Plötzlich habe ich mich gestern mal wieder für die ganz großen Fragen interessiert. Das Universum. Was war davor? Was ist danach? Was ist dahinter? Gibt es ein dahinter?
Aus irgendeinem Grund, den ich inzwischen vergessen habe, landete ich heute auf der Wikipedia Seite von Stephen Hawking. Ein Mann vor dem man wohl wirklich Respekt haben sollte, und das aus vielerlei Gründen. Nicht nur dass er ein unglaublich intelligenter, mit Wissen und Verständnis nur so vollgestopfter Mensch ist, auch was er im Privatleben durchmachte und wie er dabei nie den Mut am Leben zu bleiben verlor, all das zeugt von Größe. Dazu noch einen Geist der den wahnsinns Spagat zwischen höchsten physikalischen Berechnungen und gleichzeitig umso menschlicherem Lebenshumor schafft, und sich nicht zu schade ist auch den “normalen” Menschen durch Bücher oder Gastauftritte in diversen Fernsehserien (und sei es nur noch mit der elektronischen Stimme) beizuwohnen.
Während ich den Artikel las wurde mir folgendes klar: Fragt mich jemand nach der Definition von Wissenschaft an der Grenze des menschlichen Verständnis, beginne und beende ich meinen Satz wahrscheinlich mit Hawking. Als Hawking einmal das Set von Raumschiff Enterprise besichtigte, soll er, als sie beim Warp-Kern ankamen, gesagt haben:”Ich arbeite daran.”. Das sagt wohl schon alles.
Als ich den Artikel durchgelesen hatte, und nochmal lose drüberscrollte, sprang mir plötzlich der Link zu “Universum” ins Auge. So ein, in meinen Augen jedenfalls, recht vager Begriff, das konnte nur ein interessanter Artikel sein. War er dann auch, sehr interessant sogar, werden darin doch offensichtlich tausende von wissenschaftlichen Abhandlungen auf ein Minimum an Komplexität reduziert und für den Laien verständlich gemacht. Dazu die vielen Querverweise innerhalb Wikipedia, all das bescherte mir eine wunderbare, wenn auch recht kurze Zeit am Rande meines Vorstellungsvermögens. Je mehr ich in die Thematik eintauchte, obgleich ich sie, aus dementsprechend gelehrter Sichtweise, sicherlich nicht mal nur grob ankratze, desto mehr wurde mir bewusst, wie wenig ich, und die ganze Menschheit, bisher von alldem versteht und begreift. Die größten Fragen unserer Existenz sind tatsächlich noch unerforscht, Gott, der Urknall, alles bloße Theoreme in einem riesigen Wulst aus fehlendem Wissen. Wie sollen wir wissen wo wir nach dem Tode hingehen, wenn wir nichtmal genau wissen wo wir uns genau befinden wenn wir am Leben sind? Wie sollen wir all das verstehen, wenn wir, gemessen am Universum, gerade mal so viel verstehen wie ein vom Wind durch die Luft getriebenes Staubkorn vom Leben und von der Liebe versteht? Und dabei ist nichtmal alles so fern, allein schon unser Gehirn, der Ort der jedem Menschen wohl am nähsten ist, ist eine komplette Galaxie an unerforschten Sternen und Funktionsweisen, direkt hier, bei uns, auf der Erde, in jedem von uns.
Misst man unser Wissen an allem existierenden, erscheint alles unendlich klein. Umso dankbarer wäre wohl jeder für eine Dimension, eine absolute Größe, die wir allem geben können. Wenn wir schon kaum etwas wissen, dann will man wenigstens wissen, wie wenig vom Gesamten man denn eigentlich genau weiß. Und da kommt dieses Video vom Bayerischen Rundfunk ins Spiel, das mal bildlich und leicht verständlich erklärt, wie unglaublich riesig alles ist, und wie wenig wir eigentlich noch wissen. Nichtmal ins Zentrum der Milchstraße können wir schauen, dabei ist das noch relativ nah, verglichen mit… dem Rest. Folgendes beeindruckte mich dabei am meisten:
Die Erde ist von der Sonne 150.000.000 Kilometer entfernt, das sind 8 Lichtminuten und ungefähr 3409 mal der Umfang der Erde. Würden wir mit einem Auto in Stuttgart über die A81 losfahren und ungefähr mit der Durchschnittsgeschwindigkeit von 180 Kmh unterwegs sein, was, wenn man bedenkt dass ein Stau außerhalb der Erdatmosphäre eher unwahrscheinlich ist, gut möglich ist, bräuchten wir nur knapp 833333 Stunden, was 34722 Tage sind, was 97 Jahre sind, Pinkelpausen nicht mit eingerechnet.
Mit einem heutigen Raumschiff braucht man bis zum Mond fast eine Woche, bis zum Mars braucht man schon 2 Jahre. Würden wir bis zum nächsten Sternensystem wollen, dem Alpha Centauri System, bräuchten wir mit einer normalen Rakete 77.000 Jahre. Jetzt nehmen wir mal an, ganz gewagt, wir würden es irgendwann schaffen ein Raumschiff zu bauen, das Lichtgeschwindigkeit fliegen könnte. Nach heutigen Theorien ist das schonmal unmöglich, aus dem ganz einfachen Grund, dass mit steigender Geschwindigkeit auch die zu beschleunigende Masse so sehr wächst, dass es mit heutigen Mitteln und Kenntnissen keinen Treibstoff und keine Möglichkeit gäbe, eine solch enorme Masse auf diese Geschwindigkeit zu bringen. Sicher gibt es noch viele andere Gründe, wer mehr darüber erfahren will sollte sich mal diesen, auch sehr interessanten Wikipedia Artikel durchlesen, der das ganze mit der Überlichtgeschwindigkeit ganz anschaulich verdeutlicht.
Jetzt aber zurück zu meinem Beispiel. Also nehmen wir mal an, irgendwann hätten wir es tatsächlich geschafft, mit Lichtgeschwindigkeit, also mit 300.000 Km pro Sekunde durch den Weltraum zu fliegen, was bedeutet wir bräuchten zum Mars nur noch ungefähr 8 Minuten. Und nehmen wir jetzt mal an, wir würden uns gerne den Mittelpunkt der Milchstraße, der Galaxis in der wir uns befinden, und die wir in jeder klaren Nacht am Himmel sehen können, ansehen. Wir bräuchten dann, um von hier zum Zentrum zu gelangen, 27.000 Jahre, weil des Zentrum der Milchstraße von uns ungefähr 27.000 Lichtjahre entfernt ist. Würden wir also gerade im Auto richtung Sonne sitzen, und uns kurzerhand für einen Abstecher dorthin entscheiden, bräuchten wir insgesamt, na, wer kanns im Kopf? Genau, schlappe 166.090.730.337 Jahre, also 166.090.730 Jahrtausende.
Das bedeutet also, selbst wenn wir es irgendwann mal schaffen würden mit Lichtgeschwindigkeit zu reisen, würde das noch lange nicht bedeuten dass wir viel von unserer Galaxis erforschen könnten. Wir könnten nicht mal aus ihr herausfliegen, denn sogar die verhältnismäßig geringe Höhe von 3000 Lichtjahren (sie ist Scheibenförmig, sehr breit, aber dünn, wie ein Teller) wäre für jeden Menschen ein unüberwindbares Hindernis. Und wenn man jetzt bedenkt dass selbst die Milchstraße nur ein winziger Teil des Universums ist…
Dieser ganze Gedankengang, all das Unverständniss, und das Bewusstwerden der eigenen Unbedeutsamkeit, kann einem ganz schön den Boden unter den Füßen wegziehen, und das eigene Leben als so unbedeutend wie nichts anderes erscheinen lassen. Wir Menschen sind winzig, würde das Universum ein Buch schreiben, wir wären nichtmal ein Komma, wäre das Universum eine Großstadt, wir wären nichtmal ein Kieselstein, wir wären gerade mal eben dieses kleine Staubkorn, was verloren, durch den Wind getrieben, hin und her schaukelt, von niemandem registriert oder wahrgenommen, einfach da, winzig und unbedeutend.
Doch genau daraus kann, finde ich, auch das genaue Gegenteil entstehen. Das Gegenteil von nichts, das ist nicht alles, das ist das Bewusstsein der Nichtigkeit, und das daraus gewonnene Verständnis um seiner selbst. Wenn wir für das Universum nichtig sind, ist das Universum auf irgendeine Art, momentan jedenfalls, und im Alltag sowieso, auch für uns nichtig, existent, unverstanden, aber aus unserem menschlichen Aspekt wunderschön. Wir drehen Filme über das Universum, wir philosophieren wie wild durch die Gegend und schlagen uns aufgrund unserer verschiedenen Meinungen die Köpfe ein, manche finden Gott, manche die Wissenschaft, andere die Wiedergeburt, und manche spielen Golf. Wir schreiben Bücher, befassen uns mit allem, den größten Dingen die es gibt, den kleinsten Dingen die es gibt. Bücher über das Leben, die Liebe, Freundschaft und das abgewöhnen des Rauchens, wir ärgern uns über ein kaputtes Fahrrad oder die verpasste Fähre in den Urlaub, wir heiraten und bekommen Kinder und geben ihnen Hausarrest weil sie genau das Gleiche tun was wir damals taten, wir sterben, empfinden Angst, Trauer, Freude und Glück, für das Universum völlig unbedeutende Dinge, für uns als Menschen aber können sie alles bedeuten, und genau das macht es zu etwas Besonderem.
Denn so groß und wichtig die Frage nach dem Universum und dem dahinter auch sein mag, wirklich beeinflussen wird sie uns nicht, statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit, dass uns das Universum auf den Kopf fällt geringer als dass irgendein Mensch mal im ICE im Boardrestaurant Essen bekommt, was wirklich gut schmeckt.
Und bis dahin erklärt uns Loriot wie das ansonsten mit dem Boardessen funktioniert, und George Lucas wie es im Universum aussieht, und Star Trek wieso Warp 12 Zeitreisen bedeutet, und Douglas Adams wie man sich am besten mit Aliens unterhält, und Contact wie der erste Kontakt zu Außerirdischen aussehen wird, und die Mayas wie das mit dem Weltuntergang funktioniert.
Noch Fragen?
P.S.: Ich entschuldige mich für die sicher vorhandenen Rechen- bzw. Formelfehler in meinen Rechnungen und für womöglich falsche Angaben, sie sollen aber sowieso nur etwas mehr veranschaulichen, wie die Verhältnisse im Universum so sind. Wer es besser weiß kann mich gerne berichtigen!
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