Ich bin ein wenig empört. Ja, ein wenig empört und erbost auch, und das nur wegen einer Frau die augenscheinlich wenig für Horrorfilme übrig hat, und aus irgendeinem Grund versucht eine Kettensäge zu einem Penis zu machen.
Jeder hat ja so seine Fravoritenliste, die Internetseiten die er täglich oder wöchentlich mal ansurft. Ich als Blogger, und nach zwei Jahren des unregelmäßigen, aber kontinuierlichen Bloggens zähle ich mich mal dazu, habe mehrere Favoritenlisten, und eine davon besteht nur aus Blogs oder Ähnlichem. Darunter ist auch die Seite von jetzt.de, quasi die junge Onlineversion der Süddeutschen für Blogger, oder was weiß ich, ist ja auch egal. Manchmal gibts dort sehr nette und persönliche Artikel, und manchmal gibts dort auch Interviews mit komischen Leuten. So wie heute, in diesem Artikel, in dem Katharina Klewinghaus zu ihrem Film “Science of Horror – Wenn die Kettensäge zum Penis wird” befragt wird. Keine Angst, das Interview ist wie so oft kurz genug um als gut platzierte Werbung durchzugehen, du kannst ruhig einen Blick auf den Artikel werfen und danach zurück kommen.
Zuerst war ich ja ganz angetan von der Idee, eine Dokumentation über ein von mir sehr gemochtes Genre, allerdings, und da sind wir jetzt wieder am Anfang, jetzt, nach der Lektüre, bin ich dann doch etwas empört.
Der Artikel fängt ja schonmal ziemlich komisch an. Eine Frau durchleuchtet das Thema Horrorfilme und spricht dabei mit Filmwissenschaftlern und Feministinnen. Feministinnen? Was haben die denn bitte mit Horrorfilmen zu tun? Da liegt es ja auf der Hand, dass der ein oder andere Phallusvergleich fallen muss und es sich dann plötzlich doch mehr als man denkt um Frauen handelt. Hier hat es die Motorsäge getroffen. Es ist dann also die Frau, die neuerdings in Filmen wie High Tension oder Saw 2 mitsamt der Waffe auch die Macht übernimmt.
Gut, die Entwicklung der Frau vom kreischenden Mädchen zum fähigen Kontrahenten oder sogar selbst zum Mörder ist nachvollziehbar und sicherlich auch nicht von der Hand zu weisen, ich würde das zwar nicht direkt Emanzipation nennen oder zum zentralen Thema einer Doku über Horrorfilme machen, aber was wäre schon eine Feministin ohne das “Emanzipation durch Endpenisierung” Theorem.
Was mich dann aber wirklich nervte war der Vergleich von Horrorfilmen mit Pornofilmen. Folgendes wird da von Frau Klewinghaus behauptet:
“Beide arbeiten mit dem sogenannten „Money Shot“ – das ist ein expliziter Moment, auf den der ganze Film zusteuert. Beim Porno ist das der „Cum Shot“, beim Horrorfilm zum Beispiel das Durchschneiden der Kehle. Beide zählen mit dem Melodrama zum „Body Genre“ – das sind Filme, die beim Zuschauer eine körperliche Reaktion hervorrufen.”
Bitte? Bitte bitte bitte? Was? WAS?
Also eins mal vorneweg, in der Definition von Film kommt bei mir normalerweise der Begriff Porno nicht vor. Klar, es sind bewegte Bilder, und manche Pornos versuchen so etwas wie eine Handlung neben dem Sex zu simulieren, aber hey, mal ganz ehrlich, die meisten Pornos ähneln eher Youtube-Videos als echten Filmen. Nur weil irgendjemand sich beim Geigespielen aufnimmt ist das doch auch noch lange kein Konzert. Ein Bild von einem Kindergartenkind ist doch noch lange kein Gemälde, nur weil es auch bunt und auf Papier ist.
Insofern ist ein Horrfilm was komplett anderes als ein Pornofilm. Prinzipiell kann es ja gut möglich sein, dass es Horrorfilme gibt die nur darauf abzielen bestimmte Szenen am Ende in Nahaufnahme zu zeigen, aber hey, das komplette Genre auf diese eine, extrem simplifizierende und zum größten Teil nicht mal zutreffende Handlung zu minimieren ist mal sowas von daneben und falsch. Gewaltdarstellung ist schon lange nicht mehr das zentrale Thema von Horrorfilmen, war sie eigentlich noch nie, auch nicht zu Zeiten von Hitchcocks “Psycho” den die werte Dame später noch empfiehlt.
Außerdem ist diese eine zentrale Aufnahme, auf die hingearbeitet wird, doch nicht nur in Horrorfilmen oder Pornos zu finden. Ist es bei Liebesfilmen nicht oft der romantische Kuss am Ende, den alle so sehnlichst erwarten, und der filmtechnisch auch mit ordentlich Kirmes gefeiert wird? Sind es bei “Independence Day” nicht die riesigen brennenden Raumschiffe, die das Ende des Films und somit auch seinen Höhepunkt bedeuten? Genrebezogene Cum Shots gibt es wenn dann ja wohl überall, da stechen Horrorfilme absolut nicht hervor.
Und dann das mit dem “Body Genre”, also bitte. Klar, dass ich einen Porno nicht ohne dickere Eier als davor ausmache, ist bekannt, aber welche körperliche Reaktion löst denn ein Horrorfilm aus? Angst ist ja wohl hauptsächlich psychischer Natur, zählt also zur gleichen Sparte wie Freude oder Trauer. Ekel, okay, lasse ich mal gelten, aber was ist wenn ich in einer Komödie lache, bei einem Drama weine oder bei “American History X” mit der Faust auf die Kinolehne schlage vor Wut? Zählt das nicht?
Also wo bitte sollen da jetzt diese besonderen Parallelen zwischen Horrorfilmen und Pornofilmen sein, die es in anderen Genres nicht zu finden gibt? Hä? Beide stillen bestimmte Gelüste der Menschen, genau wie es alle anderen Genres tun. Pah! Der Vergleich ist ein Schlag ins Gesicht aller echten Horrorfans, zu denen Katharina Klewinghaus offensichtlich nicht gehört, was sie selbst ja auch zugibt.
In ihrem Film geht es um Katharsis, Zensur, Sex und Gender, sagt sie, und ich frage mich, warum es in einem Film über Horrorfilme denn nicht über Horrorfilme geht, sondern mal wieder nur um die typischen Schlagworte bei denen die größte gesellschaftliche Resonanz erwartet wird. Okay okay, Sex und Gender sind nette Themen, und würden sie mal so nebenbei mit behandelt werden, fände ich das total in Ordnung. Zensur ist sicherlich ein großer und sehr interessanter Punkt am Genre, ich könnte täglich Stunden damit verbringen auf Schnittberichte.com nachzulesen, aus welchem Film was herausgeschnitten wurde. Und Katharsis… naja gut, je nach Interpretation lässt sich der Begriff zwar in so einiges hineinquetschen, aber das will ich mal als interessanten Punkt gelten lassen. Trotzdem bleibt für mich die Frage nach dem Horror.
Gehe ich in eine Doku über Horrorfilme, will ich etwas über Horrorfilme erfahren. Über ihre Geschichte, ihre Ableger, ihre Entwicklung, ihre Wurzeln, ihre Ikonen, alles eben im Bezug zum Horror. Verschieden Arten von Horrorfilmen vor ihrem kulturellen und geschichtlichen Hintergrund, verschiedene Stilrichtungen und Subgenres, es gibt so viel über Horrorfilme zu erzählen!
Aber nein, anscheinend setzt sich lieber jemand hin der Horrorfilme nicht mag und keine Ahnung davon hat, schaut sich gerade mal knappe 200 Stück davon an, beleuchtet irgendwelche Teilaspekte die einem nur wenig über das Genre ansich verraten und verhonepiept (was auch immer das Wort bedeuten mag, aber es passt) das alles noch indem er das Horrorgenre auf eine Ebene mit dem Pornogenre setzt.
Mann, das ist als würde ich eine Doku über Beethoven machen, und behaupten es gäbe große Parallelen zwischen ihm und Britney Spears, beide hätten Noten benutzt und hatten lange Haare, und einen an der Klatsche hatten auch beide. Ach und aus feministischer Sicht ist die eindeutige phallusartige Form von Noten sowieso gesellschaftlich von tragender Bedeutung.
Na danke. Pfffffff…
Nichts gegen sie, Frau Klewinghaus, aber bitte machen sie doch keine Dokus über Themen die sie eigentlich sowieso nicht interessieren, okay?
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Kommentare:
[Abonnieren]gibt es keine möglichkeit dieser frau diesen bericht zukommen zu lassen? würde ja zugern mal ihre reaktion darauf sehen….
Naja, ich bin ja immernoch zu 99% Fan und nur zu 1% Fachkundiger, insofern hat meine subjektive Meinung sowieso nicht viel Gewicht