Kurzreviews: Jennifer’s Body, Love Happens, All Inclusive, New in Town, A Tale of Two Sisters

22. November 2009 - 23:33 Uhr | Noch nicht kommentiert...

Langer Titel, aber irgendwann muss ich ja mal irgendwas zu den ganzen Dingern raushauen.

Jennifer’s Body

JennifersBody
“Was meinst du mit mein Botox läuft aus?”

Eigentlich sollte es in die Sneak gehen, am Ende wurde jedoch Megan Foxs bzw. Juno Autorin Diablo Codys High School Gruseldrama daraus. Leider eine eher schlechte Entscheidung.

Der Film handelt von Jennifer und ihrer besten Freundin Needy, die als Schulschönheit und Streberin natürlich wunderbar zusammenpassen. Als beide ein Konzert einer Indie-Rockband besuchen fackelt plötzlich die ganze Schabracke ab, woraufhin Jennifer dem Drang nach einem logischen Plot erfolgreich widersteht und zusammen mit der Band in deren düsteren Gothic-Van in den Wald fährt. Kurz darauf taucht sie bei ihrer Freundin Needy auf, verletzt, heruntergekommen, blutend und hungrig. Statt diese nun aber auszusaugen kotzt sie lieber 3 Liter Teer auf den schönen Küchenboden und verpisst sich wieder. Kurz darauf sterben weitere Schüler der High School, und irgendwann zwischen einem Zungenkuss mit Megan Fox Jennifer und dem Sterben ihres Freundes kommt Needy auf den Trichter mit ihrer Freundin könnte irgendetwas nicht stimmen. Großer Showdown, Ende.

Der Film hat mehrere große Probleme. Meiner Ansicht nach ist das größte, dass er selbst nicht weiß was er sein will. Es gibt ein paar ganz nett gemachte Gruselszenen, zwischendrin immer mal wieder ein paar Gag-Einlagen, auch bekannte High School Klischees werden hier und da mal auf die Schippe genommen, nur um kurz darauf wieder in ein Kleinstadt-Sozialdrama umzuschwenken. Man könnte jetzt meinen, hey, genau so soll es sein, eine Horrorkomödie mit sexy Teenagerlife, doch leider versteht es der Film nicht das alles in ein großes Ensemble einzuordnen und nimmt sich dabei selbst noch viel zu ernst. Zeitweise kommt es einem vor als wären hier mehrere Filme einfach durcheinander gewürfelt worden, ohne Feingefühl wechseln Stimmung und Atmosphäre ständig und lassen sich den geneigten Zuschauer so fragen, was er hier eigentlich gerade sieht. Umso schlimmer fällt dann die plumpe Story ins Gewicht, Hauptdarsteller 1 wird zu Vampirwesen, Hauptdarsteller 1 tötet ein paar beliebige Leute, Hauptdarsteller 2 tötet Hauptdarsteller 1. Und das 102 Minuten lang, in denen nichts passiert was einen irgendwie großartig interessiert, was hauptsächlich daran liegt dass man sich zu keinem der Charaktere auf irgendeine Weise verbunden fühlt. Jennifer ist mal böse und mal nett, im einen Moment schlitzt sie Menschen auf und weidet sie aus, im anderen liegt sie in sexy Unterwäsche auf ihrem Bett und leckt sich gekonnt über die frisch gebleichten Zähne. Needy wechselt auch ihre Stimmungen wie ihre Socken, im einen Moment lässt sie sich von ihrem anscheinend 12 Jährigen Freund vögeln, im anderen rennt sie schnurstracks in ihr Verderben und verhält sich dabei noch wie mit Frankensteins IQ gesegnet.

Jennifer’s Body (wieso der Film so heißt ist mir ein Rätsel) will mit dem Sexappeal der Hauptprotagonistin spielen und das Ganze in ein realistisches, gruseliges und humorvolles Korsett packen, wirkt aber durch die plumpe und extrem behäbige Machart eher wie ein gescheiterter Versuch, weswegen fast alle Stellen und Szenen im Film ihre Wirkung vertun und somit die einzigen Szenen die dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben die sind in denen man Megan Fox halbnackt irgendwo rumturnen sieht. Leider sind aber selbst diese enttäuschend, denn einen Film an seiner heißen Hauptdarstellerin aufzuhängen und dann in Sachen Hotness nur auf Standard-Rumgeknutsche zu setzen ist wahrlich nichts wofür sich die 7 Euro fürs Kino lohnen. Einzig der Soundtrack hat ein paar nette Lieder zu bieten.

Love Happens

LoveHappens
“Hübsche Tasche!” – “Hübscher Zinken!”

Jennifer Aniston hat es nicht leicht. Nachdem ihr größter Erfolg, Friends, abgedreht war, sah man sie hauptsächlich in eher mittelmäßigen Liebeskomödien oder als Nebencharakter neben großen Namen wie Jim Carrey in Bruce Allmächtig. Der einzige Film der da etwas herausstechen konnte war Er steht einfach nicht auf Dich!, was aber sicherlich auch nicht gerade an ihrer schauspielerischen Brillianz lag, sondern eher am erfrischend leichten und dennoch schön geschriebenen Plot. Jetzt ist sie wieder da, zusammen mit Aaron Eckhart, der mit The Dark Knight und Thank you for Smoking zumindest schonmal zwei respektable Kinoerfolge feiern konnte.

Burke ist ein Ja-Sager, der sich seit dem tragischen Tod seiner Frau der Trauerbewältigung hingibt, Bücher veröffentlicht hat und Seminare gibt in denen er anderen Menschen hilft ihren Schmerz über den Verlust Geliebter zu verarbeiten. Eloise ist eine Lebefrau, die mit Männern nicht viel Glück hatte, einen Blumenladen führt und nebenbei einige Ticks pflegt die zu so einer Frau eben gehören, in Hollywood. Die beiden treffen in einem Hotel, in dem er ein Seminar gibt und sie die Innenraumbegrünung übernimmt (das Wort habe ich gerade erfunden… glaube ich), aufeinander, mögen sich erst nicht, dann aber doch. Er realisiert dass er trotz all seiner guten Ratschläge selbst den Tod seiner Frau noch nicht ganz verarbeitet hat, sie findet das ganz toll und hilft ihm dabei, und das Ende kommt wie es in Romantikkomödien eben so kommen muss. Er weidet sie aus und badet in ihrem Blut. Naja, man wird ja wohl noch träumen dürfen.

Prinzipiell macht der Film nicht viel falsch, aber leider gelingt es ihm auch nicht sich in irgendeiner Weise von den Klischees des Genres zu lösen und die ein oder andere unerwartete Wendung zu zeigen. Insofern weiß man schon relativ früh worauf das Ganze hinauslaufen wird und muss so nur noch verfolgen wie der Plot die Treppe zum Happy End immer weiter hinaufsteigt. Anfangs nette Ansätze werden leider im Schmalztopf ertränkt, beispielsweise als der seit dem Tod seine kleinen Jungen arbeitslose Bauunternehmer zusammen mit den anderen Teilnehmern des Seminars durch eine Shoppingtour im nahen Baumarkt wieder ins Leben zurückfindet, begleitet von Herzschmerz-Musik und vielen Tränen von harten Kerlen. Das I-Tüpfelchen auf dem Schmalzberg ist die Szene als Burke gegen Ende hin vor den Seminarteilnehmern seine eigene Geschichte unter Tränen offenbart, was mit einer kräftigen und tränenreichen Umarmung mit seinem Ex-Schwiegervater und den Worten “Wir haben dir nie die Schuld an ihrem Tod gegeben, Junge.” endet. Das Kino applaudierte.

Insgesamt ist Love Happens also sicherlich kein schlechter Film, und für den zweisamen DVD-Abend um die Weihnachtszeit bestens geeignet, doch leider fehlt ihm jeglicher Versuch eine neue und innovative Story zu erzählen. Die Schauspieler machen ihre Arbeit solide, herausragende Leistungen darf man allerdings nicht erwarten, und so bleibt es am Ende bei einem netten Film. Und ihr wisst, was nett bedeutet.

All Inclusive

AllInclusive
“Jetzt sind wir endlich auf dieser scheiß Insel und ihr habt die Pointen zuhause vergessen?”

Ein Film der mit so einer Starbesetzung und so einem Setting auffährt kann kaum schlecht sein sollte man meinen. Vince Vaughn, den man aus zahlreichen guten Komödien aber auch einigen respektablen Dramen kennt, Jason Bateman, bekannt aus Hancock, Juno und Starsky & Hutch, Malin Akerman, die es sich in Watchmen als Silk Spectre II gerne in Ledermonturen bequem gemacht und selbige auch lasziv ausgezogen wieder hat, Kristen Bell, Privatschnüfflerin in Veronica Mars, Kristin Davis, die wohl jeder noch aus Sex and the City kennt, und nicht zuletzt sogar Jean Reno nimmt die Schuhe in die Hand und lässt sich in diesem Film den Sand von Bora Bora zwischen die Zehen rieseln.

Die Story ist schnell erzählt. Vier befreundete Paare wollen Urlaub auf der Insel Eden und dem dortigen Resort machen um dabei mittels Paartherapien und tantrischen Übungen ihre Ehen oder ihre Beziehungen wieder auf Vordermann zu bringen. Während die Insel anfangs noch ihren kühnsten Erwartungen entspricht, stellt sich bald heraus dass die dortigen Distriktiven hart und oberstes Gesetz ihre Befolgung ist. Auch der formschöne Yogalehrer mit seiner offenen Sexualität und die Therapien wirbeln so einiges an Ärger und zwischenmenschlichen Problemen auf.

Viel lässt sich über diesen Film wirklich nicht sagen. Die Schauspieler verrichten ihren Job passabel, grobe Schnitzer gibt es keine und sogar Jean Reno schafft es die ihm aufgetragenen Rolle als französischer Beziehungsguru nicht komplett im Klischeetümpel versinken zu lassen. Knapp ist es aber schon. Das größte Problem dieses Films ist wohl die offenkundige Lustlosigkeit des Drehbuchs, während 2-3 Gags tatsächlich ganz witzig sind schafft es der Rest des Films nicht einen über ein mattes Schmunzeln hinaus zu bringen. Irgendwie hat man alles schonmal irgendwo gesehen, selbst das neumodisch gedachte Guitar Hero Match ist heute nicht mehr allzu frisch und wirkt in seiner Präsentation genauso uninspiriert wie der Rest des Plots. Die zwischenmenschlichen Dramen der Protagonisten bewegen sich auf McDonalds Niveau (sieht aus wie Fleisch, schmeckt aber nach Pappe), die Story ist vorhersehbar wie meine allmorgendliche Sitzung auf dem Klo und die Charaktere in ihrer Ausarbeitung flacher als Milla Jovovich. Wäre alles zu verschmerzen wenn wenigstens die Gags zünden würden, doch irgendwie scheint sich keiner am Set bewusst gewesen zu sein wann denn jetzt eigentlich wo welche Pointe hingehört. Selbst Vince Vaughn, der mit seiner trockenen staksigen Art sonst immer den ein oder anderen Lacher kassieren konnte, scheint in All Inclusive chronisch gelangweilt zu sein, was umso merkwürdiger ist wenn man bedenkt dass er am Drehbuch mitgearbeitet hat.

Wenn dann ist dieser Film nur für den DVD-Abend geeignet, wer allerdings mal gerne einen eineinhalb stündigen Werbefilm über Bora Bora mit mittelmäßigen Witzen sehen will, der kann zugreifen. Wobei, selbst das gibt es schon, für Windows 95, mit Matthew Perry und Jennifer Aniston.

New in Town

NewInTown
“Ich bin zwar nicht Gerard Butler, aber das kann ich!”

Frau/Mann wird beruflich von der Großstadt in ein kleines Kaff versetzt, Frau/Mann findet das ganz doof und mag die Kleinstadtleute nicht, Frau/Mann trifft einzige/n alleinerziehende/n Mutter/Vater, verliebt sich, findet gefallen an diesen putzigen Landeiern, geht zurück in die große Stadt und kehrt rechtzeitig für das große Happy End wieder zurück. Ende. Altbekannte Story, altbekannte Charaktere, altbekannte Renée Zellweger. Obwohl man das alles schon dutzende Male gesehen hat schafft es New in Town dennoch einen mit dem Charme der kleinen Leute einzulullen und hat sogar ein paar ganz lustige und herzliche Momente. Man muss das Rad ja nicht immer neu erfinden um einen netten kleinen Film zu drehen, gut für den winterlichen DVD-Abend. Oder um nebenbei ein kleines bisschen rumzuvögeln.

A Tale of Two Sisters

ATaleofTwoSisters
“Wieso werden wir seit Shining eigentlich” – “immer nur für solche Scheißrollen besetzt?”

Eigentlich bräuchte dieser Film ein eigenes dickes Review, denn er ist alles andere als klein und schnell behandelt. Ich will es aber dennoch versuchen. 2003 in Südkorea entstanden wird die Verfilmung eines alten Märchens von zwei Schwestern bis heute als einer der besten Filme aus Korea gehandelt. Su-mi und Su-yeon kommen nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie in das Haus ihres Vaters zurück, wo sie zusammen mit der Stiefmutter leben. Das Verhältnis zwischen den Töchtern und der Stiefmutter ist von Anfang an angespannt, auch der Vater hat offensichtlich keinen direkten Zugang zu seinen Töchtern. Plötzlich beginnen mysteriöse Ereignisse sattzufinden, nachts sind fremde Geräusche zu hören, Gegenstände im Haus scheinen ihre Plätze zu wechseln, die Bewohner haben teils schreckliche Visionen und das Verhältnis zwischen den beiden Töchtern und der Stiefmutter verschlechtert sich zusehends bis es zum Eklat kommt und die Stiefmutter eine der Schwestern in einen Schrank sperrt und versucht die andere umzubringen.

So viel zur Geschichte, zu viel will ich auch nicht verraten, denn während man den Charakteren auf dem Bildschirm folgt bleiben die größten Fragen bis zum Ende im Dunkeln. Was ist den Schwestern geschehen? Wieso ist ihr Verhältnis zur Stiefmutter so gereizt? Was ist mit der Mutter passiert? Und überhaupt, wieso liegt hier eigentlich Stroh? Allerdings wäre dieser Film kein koreanischer Film, wenn der große Twist am Ende nicht so einiges an Überraschungen bereit halten würde, und wenn alles auf der rationalen Ebene erklärbar wäre. Die Geschehnisse deuten schon darauf hin, in diesem Haus ist etwas schlimmes geschehen, und irgendetwas geht immernoch vor sich, doch was, das erfährt der Zuschauer erst am Ende.

Was den Film neben der Geschichte auszeichnet ist vor allem seine einzigartige Gestaltung. Entgegen den teils ausartenden Situationen im Film ist es die Kamera, die alles ruhig und in ungewöhnlich langen Einstellungen einfängt. Obwohl man derartige Kameraarbeit von solchen Filmen teilweise ja schon gewohnt ist, treibt A Tale of Two Sisters das ganze auf die Spitze und setzt die Schnitte so bewusst und Messerscharf dass einem der Atem wegbleibt. Die dadurch erzeugte Spannung wird aufs Äußerste ausgereizt, selbst bei scheinbar vorhersehbaren Szenen bricht einem der Schweiß aus und man will eigentlich schnell vorspulen damit es endlich passiert. Die Stimmung behält dabei stets einen destruktiven, psychisch bedrückenden und fast schon lebensnahen Charakter bei, was teilweise an Funny Games erinnert. Wenn (ich nenne mal keine Namen) eine Person plötzlich grundlos in der Küche zusammenbricht und ein 5-Minütiger Krampfanfall inklusive verdrehter Glieder, weißer rollender Augen und einem Monster unter der Spüle folgt, oder wenn eine der Töchter zusammen mit einer Leiche unter einem Kleiderschrank begraben wird und niemand ihr hilft, dann sind das Momente in denen man das Leid und den Horror lebhafter denn je nachempfinden kann. Es sind diese Sequenzen die länger dauern als einem lieb wäre, die stiller und dennoch eindrücklicher präsentiert werden als man es von jedem Hollywood-Horrorfilm gewohnt ist und die sich einem ins Gedächtnis gebrannt haben, wenn nach fast zwei Stunden das Rätsel gelöst ist und das Ende fast schon in poetischer Schönheit abläuft.

Die Schauspieler liefern eine großartige Show ab, allen voran Yeom Jeong-ah als strenge Stiefmutter. Auch die Vertonung ist einzigartig, passt wie der Tritt in den Schritt, lässt einen immer tiefer in die Geschichte um die zwei Schwestern eintauchen und pusht die Spannung nochmal ein ganzes Stück weiter ans Limit. Somit kann ich mich den Meinungen nur anschließen, A Tale of Two Sisters ist mit eines der besten Kunststücke die sich aus Korea importieren lassen. Die Story ist interessant und der Plot hält einige Überraschungen bereit, die Kameraarbeit ist fantastisch und auch der Rest weiß zu begeistern. Wer Lust auf einen nervenzerfetzenden Abend hat und sich mit dem asiatischen Hang zum Übernatürlichen bisher immer gut anfreunden konnte, dem kann ich nur empfehlen sich über Amazon die Special Edition für läppische 10 Euro zu Weihnachten schenken zu lassen.



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