Es gibt so Wochen…

27. Mai 2009 - 00:12 Uhr | 1 Kommentar

Es gibt so Wochen, ja, die laufen nicht gerade so wie man sie geplant hat. Oder man hat sie falsch geplant. Die letzte Woche war so eine, angefangen hatte sie ja schonmal gut mit meiner Datenlöschaktion. Aber sie wurde noch besser. Echt.

Fangen wir mal vorne an. Meine Familie mütterlicherseitz veranstaltet schon seit Jahrzenten jedes Jahr ein Familienfest, bei dem sich die ganze Familie trifft, was bei der relativ großen Verwandschaft immer ein recht großes Tohuwabohu ist. Das treffen findet jedes Jahr an Pfingsten statt, so sollte es auch dieses Jahr sein. Normalerweise vergesse und verpasse ich sowas öfter mal, ob jetzt absichtlich oder nicht sei mal dahingestellt, dieses Jahr erinnerte mich meine Oma aber eindringlich daran als ich sie vor 4 Wochen sah als ich meiner Mutter beim Umziehen half. Und wenn meine Oma einen mal an der Angel hat kommt man nicht mehr so schnell davon los. Also direkt danach zuhause an den PC gesetzt und einen Flug für den Samstag gebucht, und Montag den Rückflug gleich mit, denn Pfingstmontag ist ja Feiertag.

Frohen Mutes, es sollte mein erster richtiger Flug sein, checkte ich Samstagmorgen am Flughafen ein, nachdem ich erstmal die Hälfte meiner Badezimmerausrüstung wegwerfen musste, könnte ja Sprengstoff sein, und saß kurz darauf im Flieger und genoss den sagenhaften Ausblick über den Wolken. Schon eine Stunde später landete ich in Hamburg Fuhlsbüttel, verabschiedete mich von den netten Stewardessen die Schokoladenherzen verteilten und wühlte mich durch Menschenmassen zur S-Bahn. Nun wohnt meine Oma nicht in Hamburg, sondern ungefähr eineinhalb Stunden weiter nördlich, in einem kleinen Kaff, so klein dass es nichtmal einen Bahnhof besitzt (naja eigentlich doch, nur fahren da keine Züge, oder nur bestimmte… ach keine Ahnung). Also ging es weiter nach Hamburg Altona, wo ich erst noch etwas durch die City flanierte um dann mit der NOB, der Nord-Ostsee-Bahn, weiter gen Norden zu fahren. Bisherige Reisezeit ungefähr 7 Stunden. Ungefähr eine halbe Stunde vor meiner Ankunft rief ich meine Mutter an um ihr zu sagen sie solle mich demnächst mal am Bahnhof, der in einem Kaff weiter namens Lunden ist, abholen. Der Dialog sah in etwa so aus:

“Mama, ich bin gleich da.”
“Wo bist du gleich?”
“Na in Lunden. Holst du mich dann ab?”
“Was? Wohin… wo bist du?”
“Ich bin gleich in Lunden! Bin noch im Zug.”
“Was machst du denn in Lunden?
“Wie was mache ich in Lunden? Ich komm jetzt zur Omma.”
“Wieso denn jetzt?”
“Zur Familienfeier?”
“Mann Björn, die ist doch an Pfingsten. Das ist erst nächstes Wochenende!”

Uhh. Shit. Richtiger Ort, ein Wochenende zu früh.

“Oh. Scheiße. Kannst du mich trotzdem abholen?”
“Ich bin gerade in Hamburg. Ruf doch mal die Oma an. Mensch Björn…”

Gesagt, getan, nur leider ging sie nicht ran. Genauso wenig wie meine Tante, die nur ein paar Häuser weiter wohnt. Und so wartete ich. Und rief an. Und wartete. Und rief an. Und wartete. Und packte mein Buch aus. Und rief an. Und wartete. Um 17 Uhr war ich in Lunden angekommen, bis 22 Uhr konnte ich weder meine Oma noch meine Tante erreichen und lümmelte am Bahnhof oder in der Umgebung rum. Irgendwann zwischendrin kam mal ein augenscheinlich betrunkener Kerl an und beschuldigte mich gegen die Bahnhofstür getreten zu haben, und meinte dass er das alles auf der Überwachungskamera habe, und dass er gleich die Polizei rufen würde. Generell kam mir Lunden irgendwie recht unfreundlich gegenüber Fremden vor.

Um 22 Uhr rief ich meine Mutter an, und sagte ihr dass ich niemanden erreichen könne. Sie meinte sie würde mal versuchen über irgendwen anderen irgendwie an irgendwas zu kommen, wie auch immer. Als sie um 24 Uhr wieder anrief, inzwischen hatte ich mich schon damit abgefunden die Nacht in einem Erdloch zu verbringen und sah die Schlagzeile “Jugendlicher im Wald erfroren aufgefunden” schon vor mir, hatte sie über einen meiner Cousins einen anderen Cousin erreicht, über den einen ihrer Cousins, und über diesen den Ehemann meiner Tante, die ja im gleichen Ort wohnt. Dieser hatte ihr erstens erklärt dass er mit seiner Frau, also meiner Tante, über das Wochenende weggefahren sei (aha!), und dass meine Oma in einer Ballettaufführung in Hamburg sei und erst um 1 Uhr nachts zurückkäme (aha!!), und hatte zweitens seinen Nachbarn angerufen um ihm zu sagen dass da demnächst ein Neffe vorbeikäme der den Schlüssel zu ihrer Wohnungstür bräuchte.

Das klang schonmal besser als im Wald zu sterben, und so rief ich ein Taxi das mich aus diesem vermaledeiten Lunden rausbringen sollte. Der Taxifahrer war einer der wenigen die es in der Umgebung gab, und brach erstmal in schallendes Gelächter aus als ich ihm meine Geschichte erzählte. Kurze Zeit später stand ich vor der Tür der Nachbarn meiner Tante und klingelte sie wach, wiederum fünf Minuten später war ich endlich wieder in einem beheizten Raum und konnte auf dem fantastischen Sofa meiner Tante noch das Ende von Schlag den Raab mitverfolgen. Reisezeit bis dahin ungefähr 15 Stunden.

Tja. Und so verbrachte ich das vermeintliche Familienfest mit meiner Oma alleine, bis dann Sonntagabend meine Mutter noch kam. War auch schön. Und im Prinzip, ja im Prinzip war meine Planung ja perfekt, und alles hat wunderbar geklappt, nur eben, naja, nur eben eine Woche zu früh. Im Nachhinein verstehe ich auch wieso meine Arbeitskollegen so verwundert waren als ich Montag einfach nicht zur Arbeit erschien, der Montag den ich für einen Feiertag hielt. Jedenfalls findet dieses Wochenende also das echte Familienfest statt. Ziemlich sicher ohne mich, denn so lange Reisen sind teuer, außer man findet sich damit ab 18 Stunden unterwegs zu sein. Schade. Aber sowas passiert, solche Wochen hat man mal. Oder? ODER?



    Kommentare:

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  1. Der Mosi meint:


    haha ich wusste noch bevor ich es gelesen hatte, dass du am falschen wochenende geflogen bist ;)


    27. Mai 2009 um 22:42 Uhr | #

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