Stimmangelegenheiten

18. Juni 2008 - 03:10 Uhr | Kategorie: Gedanken, Geschriebenes | Noch nicht kommentiert...

Manchmal staune ich, wie leer und emotionslos meine Stimme an manchen Tagen doch klingt. Auf der einen Seite erschöpft, vom Mangel an Schlaf, Mangel an Ausgewogenheit, Mangel an Lebendigkeit. Aber das ist es nicht, denn es gab Zeiten da klang sie trotz größerer körperlicher Erschöpfung voller, stärker, fühlender. Eher ist es die Leere ansich, plötzlich pendelt sich alles in der Mitte ein, weder positiv noch negativ, aber stillstehend. Ich lache, und wundere mich über diese heiseren und komisch klingenden Laute die meiner Kehle gerade noch so entringen.
Ähnlich eines grau verhangenen Tages, der die Lichtstrahlen der Sonne nur bedingt hindurchdringen lässt. Ich weiß, irgendwo dahinter, hinter diesem Schleier aus grauer Tristesse und den alles dämpfenden Nebelschwaden ist die Sonne, ich weiß, die matte Welt die mich umgibt ist das Abbild dessen was normalerweise hell erleuchtet ist, oder in lebendiger Dunkelheit erstrahlt. Aber heute nicht.
Heute bin ich nicht froh, ich bin auch nicht unglücklich. Egal ob ich die Stimme hebe, senke, ob ich frage oder rufe, singe oder still bin, es ist alles das Gleiche, ich könnte einen langen immergleichen Ton von mir geben, wahrscheinlich wäre er aufregender als die Monotonie die einst meine Stimme war, und für die jedes einzelne Adjektiv genau eines zu viel wäre.

Als würde jemand, der Jahre nicht gesprochen hat, plötzlich wieder das Wort ergreifen, und erst wieder lernen müssen zu betonen, das Worte Bedeutungen haben, dass sie plastisch sind, formbar und füllbar, keine leeren Hüllen, hohl und mit starren Stabkonstruktionen aufrecht erhalten.

Manchmal gibt es diese Tage, und bei jedem Satz staune ich über die Art wie ich spreche, denke einem Fremden zuzuhören, und höre damit plötzlich umso mehr was ich sage. Und dann bin ich dankbar, denn ich merke, was ich sage ist dasselbe wie immer, anscheinend ist es nur meine Stimme, die mir sonst vorgaukelt, es wäre mit Leben gefüllt.

Heute war so ein Tag.



Europa steht still!

18. Juni 2008 - 02:37 Uhr | Kategorie: Gedanken | Noch nicht kommentiert...

Europa steht still wenn 22 über hochbezahlte junge Recken das Runde ins Eckige kicken. Ob übers Internet, auf den Straßen oder einfach den Hupkonzerten danach lauschend, man kommt nicht drumrum, und meine in verschiedenen Biergärten getroffenen Vorhersagen haben sich bisher immer bewahrheitet. Darum sage ich jetzt auch, so leid es mir tut, Leute, im Viertelfinale ist Schluss, schätze ich, denn was gegen Österreich gerade noch so ausreichte wird gegen andere Mannschaften nicht mehr genug sein. Und die Kommentatoren finde ich ja immer sowas von langweilig. Wo sind da die Emotionen, das Geschreie, das Jubeln oder das Weinen?

Fußball ist auch nicht mehr das was es mal war. :)



Vergiss mein nicht!

13. Juni 2008 - 17:39 Uhr | Kategorie: Allgemein | 2 Kommentare

Gerade etwas über Michel Gondry informiert, weil ich gestern Abgedreht (Be Kind Rewind) gesehen habe. Irgendwann stieß ich dann auf eine Kritik zu Vergiss mein nicht, den ich ziemlich gut fand, und folgender Beitrag stand bei den Kommentaren:

“Fand den Film echt gut, mir ist die gleiche Story nämlich auch mal passiert.”

Ach? Deine Freundin hat sich von einem Wissenschaftler die Erinnerungen an dich auslöschen lassen? Und du wolltest es dann auch, was zu einer Reise durch dein Unterbewusstsein führte? Mmkay.



Zeitlupe

12. Juni 2008 - 02:27 Uhr | Kategorie: Gedanken | Noch nicht kommentiert...

Zeitlupe. Was ein schönes Wort! Eines der wenigen Wörter was mir im deutschen besser Gefällt als in der englischen Übersetzung. Slowmotion, die langsame Bewegung. Wir dagegen sind etwas kreativer, wir betrachten die Zeit mal etwas genauer, nehmen sie unter die Lupe, und sehen sie uns ganz genau an. Die Zeit. Als wäre die Zeit etwas sichtbares, etwas wirklich existentes, fast schon greifbares. Als könnte man sie unter ein Mikroskop legen und genau untersuchen, ihre Struktur erkennen und lernen wie sie funktioniert.

Dabei, so denke ich, ist die Zeit doch mit einer der abstraktesten Begriffe den die Menschheit erfunden hat. Eigentlich gibt es sie doch gar nicht, die Zeit. Alles verändert sich, von Moment zu Moment ist alles komplett verschieden, und was gerade eben war gibt es nicht mehr, wird es nie wieder geben. Wir können uns die Vergangenheit zwar ansehen, mit Erinnerungen, Bildern, den Jahreskreisen in einem Baumstamm, mit Filmen oder Ähnlichem, doch wird sie nie wieder auf genau diese Weise existieren. Jeder Moment ist einzigartig, egal was passiert.

Es gibt keine Vergangenheit und keine Zukunft. Die Zukunft stellen wir uns vor, die Vergangenheit halten wir fest, als wäre das Leben nur dann etwas wert wenn wir uns an möglichst viel daraus erinnern können.

Und dann betrachten wir einen Moment etwas genauer, ziehen den Moment von jetzt auf gleich in die Länge und betrachten was dazwischen lag, und manchmal erkennen wir wie viel Schönheit in so einem kurzen Moment liegen kann. Manchmal.



Sommer

10. Juni 2008 - 23:13 Uhr | Kategorie: Alltag, Gedanken | 3 Kommentare

Heute zweimal Nasenbluten bekommen, weil mein Heuschnupfen meine Nase so penetriert. Habe auch ein Foto gemacht, welches ich an dieser Stelle lieber nicht zeige :)
Zu allem Übel kam noch hinzu dass ich unbeabsichtigterweise eines meiner Lieblingsshirts mit Blut volltropfte, heidenei.

Sonstiges Befinden, offensichtlich wohl wie immer. Manchmal glaube ich, hey, jetzt gehts aufwärts, und dann, zwei Tage später, merke ich, hey, das ging jetzt aber kurz aufwärts, und weit gekommen bin ich auch nicht. Aber immerhin, guter Hoffnung bin ich stets.

Habe inzwischen das Buch zum Film “I Am Legend” durchgelesen. Interessant zu sehen, wo der Film am Buch blieb und wo er seinen eigenen Weg ging, manchmal im Positiven und manchmal im Negativen, meist aber verständlich, ist das Medium Film doch ziemlich anders zu behandeln und in seiner Wirkung als Bücher. Stephen King, von dem ich bald schon die komplette Sammlung haben dürfte (bis auf die “Der dunke Turm“-Reihe, da traue ich mich noch nicht ran), meinte ja er wurde viel von Richard Matheson beeinflusst, was ich inzwischen auch bestätigen kann, sind in der aktuellen Ausgabe von I Am Legend doch noch einige Kurzgeschichten Mathesons gesammelt, die zwar nicht sprachlich, dafür aber in der Form in der die absurdesten Einfälle und Storys plausibel rübergebracht werden Kings Geschichten sehr ähneln. Beide bringen mich tatsächlich immer wieder zum Staunen mit ihren morbiden Geschichten, das schaffen wenige. Wie auch Kings “Feuerkind“, dass ich jetzt angefangen habe, mit seinem wunderbaren Anfang, und “Das Mädchen“, dass ich vor Mathesons Buch gelesen habe, mit seinem perfekten Ende.

Derweil habe ich mir auch mal wieder ein Buch von Koontz zugelegt. Zwar war ich von dem ersten Roman den ich von ihm las nicht gerade angetan, allerdings sollte man so einem großen Namen wohl zumindest noch eine zweite Chance geben.

Aus meinen Boxen dudelt währenddessen das neue Clueso Album, dass es mir doch ziemlich angetan hat, passend zu meiner aktuell eher melancholisch angehauchten Stimmung. Weiterkommen, weiterkommen, weiterkommen, ich sollte es mir jeden Tag vor Augen führen, das große Endziel, oder zumindest die kleinen Zwischenziele, denn so planlos durchs Leben gehen mag für manche funktionieren, für mich nicht. Ich neige zwar dazu, mache es ganz automatisch, lasse mich treiben, glücklich macht mich das allerdings nicht.

Naja, was bleibt mir anderes ürbig als es immer weiter zu versuchen, und weiter zu hoffen dass es irgendwann klappt. Wie gesagt, guter Hoffnung bin ich stets, und so hoffe ich auch hier bald wieder mehr schreiben zu können.








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