Stimmangelegenheiten

18. Juni 2008 - 03:10 Uhr | Kategorie: Gedanken, Geschriebenes | Noch nicht kommentiert...

Manchmal staune ich, wie leer und emotionslos meine Stimme an manchen Tagen doch klingt. Auf der einen Seite erschöpft, vom Mangel an Schlaf, Mangel an Ausgewogenheit, Mangel an Lebendigkeit. Aber das ist es nicht, denn es gab Zeiten da klang sie trotz größerer körperlicher Erschöpfung voller, stärker, fühlender. Eher ist es die Leere ansich, plötzlich pendelt sich alles in der Mitte ein, weder positiv noch negativ, aber stillstehend. Ich lache, und wundere mich über diese heiseren und komisch klingenden Laute die meiner Kehle gerade noch so entringen.
Ähnlich eines grau verhangenen Tages, der die Lichtstrahlen der Sonne nur bedingt hindurchdringen lässt. Ich weiß, irgendwo dahinter, hinter diesem Schleier aus grauer Tristesse und den alles dämpfenden Nebelschwaden ist die Sonne, ich weiß, die matte Welt die mich umgibt ist das Abbild dessen was normalerweise hell erleuchtet ist, oder in lebendiger Dunkelheit erstrahlt. Aber heute nicht.
Heute bin ich nicht froh, ich bin auch nicht unglücklich. Egal ob ich die Stimme hebe, senke, ob ich frage oder rufe, singe oder still bin, es ist alles das Gleiche, ich könnte einen langen immergleichen Ton von mir geben, wahrscheinlich wäre er aufregender als die Monotonie die einst meine Stimme war, und für die jedes einzelne Adjektiv genau eines zu viel wäre.

Als würde jemand, der Jahre nicht gesprochen hat, plötzlich wieder das Wort ergreifen, und erst wieder lernen müssen zu betonen, das Worte Bedeutungen haben, dass sie plastisch sind, formbar und füllbar, keine leeren Hüllen, hohl und mit starren Stabkonstruktionen aufrecht erhalten.

Manchmal gibt es diese Tage, und bei jedem Satz staune ich über die Art wie ich spreche, denke einem Fremden zuzuhören, und höre damit plötzlich umso mehr was ich sage. Und dann bin ich dankbar, denn ich merke, was ich sage ist dasselbe wie immer, anscheinend ist es nur meine Stimme, die mir sonst vorgaukelt, es wäre mit Leben gefüllt.

Heute war so ein Tag.



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