Eden Lake

12. Oktober 2009 - 05:06 Uhr | Noch nicht kommentiert...

Auf dem Fantasy FilmFest 2008 lief Eden Lake als Eröffnungsfilm. Der Regisseur und Autor James Watkins war selbst anwesend, und verkündete, diesen Film schaue man nicht, nein, man überlebe ihn. Außerdem brauche man einen starken Magen, womit er nicht nur auf die gezeigte Gewaltdarstellung, sondern auch auf das eigentliche Thema das Films anspielte, welches in Zeiten von Happy Slapping, YouTube und Co brisanter denn je sei.

Das ist natürlich alles Bullshit. Der Film gestaltet sich größtenteils wie ein normaler Backwood-Horror-Flick, ein fröhlich herumgluksendes junges Pärchen will sich ein schönes Wochenende irgendwo auf dem Land, im Wald an einem See machen. Kaum angekommen gibt es erste Begegnungen mit unfreundlichen Einheimischen, und schon bald stellt sich auch schon heraus wer diesmal die Rolle der meuchelnden inzestgeschädigten Zombiemonsterschnetzler übernimmt, nämlich eine Gruppe Jugendlicher, die von der einödenden Einöde des öden Landlebens so angeödet sind, dass sie sich einen Spaß daraus machen die beiden Touristen ordentlich zu terrorisieren. Als dann einer der beiden Hauptprotagonisten auch noch ungewollter Weise den Hund des Anführers der Halbstarken tötet, kommt es zum Eklat, der Elternbeirat wird zusammengerufen und das Pärchen wird des Waldes verwiesen, womit der Film zuende ist. Schön wärs.

Der weitere Ablauf des Films besteht hauptsächlich in der versuchten Flucht des Pärchens und deren scheitern, der Mann wird von den Jugendlichen gefangen genommen und ein bisschen gezweiteilt, woraufhin er stirbt, die Frau rennt durch den Wald, fällt hin, wird geschnappt, flieht, rennt durch den Wald, fällt hin, wird geschnappt, flieht, rennt durch den Wald, und so weiter und so fort. Und das leider gar nicht mal so sehr metaphorisch gesprochen. Dabei hält sich natürlich auch Eden Lake an die Vorgaben des Genres, die Charaktere verhalten sich wunderbar unlogisch, geradezu gewollt dumm (“Nein ich ruf nicht mit dem Handy die Polizei, lieber versuche ich über Bluetooth ein Handy der Mörder zu hacken und damit die Polizei zu rufen, McGuyver würds genauso tun!”), das Auto wird gegen einen Baum gesetzt, das Handy hat nur einen Balken Empfang und der Akku ist auch fast alle, statt zu fliehen wird den Jägern in die Arme gelaufen, und zwischendrin wird einem kleinen netten Inderjungen der Kopf angezündet. Dazu aber später mehr.

Auch das Ende ist nicht minder vorhersehbar, natürlich entpuppt sich die mögliche Rettung als dead end, Hinterwäldler müssen ja zusammenhalten, womit der Film rein Storytechnisch schonmal eins zu eins tausend anderen Genrekollegen gleicht und sich somit erfolgreich in die Riege mittelmäßiger bis schlechter Backwood-Schnetzler einreiht. Spannung nicht vorhanden, Gruselfaktor 0. Doch halt! War da nicht noch was?

edenlake1
“Ich kaufe ein A und löse: Stuhl im Gesicht!”

Stimmt. Wie der unglaublich tiefgründige letzte Blick eines Täters in die Kamera hinein eindeutig vermittelt, soll es hier um mehr gehen als um grobe Mettwurst, der Zuschauer wird vorwurfsvoll und subtil mit dem Zaunpfahl erschlagen und wird zu guter letzt nochmal aufgefordert so lange über den Film zu grübeln bis dessen tiefere Bedeutung endlich ans Tageslicht befördert wurde, was gar nicht so lange dauert. Geschickterweise wurden die gewaltgeilen Freaks einfach mal mit Jugendlichen ausgetauscht, die mehr oder weniger fröhlich Bauchhölen aufschneiden und Menschen verbrennen. Zwar geht die Gewalt hauptsächlich vom Anführer der Gruppe aus, doch schlussendlich sind sie alle dabei, und auch das Video auf dem Handy fehlt dabei nicht. Und ja, auch ein Kind muss mal dran glauben, genaugenommen sogar zwei, eigentlich sogar drei, wenn man den kleinen Inderjungen mitzählt dessen Kopf angezündet wird. Zu dessen Sinn und Zweck aber später mehr.

Et voilà. Da haben wir ihn, den Bezug zur heutigen Gesellschaft, den großen Schock, die große Anklage, die tiefere Bedeutung. Dumm nur, dass man davon den Film über nichts mitbekommt, und wie oben erwähnt erst am Ende darauf hingewiesen wird dass da mehr drinstecken soll. Denn während sich andere Filme tatsächlich mit eine solchen Thematik beschäftigen, Gründe, Entwicklungen und Ansätze aufzeigen, wird hier einfach mal ein schlechter Schnetzelfilm abgespult und danach der (für Indie-Kino ganz wichtige) Stempel “Gesellschaftskritisch” draufgehauen. Ja, es sind Kinder die da ihren Schabernack treiben, aber ohne Gründe oder eben Entwicklungen bezüglich dieses Themas zu behandeln stellt sich der Film diese Frage selbst nicht mal, die der Regisseur da an die große Glocke hängt. Wie als würde Keanu Reeves am Ende von Matrix in der Telefonzelle in die Kamera sehen und sich laut Fragen:”Ob ich Sex mit einer 16 Jährigen haben darf?”. Wuschhhhhh!!!

edenlake2
“Auf jeden, Alter!”

Tja, also was haben wir da? Einen schlechten, langweiligen, spannungsarmen Schnetzelfilm mit Möchtegernsinn, und auf unlogische Handlungsstränge reagiere ich allergisch. Dazu einen mysteriösen, storytechnischen komplett irrelevanten Inderjungen dessen Kopf angezündet wird. Wozu? Mit irgendwas muss man die 2 Stunden ja voll kriegen.



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