Dieses Buch

29. Dezember 2008 - 22:34 Uhr | Noch nicht kommentiert...

Er stand in ihrem Zimmer vor ihrem Bücherregal und beäugte angestrengt die Buchtitel, in der Hoffnung etwas zu finden dass ihm bekannt vorkam. Sie saß hinter ihm auf ihrem Schreibtischstuhl und sah mit einem kleinen Lächeln im Gesicht seinen Bemühungen zu. Plötzlich zog er ein Buch aus dem Regal und sah sie fragend an.

“Das ist ein ganz besonderes Buch.” sagte sie leise. “Es ist kein Buch das du in einem Rutsch durchliest, aber es ist auch kein Buch das du lange ungelesen herumliegen lässt, wenn du es einmal angefangen hast.”
“Worum geht’s?” fragte er sie.
“Das ist ‘ne gute Frage.” Sie stand auf und ging zu ihm hinüber, nahm ihm das weinrot eingebundene und mit schwarzen Lettern beschriftete Buch aus der Hand und fuhr sanft mit ihren Fingern an der aufgedruckten Schrift entlang. “Eigentlich gehts um ‘ne Frau die versucht den perfekten Mann zu finden. Aber das ist nur Mittel zum Zweck, die eigentliche Message ist nämlich die, dass es weder den perfekten Mann, noch die perfekte Frau gibt, die alle versuchen so angestrengt zu finden.”
“Ach… nicht?”
“Naja, schon irgendwie, aber der Begriff der Perfektion muss umdefiniert werden. Wir beziehen das auf diese ganzen menschlichen Oberflächlichkeiten an die wir uns so klammern, jeder will den klügsten, den schönsten, den lustigsten und den tollsten Partner finden. Dabei kommt’s darauf gar nicht wirklich an. Eigentlich ist das alles so ziemlich scheißegal, denn wir Menschen finden auf anderen Wegen zueinander, solche Eigenschaften sind meistens keine ausschlaggebenden Kriterien.”
Er überlegte kurz. “Also du meinst, dass es im Prinzip egal ist wer wir Menschen sind, dass es auf etwas ganz anderes ankommt als auf die Eigenschaften die uns als Individuen ausmachen?”
“Das meine nicht ich, das meint das Buch. Aber eigentlich nicht wirklich, im Buch wird nur eine weitere Ebene beschrieben, eine weitere Ebene die uns Menschen zu denen macht die wir sind, und aus der die wahre Liebe entspringt. Eine Ebene, die sich nicht um solche Sachen kümmert wie Aussehen oder Geld oder sowas, sondern die unser Innerstes nach außen trägt und die wir bei anderen Menschen unbewusst auch sofort erkennen. Darauf kommt es dann an.”
“Klingt für mich ziemlich kühn. Und darum geht’s darin?”
“Wenn man es dementsprechend liest, dann ja.”
“Und wenn nicht?”
“Dann ist es nur ein schnulziger Roman über eine Frau die den Mann ihrer Träume sucht. Same procedure as every year, James.”
“Hört sich irgendwie dämlich an.”
“Naja…” sagte sie und betrachtete das Buch in ihren Händen. Er sah dass ihr Lächeln langsam einem nachdenklichen Blick wich.
“Leihst du’s mir trotzdem aus?” fragte er und legte seine Hand auf ihre, und vor dem Fenster begann der Schnee zu fallen.





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