Wacka Wacka Eh Eh

25. Juli 2010 - 02:43 Uhr | Kategorie: Gedanken, Geschriebenes | 5 Kommentare

Ein Luftzug weht durch das halb geöffnete Fenster und formt abstrakte Figuren aus dem Rauch seiner Zigarette. Die Nacht verschluckt heute sogar den alltäglichen Großstadtlärm, das gefällt ihm. Sie setzt sich auf das kleine Sofa vor ihm und sieht ihn, so kommt es ihm jedenfalls vor, uninteressiert an. Erst als er ihr stumm die halbvolle Packung zustreckt lächelt sie. Du bist immer so still, diesen Satz hatte er sich schon lange davor ausgedacht. Was soll ich auch erzählen, antwortet sie nicht als Frage, sondern als Punkt, und wendet den Blick in die Richtung ihrer Gedanken ab. Den Lampenschirm an der Decke betrachtend fällt ihm darauf nichts ein. Weißt du was das Schlimmste an der Liebe ist? Stumm starrt sie an ihm vorbei, und merkt dabei nicht wie die Asche sich in ihrer Hand immer weiter gen Erdkern neigt. Innerlich verflucht er sie, als er ihr den zum Elefanten geformten Aschenbecher reicht, sie könnte ja wenigstens so tun als wäre es ihr nicht egal. Das Schlimmste an der Liebe, fängt er an, ist dass sie einem alles Andere wegnimmt. Egal wer du davor warst, egal was du dachtest oder wusstest, wenn du liebst dann tust du nur das, morgens, mittags, abends und nachts. Der Liebe ist es egal wer du bist, oder wie weit du es gebracht hast, plötzlich hast du nichts anderes mehr im Kopf. Was daran schlecht sei, fragt sie ihn und drückt die Glut auf dem Rücken des Elefanten aus. Die Angst, antwortet er, die Liebe ist zerbrechlich, es gibt nur zwei Wege die man mit ihr gehen kann. Den glücklichen und den unerwiderten. Das Problem am unerwiderten ist, dass einem nichts mehr bleibt. Erst stiehlt die Liebe einem alles was man hat, und wenn dann sogar sie kaputt geht bleibt nichts mehr übrig. Gedankenverloren starrt sie in die Ecke, während er sich fragt ob sie ihn überhaupt gehört hat. Das ist mir jetzt zu kompliziert, sagt sie und steht auf. Ich muss ins Bett.
Er zieht den Elefanten zu sich her, zündet sich noch eine an und starrt auf die Stelle auf der sie gerade noch gesessen hat. Ihm geht das Lied von Shakira durch den Kopf, wacka wacka eh eh. Einen Scheiß ist das kompliziert, du würdest es verstehen wenn du nur wolltest, ruft er ihr in Gedanken hinterher. Wenn du doch nur wolltest.



Manchmal möchte ich gerne

24. Juni 2010 - 17:03 Uhr | Kategorie: Gedanken | 3 Kommentare

Manchmal möchte ich gerne… also da möchte ich gerne… manchmal möchte man doch einfach gerne mal das, und verzeiht mir die Wortwahl, behindertste tun was einem gerade einfällt. Im Sinne von einem einzigen kurzen aber gigantischen Ausraster, um endlich mal das Kribbeln im Hirn loszuwerden und den alten Fleischklumpen wieder ordentlich durchzulüften. Zum Beispiel würde ich gerne mal am Frühstückstisch meinem Vater mit ernstem Blick sagen dass ich auf Sado Maso stehe, mit Eierklemme, Nippelzwicker, allem drum und dran eben, geil werde ich nur beim Anblick von Blut, würde ich dann sagen, nur um zu sehen wie er reagiert. Manchmal würde ich mir mit dem Rasenmäher gerne über den Fuß fahren, um zu sehen wie das so ist, oder mit dem Auto gegen einen Baum rasen. Manchmal würde ich gerne beim McDonalds zwei große Menüs bestellen und statt zu bezahlen einfach weglaufen, oder mitten in der Vorlesung oder dem Büro anfangen so laut Krach zu machen wie es nur geht, mich selbst dabei per Beatboxing begleiten und erst aufhören wenn ich rausgeworfen werde. Manchmal würde ich dem Postmann gerne nackt die Türe öffnen, um dann zu versuchen auf dem Touchpad mit meinem Penis zu unterschreiben. Manchmal würde ich beim Friseur gerne nach dem Schnitt eine Schere nehmen, sie ihm ins Bein rammen und VERFICKTE SCHEISSE, WOZU ERKLÄR ICH EIGENTLICH JEDES MAL WAS ICH WILL WENN IHR WICHSER ES DANN DOCH SO MACHT WIE IHR ES WOLLT? schreien. Manchmal würde ich gerne im Club zum DJ gehen, sein Mischpult und alles andere vom Tisch kicken, mich draufstellen und die Blicke der aus ihrer Ekstase gerissenen Dummbratzen mit einem gewinnenden Lächeln auf den Lippen genießen, mit tiefen Zügen den kollektiven Hass einatmen. Manchmal möchte ich gerne, wenn ich bei Bekannten (im Sinne von bekannt, nicht befreundet) zum Grillen eingeladen bin, mittendrin am Esstisch aufspringen und WAS FÜR EINE SCHEISSE REDET IHR HIER EIGENTLICH? schreien, so wie in Human Traffic, AUF WELCHEM VERKACKTEN PLANETEN LEBT IHR DENN? HÄ? DIESER HIER KANN ES JA NICHT SEIN, DENN ICH LEBE HIER, UND HIER IST ALLES WAS IHR REDET PURER SCHEISSDRECK!!! Manchmal möchte ich gerne meinen Laptop aus dem 3. Stock werfen, nur um zu bewundern wie er unten in tausend kleine Teile zerspringt und welch formidables Geräusch er dabei macht. Manchmal würde ich gerne für drei Minuten in göttlichen Zungen sprechen und es richtig geil finden, manchmal möchte ich gerne die tibetische Flagge auf dem Marktplatz verbrennen, und wenn mich jemand fragt was ich da mache sagen dass ich mich über ihn lustig mache. Über genau ihn, der mich hier und jetzt im imaginären Auftrag des Volkes eines scheiß Besseren belehren will. Manchmal möchte ich gerne eine hässliche russische Immigrantin heiraten, die kein Wort Deutsch spricht, um den ein oder anderen in seinen Erwartungen an mich so zu enttäuschen, dass er nie wieder welche haben wird. Manchmal möchte ich ausbrechen und schreien, den ganzen Tag nur noch schreien, und manchmal möchte ich in einem Blogpost gerne genau 266 532 Mal das Wort Fuck schreiben, ohne dass es einen Sinn ergeben würde.

Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck Fuck

Aber ich tus ja nicht. Man tuts ja nie. Man steht auf dem Mailänder Dom, einen Schritt vom Abgrund entfernt, und merkt wie das Kribbeln immer stärker wird. Das Kribbeln im Hirn, in den Armen, in den Beinen, in der Seele, man merkt wie es einen zieht, wie es einen drängt, diesen einen Schritt zu tun, um endlich mal herauszufinden was passiert wenn man die Grenzen der eigenen Konventionen überschreitet. Es wird stärker und stärker, das Kribbeln, der Drang, solange bis man es mit der Angst zu tun bekommt, und einen Schritt zurück, statt einen nach vorne macht.



Kuchen!

16. Juni 2010 - 02:56 Uhr | Kategorie: Gedanken | Noch nicht kommentiert...

Ein Stückchen dieses, ein Stückchen jenes, hauptsache aber Kuchen. Es gibt so Phasen im Leben, das nehme ich jetzt einfach mal als gegeben hin, da ist das nunmal so. Da gibt es kein richtiges Hier, kein echtes Jetzt, es gibt viele Vielleichts, einige Malsehen und auch ein paar Schönwärs. Achterbahn, so nannte sie das letztens, Achterbahn, und da brauche sie nicht noch mehr Aufs und Abs, das sei schon jetzt die weltlängste und sowieso schon alles wieder viel zu viel. Von Zeit zu Zeit unterliegt man ja der Meinung, alles könne aus der Welt geschafft werden, alles könne geklärt werden, so lange gekürzt und wieder gekürzt werden bis der zugrunde liegende Nenner gefunden ist, der dann, so die Theorie, kein allzu große Sache mehr sein kann. Und von Zeit zu Zeit muss man dann einsehen dass nicht alles so glatt verlaufen kann. Manche Dinge kann man auch zu Tode verbalisieren, und irgendwann ist der Punkt gekommen an dem Stille, Stille und Zeit, die einzigen Wege zur Lösung des Problems sind, ein Problem das nicht gelöst werden kann. Gleiches dachte ich noch letztens, während mir mein Handy anzeigte dass ich beim Schreiben schon bei SMS 7 angekommen war, eigentlich ein klares Zeichen dass man es übertreibt, oder zumindest dass die Gesprächsplattform nicht mit dem Gesprächsfortschritt zusammenpasst. Wie auch immer, ich glaube fest daran dass Zeit nicht nur Wunden heilt, sondern zu viel mehr in der Lage ist. Zeit kann die Menschen trennen, kann sie einander näher bringen, kann sie zur Verzweiflung treiben und Hoffnung schöpfen lassen, kann Frieden und Ruhe einkehren oder Ungeduld aufkeimen lassen, kann uns vergessen oder uns erinnern lassen. Zeit ist viel mehr als festgelegte Intervalle, sie ist der Fluss in dem alles treibt und mitgezogen wird, mal schneller, mal langsamer, ob es will oder nicht. Mal wird sie zu einem reißenden Strom, und während wir versuchen nicht unterzugehen merken wir gar nicht wie weit wir getrieben werden. Mal bewegen wir uns so langsam dass wir denken wir stünden auf der Stelle, doch der Fluss der Zeit ruht niemals, und so warten wir auf die nächste Biegung, hinter der schon das nächste Abenteuer wartet. Manchmal kommt es uns so vor als trieben wir im Kreise, als wären wir angekommen wo wir losgegangen sind, doch in dem Fluss von dem ich spreche gibt es kein vor, kein zurück, kein Anfang und kein Ende. Vielleicht ist Zeit nicht der Fluss selbst, vielleicht ist die Zeit eher die Eigenschaft zu treiben, sich ständig, bewusst oder unbewusst, zu verändern, ohne Grenzen und Ziele, unaufhaltbar.

Jetzt bin ich wieder wo gelandet wo ich gar nicht hin wollte. Man könnte meinen das alles sei Wunschdenken, denn im Grunde frage ich mich nur ob Zeit manchmal nicht auch reichen mag. Nicht mehr, aber auch nicht weniger, was ist wenn das einzige was man geben kann Zeit ist. Keine tiefschürfenden Gespräche, kein Lachen, keine Freude, keine sonderliche Intimität und auch keine Tips für ein besseres Leben. Nur Zeit, ansonsten nichts. Zeit und Stille.



Mein Onkel

11. Juni 2010 - 03:20 Uhr | Kategorie: Gedanken | 1 Kommentar

Mein Onkel hat Krebs. Keinen netten Krebs, bösen Krebs, von der Sorte die einen schneller umbringt als man den Wikipedia-Artikel dazu durchlesen kann. Vor kurzem noch ging es auf und ab, Behandlung, Therapie, ein oder zwei Jahre sagten die Ärzte da noch. Sie hatten sich geirrt, jetzt liegt er zuhause, die Behandlung wurde abgebrochen, er wartet auf sein Ende, nach und nach versagen die Organe, im Bein ein Blutgerinnsel, er selbst ist er schon eine Weile nicht mehr. Vielleicht ist das ein Thema das gar nicht in einen Blog gehört, vielleicht sollte man bestimmte Dinge lieber für sich und im Kreise der Familie halten. Was weiß ich. Es ist schon komisch, man hält sich an jedem noch so kleinen Ast der Hoffnung und der Aufschieberei fest, so lange bis es nicht mehr geht. Ein oder zwei Jahre, ach, das ist ja noch eine Weile. Maximal noch 6 Monate, darum kann ich mir ja immernoch später Gedanken machen. Ein paar Wochen, naja, da habe ich ja wenigstens noch Zeit mich erstmal um meine Sachen zu kümmern. Erst jetzt, wo jeder Tag weder gewonnen noch verloren ist, wo Hoffnung keine Rolle mehr spielt und man sich fühlt als wäre man 12 und sitze mit schmerzenden Backenzähnen im Wartezimmer des Zahnarzts, da bröckelt die Mauer der Unterdrückung und die Trauer, die Ängste und die Schmerzen beginnen langsam ins Licht der Realität zu rücken. Langsam zwar, doch die Gewissheit über das, was kommen wird, wird größer und größer, wie Vorfreude, nur andersrum.

Jedes Mal wenn jetzt das Telefon klingelt steht mein Herz für eine Sekunde, und rennt danach den 100 Meter Hürdenlauf, wenn ich stumm lausche wie mein Vater den Hörer abnimmt, und wenn ich hoffe dass es nicht der eine Anruf ist. Nicht so sehr wegen meinem Onkel, eher wegen meinem Vater, und dem was dann kommt, wegen der Zeit die sich nur selbst heilen kann. Seinen Bruder zu verlieren, das kann ich mir nicht mal vorstellen. Mein anderer Onkel fragte, ob es nicht vielleicht besser sei, wir Kinder würden ihn so in Erinnerung behalten wie wir ihn das letzte Mal auf einer Familienfeier sahen, kerngesund, im Genuss des Lebens. Ich sagte nein, ich wolle ihn nochmal sehen, nochmal seine Hand drücken, ob er es merkt oder nicht. Verabschieden, bei ihm, nicht bei seinem Grab. Eigentlich wollte ich ihn noch vieles Fragen, darüber was er von der ganzen Sache hält, wie er dem Tod entgegen tritt, wie seine Sicht, was seine Gedanken sind. Sein durch die Schmerzmittel verschleierter Geist wird mir darauf wohl keine Antworten mehr geben können. Als ich seine Frau anrief, die sich momentan um ihn kümmert, wiederholte sie nur immer wieder wie wirr das alles sei, und wie wenig sie verstehe und einschätzen könne was jetzt komme. Im einen Moment lachte sie, im anderen brach ihre Stimme, zwischendurch Stille, in der ich nach den richtigen Worten suchte, aber nichts fand.

Angst, das wollte ich ihn auch noch fragen, ob er sich fürchte, vor dem was kommen wird. Angst, die habe ich am allermeisten vor dem Moment wenn ich durch die Türe trete und ihn das erste mal sehe, gelb im Gesicht und abgemagert, vor dem Geruch in seinem Zimmer, der Hitze und der Stille, die nur durch sein langsames Atmen durchbrochen wird. All dem was es plötzlich real macht, wenn das Bild nicht mehr nur in meinem Kopf existiert, wo ich es an- und ausschalten kann wie es mir beliebt. Wenn all meine Sinne mir gleichzeitig sagen, und ich zum ersten Mal wirklich fühle statt nur zu wissen, das hier ist echt, das ist dein Onkel, und er stirbt.



Okay, fuck it.

6. Mai 2010 - 07:00 Uhr | Kategorie: Alltag, Gedanken | 2 Kommentare

Okay, fuck it. Ich mache das jetzt ganz billig, wie eine Hure, ohne Vorspiel und das alles. Mein letzter Post ist jetzt schon ein ganzes Weilchen her, über einen Monat. Man sagt ja, je weniger man von jemandem hört, desto mehr hat er wohl um die Ohren, und eigentlich stimmt das auch. Ich fasse mich kurz, denn das hier ist beileibe nicht der erste Versuch alles was im letzten Monat passiert ist in Textform zu pressen. Die ungefähr zehnte Version dieses Eintrags dürfte das inzwischen sein, wer selbst schreibt kennt das, man hat das Verlangen seine Gedanken in Worte zu fassen, zu schreiben was man fühlt und denkt und erlebt, doch kaum ist man fertig und liest sich den Text nochmal durch fällt einem auf dass er einem so gar nicht mehr gefällt, und kilometerweit entfernt ist von dem was man eigentlich ausdrücken wollte. Shit happens, vielleicht ist die Stimmung nach dem Schreiben eine ganz andere als vor dem Schreiben, vielleicht ging es aber auch wirklich mehr um das Rauslassen ansich, als darum es mitzuteilen. Woran es auch immer liegen mag, zahlreiche Versuche zu erklären was gerade so abgeht habe ich im Wordpress-Entwurfs-Nirvana verschwinden lassen, aber das ist gut. Naja, gut nicht, aber auch nicht schlecht, wenn man der Fachliteratur glauben mag gibt es nichts besseres als verworfene Entwürfe, erhöhen sie doch stets die Wahrscheinlichkeit dass irgendwann mal etwas tatsächlich Annehmbares herauskommt. Und so muss ich mir zwar auch jetzt wieder eingestehen, wirklich zufrieden bin ich damit nicht wie ich das alles einfach unter den Tisch fallen lasse, aber ganz offensichtlich scheine ich noch nicht die richtige Form gefunden zu haben um mich entsprechend mitzuteilen, und anstatt hier alles brach liegen zu lassen bis es endlich so weit ist ziehe ich die “Fuck it!”-Karte, denn eigentlich habe ich insgesamt viel zu viel Bock um auf die große Erleuchtung, die höchstwahrscheinlich sowieso nie kommt, zu warten. Wer außer mir steht noch auf viel zu lange Sätze? Hände hoch!

Na, wie auch immer, der Kern der Sache ist folgender. Der letzte Monat war voll mit Ereignissen, teils wirklich guten, teils wirklich schlechten, die alle ziemlich unerwartet kamen und sich nur langsam von abstrakten Fakten zu spürbarer Realität formen. Wer hier schon etwas länger mitliest wird vielleicht inzwischen mitbekommen haben dass ich bei der Unterscheidung zwischen Realität und Gedankenkonstrukten noch nie der Allerschnellste war. Trotzalledem würde ich natürlich gerne alles hier großzügig ausbreiten, Fakten und Gedanken offen darlegen, immerhin ist dass ja der eigentliche Sinn dieses Blogs. Deswegen weiß ich jetzt auch gar nicht inwieweit ich bestimmte Themen abhandeln soll, vieles ist noch zu unausgegoren, manches noch nicht abgeschlossen, und wenn ich es jetzt auf die Schnelle nur grob skizziere ist die Gefahr groß dass ich es gedanklich abhake und aus meiner inneren ToDo-Liste streiche, ein Verlust für die Menschheit sondergleichen. Also lassen wir das lieber und verschieben es auf unbestimmte Zeit. Außer eines, und das ist sogar ein großer Punkt, und etwas positives noch dazu.

Ich wurde gefeuert. Naja, sagen wir in gegenseitigem Einverständniss entlassen, nachdem ich beim Klauen von Büromaterial erwischt wurde die Frau des Chefs gevögelt habe einfach zu gut für den Scheißladen geworden bin finanziell nicht mehr tragbar war, genau wie ein paar weitere Mitarbeiter, die jetzt zeitgleich ihre Sachen packen dürfen. Wirtschaftskrise und all sowas, lange Geschichte, wie auch immer, positiv ist das Alles weil ich den Haufen sowieso dieses Jahr verlassen und in die große weite Welt ziehen wollte (mal wieder), was jetzt zwar etwas früher als geplant passiert, aber was solls. Fast vier viel zu lange Jahre bin ich jetzt in München, und resümierend muss ich feststellen dass diese Stadt einfach nicht zu mir passt. Oder besser gesagt, ich nicht zu ihr, und das ist alles andere als negativ gemeint, denn jede Stadt hat sicherlich ihren eigenen Charme, ihre eigene Geschwindigkeit und ihren eigenen Schlag von Menschen. Insofern will ich jetzt gar nicht groß über München herziehen, sondern sage stattdessen lieber: Norddeutschland ich komme, Bitches!

Also wo bin ich. Im Stress, genau, weil jetzt alles ganz schnell gehen muss bin ich nur noch damit beschäftigt Verträge zu kündigen, in Hotline-Warteschlangen abzuhängen, von Ämtern zu Ämtern zu rennen und dabei über sie zu fluchen, meine Wohnung wieder mehr oder weniger bewohnbar zu machen, einen Nachmieter zu suchen (jemand ‘ne Wohnung in München ab Juni?), Fast-Food zu fressen, grillen zu gehen, Lynch zu genießen und das ein oder andere große und kleine Problem zu lösen, was oben angesprochene Themen angeht. Dass sich damit mein Schlafrhythmus mal wieder in seine augenscheinlich angeborene Form gebracht hat (Tagsüber schlafen, Nachts wach sein) ist klar, solange in meinem Kopf ein großes “Work in progress”-Schild hängt läuft mein Körper im Autopiloten, was zu wenig Schlaf, schlechtes und zu wenig Essen, Geschirrtürme in der Küche, ungepflegtes Auftreten und Haarausfall bedeutet. Kein Scheiß, Stress = Haarausfall, so ist das bei mir. Vielleicht liegts aber auch an der Schilddrüse, da fällt mir ein ich wollte ja noch zum Arzt, und… egal.

Die Quintessenz des Ganzen, turbulente Zeiten brechen an und ich blogge wieder, schätze ich. Le fin, vorerst. Wo ist hier nochmal der Publizieren-Button? Ach da.



AWESOME!!!!

17. März 2010 - 23:06 Uhr | Kategorie: Gedanken, Musikalisches | 1 Kommentar

Gerade bin ich ziemlich faul, aber das macht gar nichts. Naja, eigentlich schon, denn neben der Küche und meiner Wohnung, die beide mal wieder ordentlich auf Vordermann gebracht werden könnten, wartet auch noch eine Menge anderer wichtiger Krams auf mich, wichtig im Sinne von “Hey, der Shit wird dein Leben ändern, also kümmer dich mal darum! Saftsack!”. Oder wichtig im Sinne von “Du schiebst das jetzt schon ewig vor dir her du Arschloch, langsam wirds echt mal Zeit!”. Naja, wie auch immer, denn obwohl ich gerade so faul bin habe ich dabei beste Laune, schuld daran sind Miss S. und Herr T., wegen denen ich seit zwei Stunden schon grinsend vor dem Laptop sitze, diese freshe Mucke höre und dabei diesen unfassbar guten Blog lese. Weil ich bei mindestens jedem zweiten Post dort entweder “Ha, stimmt!” denke oder mich an die Momente zurückerinnere in denen es mir genauso ging habe ich so gute Laune dass ich am liebsten kotzen möchte. Ich sollte beide verklagen, sie haben mir zwei Stunden meiner wertvollen Zeit gestohlen, die ich viel besser hätte nutzen können. Zum Beispiel damit die Küche aufzuräumen, eine Burg aus Sofapolstern und Bettdecken zu bauen oder rauszugehen und nach meiner Traumfrau zu suchen. Verdammt.

Awesome :D Bitches :(



Dämlich

3. März 2010 - 02:38 Uhr | Kategorie: Gedanken | 1 Kommentar

Dämlich und unhöflich.

So hat mir gerade eine Freundin eine Bekannte beschrieben, und ich kann mir nicht erklären wieso ich seit 15 Minuten darüber lachen muss.



Ungeordnet und ziellos

23. Februar 2010 - 04:02 Uhr | Kategorie: Alltag, Gedanken | Noch nicht kommentiert...

Wir sind beide betrunken, sie sagt ihr sei schwindelig und ich frage sie ob sie glücklich sei. Sie schaut mich misstrauisch an und fragt, ob denn etwas nicht stimme. Nein nein, sage ich, die Frage sei völlig ohne Hintergedanken, ich wolle nur wissen ob sie sich denn glücklich fühle. Sie kneift weiter die Augen zusammen, wirft mir kritische Blicke zu, überlegt kurz. Ich streiche ihr eine Locke aus dem Gesicht und lächle, versuche sie damit zu überzeugen dass ich auf nichts bestimmtes hinaus will, was in dem Moment sogar wahr ist. Ihre Miene lichtet sich langsam, sie fragt mich was ich denn mit Glück meine. Dass ich das ja gerade von ihr wissen wolle, antworte ich, und nehme einen Schluck Gurkenbrause während sie wieder überlegt. Ja, sagt sie, sie denke schon, immerhin habe sie alles was sie wolle. Was das denn sei, will ich wissen. Einen Job, also genügend Geld? Ja. Einen Freund den sie liebt? Ja, und Freunde. Ich frage sie, ob sie damals, als sie noch keinen Freund hatte den sie liebte, weniger glücklich gewesen sei. Nein, sagt sie, da war sie eigentlich auch glücklich, nur irgendwie anders. Ich lasse meinen Blick schweifen, und überlege dabei was das wohl bedeuten mag. Ein paar Meter entfernt wird ein Mädchen von einem Jungen mit Mütze an die Wand gedrückt, seit zwanzig Minuten scheinen die beiden außer Blicken, Küssen und sanften Berührungen nichts mehr auszutauschen. Außer, denke ich, wieso eigentlich außer? Rechts neben uns sitzt ein Mädchen mit langem hellen Haar und einer auffälligen Kette um den Hals, alleine, sie sieht angespannt aus, zieht unruhig an ihrer Zigarette, als warte sie auf jemanden. Neben ihr sitzen zwei etwas ältere Kerle, die angezogen sind als seien sie eher durch Zufall hier gelandet. Sie unterhalten sich, soweit ich das heraushöre, angeregt darüber, ob der gestrige Abend fantastisch oder nur ziemlich gut war, wie betrunken sie waren und vor allem wie rotzevoll Anna (oder Hanna) war.

Sie fragt mich wieso ich das überhaupt wissen wolle, ob denn irgendetwas los sei. Wieder der musternde Blick. Nein nein, antworte ich erneut, ich wolle nur wissen was Glück bedeute. Ob ich denn glücklich sei, will sie wissen. Ich nippe an meiner Brause, überlege ob ich jetzt Lust auf die lange Version habe, entscheide mich aber für die kurze. Mehr oder weniger, sage ich, eine Antwort die weniger aussagt als sie Worte hat. Sie sieht mich an, merkt wohl dass ich gerade nicht in der Laune bin zwischen all dem Zigarettenrauch und den lauten Gesprächen meine komplette Gedankenwelt auszubreiten, und nickt mir wissend zu. In ihrem Blick sehe ich Wärme und Akzeptanz, und ich komme in Gedanken zu dem Schluss dass Unglück anscheinend viel komplizierter ist als Glück. Immerhin.



Mah!

15. Februar 2010 - 15:04 Uhr | Kategorie: Gedanken | 4 Kommentare

Der folgende Beitrag ist letzte Nacht zwischen 5 und 6 Uhr morgens entstanden, und er ist so schön… direkt, ich glaube es ist der beste Beitrag den ich hier innerhalb der letzten drei Jahre gepostet habe.

Ich hasse die Zeit, in der man sich entscheiden muss ob man die Nacht durchmacht und den ganzen Tag mehr oder weniger vor sich hin döst, oder ob man noch schlafen geht und das Risiko in Kauf nimmt zu verpennen, was bei mir weniger Risiko, mehr Tatsache ist. Ja, gut, damit hätte ich die Entscheidung gefällt. Fangen wir also an mit sinnlosen Google-Bildersuchen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt fabriziert das Hirn des Menschen sowieso nur noch Dünnschiss, das ist bewiesen, das muss so zwischen 10 Uhr morgens und 8 Uhr abends sein. Und danach.

Familienbande

Dieses Bild hat Mandy Galambos (Anmerkung der Redaktion: gemalt), sein Titel ist “Familienbande”. Ich mag das Bild, seht ihr wie zwischen all den pittoresquen Farben das seelige Lächeln der Tiere hindurchschimmert? Es scheint als hätten sie das Glück mit Löffeln gegessen, ein absurder Gedanke, immerhin sind es ja Tiere! Man mag ja meinen dass auf dem Bild zwei verschiedene Familien abgebildet seien, die Entenmutter mit ihren Entenbabys, der Froschpapa mit seinen Froschbabys, doch mir gefällt die Vorstellung dass es eine Familie ist, sinnbildlich für die vielen Patchworkfamilien der heutigen Zeit, die trotz dem Schein der losen Zusammenstellung viel Glück zusammen erleben können, vielleicht sollte ich die Malerin fragen wie sie das gemeint hat. Love without boundaries, Liebe ohne Grenzen, das finde ich richtig gut. Seht ihr wie sie Lächeln? Seht ihr es? SEHT IHR ES???? SOGAR DIE SCHEISS KAULQUAPPEN SIND SCHEISSGLÜCKLICH, VERDAMMTE KACKE, ACH IST DAS BILD SCHÖN!!!

Puhhh, beruhig dich mal, alter Mann. Das erinnert mich alles zu sehr an die Mona Lisa, der wollte ich auch schon lange mal eine in die Fresse hauen. Was grinst die immer so dämlich rum. Als gäbe es so viel zu grinsen. Pfff.



Keine Zeit!

3. Februar 2010 - 01:54 Uhr | Kategorie: Alltag, Gedanken | 4 Kommentare

Keine Zeit zu bloggen. Befinde mich gerade mal wieder in einem Star Trek: Voyager Marathon. 7of9 7of9 7of9. Wir sind Borg!

Nachtrag zum letzten Eintrag: Die Sache ist geklärt. Die Position hat ihn nicht verändert, sondern die Möglichkeit gegeben Dinge zu tun und zu handeln wie er es schon davor gerne getan hätte.

Und zur Entspannung hier noch ein tolles Lied von einem fantastischen Film. Eddie Vedder mit Hard Sun, vom Soundtrack zu Into the Wild.


DirektSonne





« Vorherige Seite


Glotzkind Blog
Dies ist ein Anti-Plenk-Blog! Theme: Pool editiert von Björn.
Dieser Blog benutzt folgende Plugins: Flash Cortex | Lightbox | Comment Quicktags | ANIga gallery | Scrobbler | Recent Comments | FLVPP | One year ago