von Stephen King gehört, ist der Film eher so medium, also so mittel, und irgendwie verbreitet er auch nicht wirklich King Stimmung, jedenfalls anfangs.

Die Story nur grob. Nach einem Sturm fährt ein Vater mit seinem Sohn in den Supermarkt um ein paar Dinge einzukaufen. Plötzlich hüllt ein geheimnissvoller Nebel alles in erdrückendes Weiß, und es ist recht schnell klar dass im Nebel, der wohl eines geheimen Militärprojektes in der Umgebung entsprungen ist, irgendetwas Blutrünstiges lauert. Fortan kämpfen die Menschen im Supermarkt gegen die Viecher von draußen und, eigentlich noch viel mehr, gegen sich selbst im Inneren. Irgendwann jedenfalls werden alle zu religiösen Fanatikern, was den Vater samt Sohn und ein paar Anderer mit dem Auto fliehen lässt.

Der Nebel
“Blöd, blöd, blöd, blöd, du bist cool, blöd…”

Well well well, erstmal zu den schlechten Seiten des Films, dann zu den guten, also in der gleichen Reihenfolge wie im Film. Während sich viele über die schlecht animierten CGI Monster aufregten, fand ich diese gar nicht so schlimm. Klar, dass in dem Film keine Hundertmillionen stecken sieht man ihnen an, aber um eklig auszusehen reichen sie aus. Obwohl ich mir die Monster ja allgemein während dem Lesen des Buchs etwas schleimiger, und vor allem die Spinnen etwas schwärzer und horrormäßiger vorgestellt hatte.

Der gesamte Film ist, ganz dem Trend folgend, mit einer sehr beweglichen Kamera gefilmt. Nicht so wackelig wie Cloverfield, aber auch nicht so schön ruhig wie Spielberg, was mir persönlich nicht so sehr gefiel. Ich habe lieber genau im Blick was wichtig ist, und muss es nicht immer über den Bildschirm mitverfolgen.

Nun zu dem größten Manko des Films: die Charaktere. Während King in seiner Geschichte jeden Charakter glaubwürdig beschreibt und damit die komplette Situation, so plemplem sie auch ist, authentisch rüberkommt, wird im Film irgendwie nicht viel wert darauf gelegt dass man den Figuren abnimmt was sie darstellen sollen. Noch verschlimmert wird das Ganze durch die völlige Fehlbesetzung, wie ich finde. Der Nachbar, im Buch ein wichtiger Charakter, wird völlig außer Acht gelassen, die verrückte Mrs. Carmody hat sowas von die falsche Schauspielerin abbekommen, selbst die saufenden Dummschwätzer kommen nicht wirklich rüber und auch von der Beziehung zwischen dem Vater und dem Sohn bekommt man kaum etwas mit. Am schlimmsten wird das alles aber am Beispiel der Ehefrau ersichtlich. Während die Fahrt zur Frau im Buch wirklich eine erdrückende und traurige Stelle in der Geschichte markiert, ist ihr Verbleiben dem Zuschauer beim Film völlig piepegal. Denn mit dem quasi komplett gestrichenen Anfang der Geschichte fehlt auch das Kennenlernen der Ehefrau, die im Film gerade mal 30 Sekunden zu sehen ist und dabei nur zwei Sätze von sich gibt.

Der Nebel
Familienausflug ins Disneyland, das Kind ist begeistert!

Und genau daran verreckt leider der gesamte erste Teil des Films. Denn mit den flachen und unglaubwürdigen Charakteren fällt es einem schwer die Vorfälle im Supermarkt ernst zu nehmen. Irgendwie kommt einem das alles ein bisschen bekloppt vor, und als die aufgebrachte Meute dann zu Mrs. Carmodys (ich kann es nur wiederholen, die ist sowas von falsch besetzt!) persönlicher Armee mutiert zweifelt man dann doch an der Glaubwürdigkeit.

Jetzt aber zum guten Teil des Films, und der beginnt genau dann wenn die 5 Flüchtlinge sich in das Auto setzen, die erste warnehmbare Musik im Film beginnt, und sie losfahren. Erst jetzt wird dem Zuschauer die verlorene Situation und die Aussichtslosigkeit bewusst, erst jetzt verbreitet der Film die Stimmung des Buchs, erst jetzt kamen bei mir Gefühle auf. Und als über das Auto dann das riesige Monster aus einer anderen Dimension hinwegläuft, ja, genau dann, und sind es nur 20 Sekunden, genau dann sieht man einen King Film, die Schönheit die seine Geschichten durch die realistische Darstellung des Unrealistischen bekommen.

Das Ende hält sich dann nicht an die Vorlage. Für einen Hollywoodfilm ist es fast schon eine Sensation, dass es dieses Ende in die finale Version geschafft hat. Ohne es zu verraten kann ich sagen, dass es ziemlich aussichtslos und extrem bedrückend ist. Trotzdem ist es eigentlich sogar noch positiver als das Ende der Vorlage, ist darin doch offensichtlich die gesamte Menschheit ausgerottet.

Das Ende kann insofern gefallen, obwohl, aber auch gerade weil es so anders ist als man es erwarten würde. Mir jedenfalls gefällt es. Einzig das verzweifelte Schreien in der letzten Szene hat mich verwirrt. Ich konnt mich beim Ansehen nicht entscheiden ob das jetzt unglaublich schlecht, oder unglaublich gut geschauspielert ist, dieses abdriften ins Wahnsinnige.

Also was bleibt? Eine King Verfilmung die wieder mal hinter der Vorlage zurückbleibt weil die Story aufgrund flacher Charaktere einfach nicht wirken will. Dafür aber ein tolles Ende, das zwar von der Vorlage abweicht, doch trotzdem noch eine schöne Pointe ist. Insgesamt also ein sehenswerter Horrorfilm, nichts wahnsinnig Gutes, dafür aber auch nichts komplett Schlechtes.

Fazit: Horrorfilm mit großen Schwächen, dafür aber einem tollen Ende.
Für Horrorfans empfehlenswert!


Resident Evil: Extinction

6. Oktober 2007 - 01:46 Uhr | Kategorie: Kritik | 1 Kommentar

2007, USA, Deutschland/Großbritannien/Frankreich/Australien
Regie: Russell Mulcahy
Drehbuch: Paul W.S. Anderson
Schauspieler: Milla Jovovich, Oded Fehr, Ali Larter, Iain Glen, etc.
Links: Offizielle Website | OFDb Eintrag | Imdb Eintrag | Wikipedia Eintrag | Filmstarts.de

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Resident Evil: Extinction
“Der Friseur ist zwar scheiße, dafür passen die neuen Nippel aber wie angegossen!”

Eigentlich sollte es die Sneak sein, aber an der Kinokasse wurde es dann doch Resident Evil: Extinction. Das hatte drei gute Gründe: Milla Jovovich, Zombies, und Milla Jovovich. Ja ich gebs zu, ich steh auf diese Frau, die es auch ohne silikonverstärkte Hochglanzpolitur und hautengen Neoprenanzug à la Lara Croft schafft in all ihren Rollen und in noch so schlecht choreographierten Fistfights immer eine so rauhe und gleichzeitig zuckersüße Erotik auszustrahlen dass ich, selbst wenn ich Filme hassen würde, mir wünschen würde ihr Regisseur zu sein nur damit sie auch mit mir schläft, was sie wohl ganz gerne mal tut.

So, genug der langen Sätze, jetzt kommen die kurzen, denn jetzt gehts um die Story. Die ist schnell erzählt. Nachdem die gesamte Welt nahezu ausgerottet ist von dem Virus der alle Menschen zu Zombies verwandelt, suchen die letzten Überlebenden nach irgendeiner Rettung oder zumindest der nächsten Tanke um weiter danach suchen zu können. Milla, also Alice, hat sich nun schon fünf Jahre lang durch die inzwischen verdorrte Landschaft Amerikas gekämpft, als sie schließlich auf einen Konvoi trifft mit dem sie einer gefundenen Karte nach gen Norden fahren will um das gelobte zombiefreie Land zu finden. Denkste, auch wenn die Welt untergeht kommt man ohne Benzin nicht weit, und so wird Las Vegas angesteuert um erstmal aufzutanken.

Zeitgleich forscht die Umbrella Corporation in ihren unterirdischen Laboratorien mithilfe von Dr. Isaac an einem Antivirus, wozu sie aus Millas, äh Alices Blut Klone züchten, die dann zu Forschungszwecken wieder umgebracht werden, weil ihr Blut wohl das Anitserum enthält. Klingt irgendwie komisch, ist es auch. Außerdem suchen sie immernoch nach dem Original, langsam gehen ihnen die Vorräte aus und… ach, scheiß drauf. Alice ist auf der Flucht vor der Umbrella Corporation und zwischendrin gibt es noch ganz viele Zombies und Überlebende, deren einziger Zweck aber eigentlich im effektvollen Ableben besteht. So, nicht mehr und nicht weniger, das ist die Story.

Resident Evil: Extinction
Tick, Trick und Track, mitte 30, nach Tricks Geschlechtsumwandlung

Im Großen und Ganzen beginnt der Film wirklich sehr gut, nämlich mit einem fetten déjà-vu aus Teil 1 und Teil 2. Milla, äh Alice, wacht mal wieder bewusstlos und nackt in der Dusche in ihrem Haus auf, und wandelt daraufhin durch eine Kulisse der Gebäude aus den ersten beiden Teilen. Kurz darauf wird sie erschossen und landet in einem Alice-Klon-Massengrab mitten in der Wüste. Ein wirklich starker Anfang, mit dem der Rest des Films leider maximal optisch mithalten kann.

Es gibt ein paar wirklich beeindruckende Szenen. Beispielsweise die Vernichtung der mutierten Raben durch einen riesigen psychokinetischen Feuerball, die Explosion eines Tanklasters mitten in einem Meer von Zombies, Alice’ Deaktivierung oder generell die Kämpfe, die gottseidank um ein vielfaches besser als in Teil 2 aussehen, was wohl an der weggelassen Wackelkamera, einer besseren Choreographie, dem vielen Blut und den beiden fetten Macheten von Alice liegt.

Dennoch, so gut die Optik auch manchmal ist, so durchwachsen ist die Story.

Abgesehen davon dass sie vom Umfang her wohl locker platz auf einer DinA 4 Seite finden würde hat sie, und das ist viel schlimmer, viele viele Logikfehler und Dialoge die so strunzdoof und überflüssig sind wie die Haare auf meinen Füßen. Ein Beispiel? Dr. Isaac lässt in Las Vegas einen Container mit Zombies deponieren, um Milla, äh Alice zu fassen zu bekommen. Diese steuert natürlich schnurstracks (schreibt man das so?) darauf zu aber riecht den Braten. Die Vorderfront des Containers fällt herab, man kann 1-2 Meter weit hinein sehen, der Rest bleibt im Dunkeln verborgen. Plötzlich kommt eine Horde Zombies herausgestürmt, und wenn ich Horde sage meine ich Horde. Nicht nur 4 oder 5, nein mindestens 30-35 Zombies kommen da aus diesem kleinen Container gerannt und jagen und zerfleischen die Menschen.

Ein anderes Beispiel. Ein Mitglied des Konvois wird von einem Zombie gebissen. “Tja, verkackt!” denkt man sich, hat man doch im ersten Teil noch gesehen wie schnell so eine Bisswunde zur Verwandlung in einen Hirnlosen führen kann. Aber hier nicht, hier passt es besser in die Geschichte wenn dieser Charakter noch zwei Tage länger lebt, und sich dann erst in der passenden Situation verwandelt.

Resident Evil: Extinction
“Geschnetzeltes für alleeeee!!!”

Insgesamt strotzt der Film leider nur so vor unlogischen Szenen, und vor allem die platten und teilweise wirklich unglaublich belanglosen Dialoge haben mich gestört.

Nebenbei hat der Film noch mit ein paar anderen Schönheitsfehlern zu kämpfen. So ist Millas, äh Alice’ Synchronstimme ziemlich verkorkst und will nie so wirklich passen.
Ein Besonderheit kommentiert der Batzman bei den Fünf Filmfreunden so: “Ausserdem besitzt Alice die geniale Fähigkeit in Nahaufnahmen einen Airbrush-Weichzeichenfilter einzuschalten, der ihr Gesichts stets aussehen lässt, wie ein Titelblatt der Amica oder TV-Spielfilm“. Für mich war das extrem deplatziert. Es ist wirklich so, sieht man ihr Gesicht zusammen mit anderen, sieht es nomal aus, doch kaum geht die Kamera in eine Nahansicht über, sind alle Unebenheiten wie wegradiert, man meint tatsächlich das Titelblatt einer Modezeitschrift vor sich zu haben. Das zieht sich durch den ganzen Film, und hat mich wirklich gestört, weil es einem immer wieder und wieder auffiel.

Dazu noch die ständigen Kommentare übers Kiffen. Was soll das sein? Kino für die moderne Gesellschaft? Muss ich mich jetzt darauf einstellen das bald in jedem Film gekifft, gekokst oder pornolike gevögelt wird, auch wenn es gar nicht passt? Naja, mit irgendwas musste die Story wohl auf Kinolänge aufgeblasen werden, ist es in Star Wars das Pod-Rennen gewesen, ist es hier eben das Kiffen. Eigentlich war es sowieso egal was die Nebencharaktere so trieben, blieben sie doch über den gesamten Film eher Statisten zum abmetzeln als Charaktere mit denen man mitfiebert.

Insgesamt hat der Film zwar story-, logik- und charaktertechnisch ziemlich wenig zu bieten, doch ist das für einen Zombiefilm eigentlich gar nicht mal so untypisch, und so bleibt die tolle Optik, die wenigen wirklich hellen Momente des Films, der geile Anfang, das Ende, bei dem man wirklich hofft dass es keinen vierten Teil geben wird, welches den Film aber ganz ordentlich zuende bringt, etwas Blut, ein paar abgeschlagene Köpfe, etwas Hightech und natürlich eine superheiße Milla Jovovich, deren Anblick allein schon die 7€ wert war.

Und warum Milla so toll ist, seht ihr auch in dem Video unten.

Fazit: Optisch überzeugender Zombiestreifen, mit großen Storyschwächen aber ein paar wirklich guten Momenten + Milla Bonus!

Medium: www.youtube.com



Zimmer 1408

24. September 2007 - 02:37 Uhr | Kategorie: Kritik | 1 Kommentar

1408
2007, USA
Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Scott Alexander, Matt Greenberg, Larry Karaszewski
Schauspieler: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack, Jasmine Jessica Anthony, etc.
Links: Offizielle Website | OFDb Eintrag | Imdb Eintrag | Wikipedia Eintrag | Filmstarts.de

Trailer ansehen

Zimmer 1408
“Bücher… ich sortiere sie nach Farben und Formen.”

Ich stehe ja auf Stephen King, wie manche vielleicht wissen. Darum ließ ich es mir auch nicht nehmen sofort die neueste Verfilmung einer seiner Kurzgeschichten anzusehen, Zimmer 1408.

Während King ja eher der König des psychischen Horrors ist, blieb mir vom Trailer (siehe oben) anfangs der Eindruck eines Jumanjis im Horror-Genre, mit vielen unnötigen und langweiligen CGI-Effekten und billigen Schreck-Horror. Doch weit gefehlt, wie auch das Buch setzt der Film eher auf den Schrecken der im Kopf des Zuschauers entsteht, als auf den mit Blut und Gedärmen auf der Leinwand. Und das, und ich sage es gerne noch weitere tausend Male, ist für mich der einzige noch wirklich Angst und Schrecken verbreitende Horror, alles andere ist Mumpitz, maximal nett anzusehen.

Die Story ist prinzipiell leicht. Der Schriftsteller Mike Enslin schreibt billige Horrorbücher über heimgesuchte Häuser, Hotels, Villen, Friedhöfe, alles eben. Dabei reist er umher und verbringt für sein neues Buch jeweils eine Nacht in einem Geisterzimmer in verschiedenen Hotels. Bisher, so seine eigenen Worte, hat er jedoch noch nie einen Geist getroffen, weswegen er nicht wirklich an diese oder artverwandte Gruselfiguren glaubt.
Enslin lebt getrennt von seiner Frau, nachdem seine Tochter starb machte er sich selbst Vorwürfe und zerstörte damit seine Ehe. Außerdem hat er Gewissensbisse, hat er doch entgegen seinem eigenen Glauben seiner sterbenden Tochter erzählt sie käme in den Himmel. Und, als wäre das alles nicht schon genug, auch mit seinem Vater hat er ein gespaltenes Verhältnis. Dieser ist längst ins Altenheim abgeschoben, und bis auf sein erstes Buch hat Enslin seine Vergangenheit mit seinem Vater nie wirklich verarbeitet.

Schonmal keine gute Ausgangslage, könnte man meinen, doch es kommt noch dicker. Eines Tages bekommt der relativ erfolglose und ewig genervte Autor eine Postkarte mit einer Adresse eines Hotels und der Aufschrift “Gehen sie nicht in Zimmer 1408!”. Der ewige Ungläube erkennt natürlich sofort die 13 in der Quersumme der Zimmernummer versteckt, trotzdem ist irgendwie seine Neugier geweckt, und als er anrufen und reservieren will heißt es vom Hotelmanager, das Zimmer sei nicht verfügbar, nie. “Jetzt erst recht” denkt sich Enslin, lässt per Anwalt das Zimmer reservieren und reist hin. Dort angekommen will der Hotelmanager Gerald Olin (Samuel L. Jackson) ihm auf jede nur erdenkliche Art und Weise ausreden in diesem Zimmer zu übernachten, gab es dort doch schon 56 Todesfälle, teils natürlich, teils wirklich abstrus.

Doch Enslin lässt sich nicht aufhalten und bekommt nach langem Bohei dann doch noch den Zimmerschlüssel vom Hotelmanager. Im Zimmer angekommen fällt ihm zuerst ins Auge, dass es ziemlich… normal ist. Doch dieser erste Eindruck soll sich schnell ändern, und Enslin beginnt seine Reise in die Hölle.

Zimmer 1408
“Eastcoast! Babäääng!!!”

Der Film beginnt spannend. Enslins Charakter wird einem recht gut dargestellt, man erkennt sofort den genervten erfolglosen Buchautor, der eigentlich nur noch schreibt um Geld zu verdienen und schon lange nicht mehr weil es seine Passion ist. Er glaubt an nichts mehr, nichts kann ihn mehr beeindrucken, er hat schon alle Tricks gesehen. Als er dann in den Hotel eintrifft, und mit dem Hotelmanager spricht, begann der Film für mich wirklich interessant zu werden. Der Manager versucht wirklich mit allen ihm gegebenen Mitteln Enslin davon abzuhalten in diesem Zimmer zu bleiben. Er erzählt ihm unveröffentlichte Geschichten von Todesfällen, die einen alle wunderbar auf den kommenden Horror einstimmen. Besonders die Geschichte mit dem Zimmermädchen, welches sich nach nur 10 Minuten in dem Zimmer selbst lachend die Augen ausstach gefiel mir sehr gut.

Die Spannung steigt eindeutig, und ist Enslin dann schlussendlich in dem Zimmer wartet man schon auf den ersten Schocker. Doch nicht mit Stephen King. Dass die Inszenierung dieses Horrorfilms keine normale ist, wird schnell klar. Intelligent umgeht der Regisseur Håfström die bekannten Klischees. Nein, dieses mal erscheint nicht irgendwann eine 666 in Blut geschrieben, der Hauptprotagonist ist abgebrüht und erkennt frühe Anzeichen (Die Zahl 13 usw.) für gefakten Horror schon frühzeitig. Allein schon dass der inzwischen standardisierte Satz “Ach, das sind doch alles nur billige Effekte” nicht fällt, zeugt von einer gewissen Durchdachtheit.

Was mir besonders gefällt ist, dass der Protagonist im Film nicht das normale dumme Opfer wie in allen anderen Horrorfilmen ist, sondern ein intelligenter Kritiker, der genauso denkt wie der Zuschauer der vor dem Fernseher sitzt denkt. Anfangs zumindest.

Langsam beginnen unheimliche Dinge zu passieren. Doch dabei rutscht der Film nie ins billige gesplattere, Blut oder Leichen sind nur minimal zu sehen, der wahre Horror geschieht im Kopf des Zuschauers. Gut, ohne ein paar Effektschocker kommt auch dieser Film nicht aus, doch sind diese eigentlich immer stimmig und passen in ihrer subtilen Art gut zwischen die restlichen Schockmomente. Was mit einem verrückt spielenden Radiowecker beginnt geht über Horrovisionen bis hin zur wiederholten Durchlebung schrecklicher Momente.

Und genau an diesem Punkt überzeugt mich der Film, was allerdings wohl an der guten Buchvorlage liegt. Mitten im Film findet Enslin sich plötzlich in seinem alten Leben wieder. Es scheint als wäre alles nur ein Traum gewesen. Er lebt sein altes Leben, spricht mit seiner Exfrau, mit seinem Vater, sein Leben scheint sich zum guten zu wandeln. Dies geht solange, dass man sogar als Zuschauer irgendwann der Meinung ist, alles wäre überstanden, und umso verständlicher erscheint einem die Verzweiflung als Enslin dann plötzlich doch wieder im alten, inzwischen total verwüsteten Hotelzimmer steht.

Hier denkt der Film weiter als andere Horrorfilme. Statt den Horror einfach zu zeigen, wird die Frage gestellt, was für den Autoren Enslin der größte Horror wäre. Die Illusion aufbauen er könne doch wieder zurück in sein altes Leben, und ihm dies wieder wegnehmen. Oder seine kleine Tochter noch ein zweites Mal in seinen Armen sterben zu lassen. Doch es kommt noch dicker.

Zimmer 1408
Forschungsarbeiten am Nordpol

Anfangs sagte der Hotelmanager zu ihm, keiner habe je länger als 60 Minuten in dem Hotelzimmer überlebt. Als Enslin dann das Zimmer betritt, stellt sich ein Timer auf dem Wecker auf 60 Minuten. Gegen Ende des Films, also er schon die größten Qualen durchlitten hat die er sich vorstellen kann, sieht er, wie der Timer abläuft. Und was passiert? Ganz einfach, nichts. Der Timer springt wieder zurück auf 60 Minuten, denn was ist die einzige Sache die schlimmer ist als seine größten seelischen Qualen zu durchleben? Ganz einfach, sie immer und immer wieder zu durchleben. Das ist die Hölle, und das habe ich so noch nie in einem anderen Film gesehen.

Doch das Zimmer lässt Enslin die Wahl, plötzlich hängen überall im Zimmer Stricke, schön zu einer Schlaufe zusammengebunden, perfekt für den Selbstmord geeignet.

Dieser Film geht im Horrorgenre neue Wege. Er versucht, den ultimativen Horror zu zeigen, also das, was uns höchstwahrscheinlich auch in der Hölle erwarten würde. Und das macht er ziemlich souverän. Auch wenn ich mir ein paar Stellen noch etwas krasser gewünscht hätte, hat der Film doch ohne jeden Zweifel grandiose Ansätze, was natürlich an der genialen Buchvorlage liegt.

Vor allem der Zwist Enslins gefällt mir wahnsinnig gut, verkörpert er doch genau den zweifelnden Zuschauer, der am Anfang nicht recht daran glauben will und sowas lächerlich findet, doch dann immer tiefer hineinrutscht und irgendwann mehr oder weniger seine Nervern verliert. Wäre die Geschichte wahr, ich glaube sie hätte genau so ablaufen können.

Und so ist dann auch das Ende ziemlich gelungen weil passend gewählt. Kein anderer Schluss hätte den Film so rund abgeschlossen. Insgesamt, meiner Meinung nach, vom Ansatz her einer der genialsten Horrorfilme seit langem, in der Ausführung mit ein paar kleineren Macken und etwas verschenktem Potential, insgesamt jedoch absolut empfehlenswert für Leute die endlich mal wieder einen logischen, intelligenten und plausiblen Horrorfilm sehen wollen.

Fazit: King ist einfach der Meister des Horrors! Der Film ist eine absolut würdige Buchumsetzung


Sunshine

25. April 2007 - 00:54 Uhr | Kategorie: Kritik | Noch nicht kommentiert...

2007, England
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Alex Garland
Schauspieler: Rose Byrne, Cliff Curtis, Chris Evans, Troy Garity, Cillian Murphy, Hiroyuki Sanada
Links: Offizielle Website | OFDb Eintrag | Imdb Eintrag | Wikipedia Eintrag | Filmstarts.de

Sunshine

Endlich mal wieder ein interessanter Science-Fiction Film, der in die Kinos kommt. Schon bei den ersten Bildern und Videos habe ich mich auf Sunshine gefreut. Ich mag das Genre, ich finde es wird viel zu wenig beachtet und behandelt, dabei bietet es doch eigentlich genügend Stoff um hunderte guter Filme zu produzieren. Actionfilme (Matrix), düstere Zukunftsvisionen (Blade Runner), Horrorfilme (Event Horizon), Thriller und Liebesgeschichten (13. Floor), Zeichentrickfilme (Titan A.E.), Komödien (Spaceballs), ja, fast jedes andere Genre lässt sich in den Kontext einer Sci-Fi Geschichte verfrachten.

Doch Sunshine geht den normalen Weg. Die Geschichte ist simpel und erfüllt ihren Zweck. 50 Jahre in der Zukunft geht der Sonne der Treibstoff aus. Langsam aber sicher verliert sie ihre Energie, was zu einem solaren Winter (paradoxe Bezeichnung, oder?) geführt hat, unter dem die Menschheit leidet. Zur Rettung dergleichen wurde ein Raumschiff zur Sonne entsendet, die Icarus I, mit dem Plan, ein riesige Bombe im Innern der Sonne zu zünden um sie somit wieder zu entfachen. Leider geht die Icarus I verloren, weswegen 7 Jahre später die Icarus II auf die gleiche Mission geschickt wird, mit dem letzten spaltbaren Material von der Erde, somit also als letzte Hoffnung der Menschheit.

Dort beginnt der Film. Wir begleiten die Icarus II auf der Reise zur Sonne, geschützt durch ein riesiges Wärmeschild, hinter dem sich das Raumschiff versteckt. Gerade als die Mannschaft die Umlaufbahn des Merkurs kreuzt, empfangen sie plötzlich ein Notrufsignal der Icarus I, und können diese sogar im Raum orten. Flugs den Kurs geändert, und schon folgt ein Unglück dem nächsten.

Sunshine

Soviel zur Story. Das Erste was einem bei dem Film auffällt, ist die optisch wirklich makellose und bombastische Inszenierung. Kaum eine Minute vergeht ohne dass man das riesige Raumschiff (bzw. eher sein Wärmeschild) oder die riesige Sonne in seiner vollen Pracht sieht. Begleitet wird das ganze mit einem dröhnenden Sound, der extrem gut die schiere Größe der Objekte unterstreicht. Doch auch an Board der Icarus II sieht alles perfekt aus. Das strahlende Weiß einiger Räume wechselt sich mit dem Grün des bordeigenen Gartens und dem Blau der Kühltanks ab. Wie gesagt, optisch sowie soundtechnisch ist der Film ein absoluter Leckerbissen. Doch kann auch der Rest des Films das hohe Niveau halten?

Prinzipiell ja. Die Geschichte bleibt ständig spannend und aufregend. Fangen die Pannen an Board erst einmal an, hören sie bis zum Schluss nicht mehr auf. Zu den anfangs nur technischen Problemen gesellen sich mit der Zeit auch psychische Probleme. So fühlt sich eines der Crewmitglieder verantwortlich für den Tod des Captains und wird daraufhin selbstmordgefährdet, der Psychiater der Icarus grillt seine Haut im Sonnendeck, weil er wie magisch von der Sonne angezogen wird, und alles verschlimmert sich noch, als die Crew die Leichen der Icarus I Besatzung auf deren Schiff findet – alle begingen aus unerklärlichen Gründen Selbstmord.

So wird der Film gegen Ende hin immer surrealer. Die Crew dezimiert sich Stück für Stück, und als plötzlich der frühere Captain der Icarus I als entstelltes Monster auf die Icarus II gelangt, geht alles den Bach runter. Für den Rückflug reicht der Sauerstoff längst nicht mehr aus, und was passiert, wenn die Bombe im Innern der Sonne gezündet wird, weiß nicht einmal der Boardphysiker so wirklich. Am Ende sind nur noch zwei Crewmitglieder übrig. Mit dem Captain, der sich nach 7 einsamen Jahren auf der Icarus I für einen Engel hält, der mit Gott spricht, kommt es zum großen Showdown, während sie an Board der Bombe mitten in die Sonne fliegen.

Sunshine

Die passende Musik unterstützt die gegen Ende hin immer abgedrehtere Optik und Handlung, das Ende erreicht gar poetisches Niveau, sowohl von den Bildern als auch vom Inhalt. Im Prinzip also eine ziemlich geile Sache, wären da nicht ein paar Macken. Zum einen gibt es ein paar Logiklöcher, die man zwar mit viel gutem Willen stopfen kann, die aber trotzdem auffallen. Für meinen Geschmack sah man außerdem das Raumschiff etwas zu oft. Klar, sieht schon geil aus, aber alle fünf Minuten?
Etwas unpassend fand ich auch das spätere Auftauchen des Captains der Icarus I. Optisch und technisch genial und einzigartig in Szene gesetzt, ja, aber wirklich nötig oder sinnvoll? Geht so. Desweiteren fand ich die Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Besatzung der Icarus I eher unbefriedigend. Das Setting wäre perfekt für etwas Gruseltstimmung gewesen, die anfänglichen aufblitzenden Portraits der Besatzung haben beim Zuschauer psychischen Druck aufgebaut, doch dann… nichts.

Sunshine streift viele Genres, vertieft sich in einzelne meiner Meinung nach jedoch zu inkonsequent. So bleibt der Film ein recht normaler Science-Fiction Film, wie man ihn gewohnt ist, mit fantastischer Optik und technischer Qualität, einem wunderbar surrealen Ende, was aber leider doch viel zu vorhersehbar ist. Trotz seiner Schwächen ist er jedoch nicht nur für Sci-Fi-Fans wie mich zu empfehlen!

Fazit: Optisch opulenter Sci-Fi Film, der jedoch leider sein Potential nicht komplett ausgenutzt hat. Trotz Schwächen aber ein guter Film!


300

11. April 2007 - 16:51 Uhr | Kategorie: Kritik | 2 Kommentare

2007, USA
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder, Kurt Johnstad, Michael Gordon
Schauspieler: Gerard Butler, Vincent Regan, Lena Headey, David Wenham, Michael Fassbender
Links: Offizielle Website | OFDb Eintrag | Imdb Eintrag | Wikipedia Eintrag

300
“So lang isser! Echt!”

300 ist kein Film, das hier meine Freunde, ist ein Feuerwerk. Ein audiovisueller Orgasmus über 2 Stunden, garniert mit Bildgewalt, Sex, Blut, Heldenethos, und all das in Zeitlupe. Yeah!

Fangen wir mal mit der Story an, denn die ist am schnellsten abgehandelt. Xerxes, König der Perser, schickt seine Unterhändler ins Landesinnere von Griechenland, denn er steht vor der Tür um mit seinen Heerscharen die ganze Welt zu unterjochen. Leonidas, König von Sparta, findet das aber ziemlich uncool, und folgt lieber seinen Prinzipien als Spartaner, die zwar vieles, aber keine Untergebung beinhalten. Also killt er mal eben Xerxes’ Abgesandte, und erklärt selbigem damit den Krieg.
Dumm jedoch, dass Spartas Heilige (eklige, pestbefallene Lustmolche auf einem Berg) von Xerxes bestochen sind und sich darum gegen einen Krieg aussprechen. Somit steht Leonidas vor der Wahl: Sparta kampflos aufgeben, oder gegen den Willen der Götter in den Krieg ziehen. Er wählt den Krieg, um jedoch nicht komplett in die Missgunst der Götter zu verfallen geht er nur mit 300 ausgewählten Mannen los. Später schließen sich den Spartanern noch die Arkadier an, die jedoch alles andere als ernstzunehmende Krieger sind.

Während sich Leonidas also mit seinen 300 Kriegern gegen die riesige Armee Xerxes’ stellt, kämpft zuhause seine Frau vor den Ratsmitgliedern für seine Unterstützung. Doch der Rat sträubt sich, wenige wollen sich gegen den Willen der Götter entscheiden und Spartas Armee hinterher schicken. Vor allem ein Ratsmitglied spricht sich dagegen aus, hat der gute Herr doch die Taschen gefüllt mit persischem Gold. Und so kommt es wie es kommen muss.

300
“Nochmal ‘ne 5 in Mathe und du gehst bei den Griechen auf den Strich!”

Doch eigentlich ist das alles scheißegal! Die Story dient nur als Grundgerüst, auf welches tausende von CGI-Effekten draufgespannt wurden. Eigentlich geht es die ganze Zeit nur darum, möglichst stylische Bilder zu zeigen. Köpfe werden abgeschlagen, riesige Menschenmassen verdunkeln mit ihren Pfeilen die Sonne, ein paar Spartaner schnetzeln sich durch Unmengen an wilden Bestien und deformierten Riesen mit Äxten, nackte Frauen bewegen lasziv ihre Körper, und all das in Zeitlupe und mit einem Sound, der jeden in den Kinosessel drückt der noch nicht taub ist.

Wie schonmal irgendwer irgendwo so passend sagt: “Du kannst in dem Film an jeder Stelle anhalten, das Standbild ausdrucken und hast ein geniales Filmposter”. Jede Minute ist komplett durchgestyled, jede Szene kinematografisch perfekt ausbalanciert und durchdacht. Die Figuren sind unglaublich präzise ausgearbeitet, die Masken und die Kostüme extrem detailliert, selbst die Schauspieler passen vom Aussehen her wie die Faust aufs Auge zu den Charakteren, die sie darstellen sollen. Dies sagt zwar nichts über den Plot, die Hintergründe oder die schauspielerischen Leistungen aus, ist aber für sich gesehen eine in der Form noch nie dagewesene Leistung.

Man möchte fast meinen, hier sei kein Comic verfilmt worden, sondern hier seien einfach die Comicbilder in ihrer gesamten Pracht animiert worden. Eigentlich auch gar nicht so falsch, bedenkt man, dass der Film komplett vor dem Greenscreen gedreht wurde.
Dazu ein bombastischer Soundtrack, toll choreographierte Kämpfe, eigentlich ein geiler Film, oder?

300
“Romeo, oh Romeo!”

Nicht so ganz. Denn es gibt mindestens genauso viele Pros wie Kontras.

Anfangs sei da mal die Optik erwähnt. Diese ist natürlich Geschmackssache. Die Bilder sind übertrieben, unrealistisch beleuchtet, die Farben wirken unecht, das Blut sieht unecht aus, die computeranimierten Figuren erkennt man als solche, genau wie die Hintergründe, und auch das übermäßige Bildleuchten sowie der künstliche Grain fallen anfangs auf.
Mich persönlich störten diese Punkte anfangs ein wenig, mit der Zeit ließ ich mich allerdings komplett darauf ein, und war dementsprechend von den Bildern beeindruckt.

Dann wäre da noch die laue Story. Nun, lau ist sie tatsächlich, sieht man sie allerdings als das, was sie ist, nämlich als Mittel zum Zweck, ist sie meiner Meinung nach annehmbar. Nicht künstlich verzwirbelt, oder in die Länge gezogen. Das nötigste wird gesagt und gezeigt, mehr nicht, und das reicht auch. Genau wie mit den Schauspielern. Klar, große Schauspielkunst wird hier nicht gezeigt, aber wozu auch? Das kleine Mimik-Repertoire der Hauptdarsteller reicht vollkommen aus, um echte Krieger, denen es nur um den ehrbaren Tod im Kampf geht, zu zeigen. Mir sind 20 echte Krieger, die nicht schauspielern können, lieber als 20 echte Schauspieler, denen man das Harter-Krieger-Sein nicht abnimmt.

Viele kritisieren auch die vermittelten Ideologien im Film. Homosexualität wird als großer Witz angeprangert, die Bösen sind die Dunkelhäutigen, mit ihren Piercings, ihren Schwulen und Tunten, ihren Verstümmelungen und ihrer Inzucht. Von vielen werden auch Parallelen zu heutigen Kriegsumständen gezogen, oder es werden dem Film gleich faschistische Hintergründe zugesprochen. “Irakkriegs-Durchhalte-Propagandastreifen” oder ähnliches liest man nicht selten, genauso kann einen das ständige Gerede von Ehre und Heldenmut auf die Nerven gehen, und selbst mir war am Anfang nicht so ganz klar, ob denn diese Spartaner, die anfangs (nur als Beispiel) den wehrlosen Abgesandten von Xerxes umbringen, wirklich die Guten sind.

300
Früher schon ein viel diskutiertes Thema: Adoptionen durch homosexuelle Elternpaare.

Dementsprechend entscheidet wohl die Herangehensweise darüber, ob man diesen Film mag, oder nicht. Wer hier einen politisch korrekten, storybezogenen Kriegsfilm erwartet, ist fehl am Platz. Wer sich hingegen auf die Bilderflut einlässt, und sich von dem anderen Gedöns nicht zu sehr ablenken lässt, wird begeistert sein, denn genau das ist es, was diesen Film ausmacht, und nichts anderes. Der Film lebt von seiner Bombasterei, von seinen unglaublich geilen Bildern, seinem krachigen Sound und den guten Effekten. Nichts anderes darf man erwarten, nichts anderes sollte man erwarten, erst dann kann man den Film genießen.

Und genau darum fand ich den Film gut. Um mal die Fünf Filmfreunde zu zitieren, ja, ich habe schon bei den Trailern “freudig in die Hose ejakuliert”. Ich wollte geile Bilder, ich habe sie bekommen. Gewalt und Sex in Zeitlupe habe ich erwartet, und genau das habe ich bekommen.

Umso mehr hat mir dabei die Unbedachtheit gefallen, mit der der Film zeigt, was er zeigt. Köpfe fliegen, Gliedmaßen werden abgetrennt, Blut spritzt literweise, man sieht Brüste, man sieht Sex, nackte Männer, nackte Frauen, man sieht Krüppel und Verstümmelte, Bestien und Monster, und das alles optisch unglaublich delikat aufbereitet. Dieser Film nimmt optisch kein Blatt vor den Mund. Vielen mag das unangenehm aufstoßen, doch mir gefällt diese rohe Gewalt, mit der der Film dem Zuschauer alles zeigt, und nichts versteckt. Immerhin ist 300 auch ein Film für Erwachsene, wobei mich die Freigabe ab 16 Jahren doch sehr stutzen ließ. Meiner Meinung nach eine grobe Fehlentscheidung. Das aber nur nebenbei.

Die flache Story passt eigentlich sogar recht gut. Eine komplexere Story hätte dem Film wohl viel von seiner Atmosphäre genommen. So wie sie ist, reicht sie aus, genau wie die Charaktere und die Logik. Dieser Film ist so übertrieben fiktional, unrealistischer ist in diesem Genre schwer möglich, und das gefällt mir. Im direkten Vergleich mit Perlen wie Gladiator hat 300 natürlich klare Schwächen, ist insgesamt wohl auch niedriger zu Bewerten, für sich gesehen ist er aber hohe Kunst, und perfekt geeignet um sich für einen Abend in den Kinosessel drücken zu lassen.

Fazit: Optisch unglaublich beeindruckender Film, Popcorn-Kino deluxe, mehr aber nicht!




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