Hey Junge!

29. Mai 2008 - 14:38 Uhr | Noch nicht kommentiert...

“Hey Junge, Tee oder Kaffee?” ruft mir der Pfleger vorgestern morgen vom Gang aus zu, der das Frühstück auf grünen Tabletts austeilt. Übermüdet rufe ich Tee zurück und setze mich an die Bettkante des in weiß gehaltenen Betts in dem weißen Raum mit dem grauen Fernseher. Auf dem Bett vor mir sitzt der Mann den ich nur als den Polizisten kenne, der wohl schon im Ruhestand ist und kürzlich operiert wurde. Hinter mir sitzt Herr Preclic, der nur wenige Worte Deutsch kann und der die meiste Zeit stumm starrend auf einem Stuhl sitzt. Die Unterhaltungen der beiden drehen sich hauptsächlich um Luft. Der Polizist geht aufs Klo, kommt wieder und meint “Viel Luft!”, Herr Preclic wiederholt fragend “Luft?” und der Polizist antwortet “Ja Luft, viel Luft”.

Vorvorgestern, also Montag Mittag, bekam ich plötzlich tierische Bauchschmerzen. Sie wurden schnell ziemlich stark, sodass ich früher als sonst und vornüber gebeugt nach Hause ging. Zuerst dachte ich an irgendeine besonders starke Magenverstimmung, hat man ja mal, wenn man zu viel oder das Falsche isst. Aspirin half zeitweise, allerdings gingen die Bauchschmerzen nicht vorbei, und so saß ich gegen 10 Uhr Abends wieder gekrümmt da. Mein Bruder, angehender Mediziner und seit Beginn seines Studiums meine erste Anlaufstelle für solche Probleme, stellte sich wie immer als nicht sonderlich hilfreich dar, ist seine Standardantwort auf die Frage “Was soll ich tun?” doch immer “Ich hab doch keine Ahnung. Geh zum Arzt!”.

Auch anderweitige Ratschläge halfen nicht, und so entschied ich mich tatsächlich um 12 Uhr Nachts noch dazu einen Kollegen zu bitten mich ins Krankenhaus zu fahren. Nachdem wir dann auch tatsächlich nach nur 30 Minuten auf dem Krankenhausgelände die Notaufnahme fanden, wurde mir von Pfleger Torsten als erstes ein kleiner Plastikbecher in die Hand gedrückt. “Reinpinkeln!”. Es folgte die Frage die ich an diesem Tag schon öfters gehört hatte, “Haben sie ihren Blinddarm noch?”, plus noch einige weitere, zusammen mit ein paar Untersuchungen und einem kurzen Hallo mit dem Chefarzt, der mich sehr an Aleksandr Petrovsky (Mikhail Baryshnikov) aus Sex and the City erinnerte. Der Assistenzarzt erinnerte mich dagegen an diesen schwulen Deutschen im Fernsehen, nicht den Thomas Hermanns, sondern den anderen da. So viele gibts davon ja nicht.

Drei Mal stach der Arzt an verschiedenen Stellen ein, bis er endlich etwas Blut von mir bekam, und ein viertes Mal als er den Zugang für den Tropf legte. Über Nacht bleiben sollte ich, zur Sicherheit, am Dienstag noch einen Ultraschall machen. Die Nachtschwester gab mir irgendein Schmerzmittel was mich mein Handydisplay nur noch unscharf erkennen ließ. Auf dem Zimmer angekommen schlief ich schnell ein, zum Glück, denn morgens um 7 Uhr, mitten in der Nacht für mich also, kam schon wieder die Visite, die mir eigentlich nur verkündete dass ich an dem Tag erstmal nüchtern bleiben solle. Die Schmerzen im Bauch waren zu der Zeit noch da, verflüchtigten sich aber im Laufe des Vormittags fast komplett, und so langweilte ich mich den Tag lang, schlief viel, ging zur Ultraschalluntersuchung mit der hübschen Ärztin und fragte irgendwann ob ich denn nicht nach Hause gehen könne, die Schmerzen seien jetzt ja vorüber.

“Nein nein, erstmal wieder normal essen, dann noch eine Nacht zur Sicherheit.” antwortete mir der Arzt. Na toll, also noch eine Nacht in diesem langweiligen Haus des Schreckens, in dem alle freundlich sind weil sie es sein müssen und keiner einem sagt was eigentlich Sache ist. Um es mir dann doch etwas angenehmer zu gestalten fuhr ich nach Hause, ein paar Sachen holen, frische Klamotten, mein aktuelles Buch, den Mp3-Player, sowas eben. Wieder im Krankenhaus, oder Spital, wie es die Bayern nennen, angekommen, hatten meine Bettnachbarn ihre Schäfchen schon zur Hälfte gezählt und bald erfüllte köstliches Schnarchen den Raum. Die Nacht war heiß und ungemütlich, alle paar Stunden wachte ich auf und schaute auf die Uhr, morgens ging die Zeit ungewöhnlich langsam vorüber und als der Arzt endlich sagte ich könne gehen waren alle meine Sachen schon längst gepackt.

Was ich denn jetzt genau hatte weiß ich nicht, ist mir aber auch egal, solange es jetzt wieder vorbei ist. Krankenhäuser, ich mag sie nicht, jedenfalls nicht als Patient.





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