Zimmer 1408

24. September 2007 - 02:37 Uhr | 1 Kommentar

1408
2007, USA
Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Scott Alexander, Matt Greenberg, Larry Karaszewski
Schauspieler: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack, Jasmine Jessica Anthony, etc.
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Trailer ansehen

Zimmer 1408
“Bücher… ich sortiere sie nach Farben und Formen.”

Ich stehe ja auf Stephen King, wie manche vielleicht wissen. Darum ließ ich es mir auch nicht nehmen sofort die neueste Verfilmung einer seiner Kurzgeschichten anzusehen, Zimmer 1408.

Während King ja eher der König des psychischen Horrors ist, blieb mir vom Trailer (siehe oben) anfangs der Eindruck eines Jumanjis im Horror-Genre, mit vielen unnötigen und langweiligen CGI-Effekten und billigen Schreck-Horror. Doch weit gefehlt, wie auch das Buch setzt der Film eher auf den Schrecken der im Kopf des Zuschauers entsteht, als auf den mit Blut und Gedärmen auf der Leinwand. Und das, und ich sage es gerne noch weitere tausend Male, ist für mich der einzige noch wirklich Angst und Schrecken verbreitende Horror, alles andere ist Mumpitz, maximal nett anzusehen.

Die Story ist prinzipiell leicht. Der Schriftsteller Mike Enslin schreibt billige Horrorbücher über heimgesuchte Häuser, Hotels, Villen, Friedhöfe, alles eben. Dabei reist er umher und verbringt für sein neues Buch jeweils eine Nacht in einem Geisterzimmer in verschiedenen Hotels. Bisher, so seine eigenen Worte, hat er jedoch noch nie einen Geist getroffen, weswegen er nicht wirklich an diese oder artverwandte Gruselfiguren glaubt.
Enslin lebt getrennt von seiner Frau, nachdem seine Tochter starb machte er sich selbst Vorwürfe und zerstörte damit seine Ehe. Außerdem hat er Gewissensbisse, hat er doch entgegen seinem eigenen Glauben seiner sterbenden Tochter erzählt sie käme in den Himmel. Und, als wäre das alles nicht schon genug, auch mit seinem Vater hat er ein gespaltenes Verhältnis. Dieser ist längst ins Altenheim abgeschoben, und bis auf sein erstes Buch hat Enslin seine Vergangenheit mit seinem Vater nie wirklich verarbeitet.

Schonmal keine gute Ausgangslage, könnte man meinen, doch es kommt noch dicker. Eines Tages bekommt der relativ erfolglose und ewig genervte Autor eine Postkarte mit einer Adresse eines Hotels und der Aufschrift “Gehen sie nicht in Zimmer 1408!”. Der ewige Ungläube erkennt natürlich sofort die 13 in der Quersumme der Zimmernummer versteckt, trotzdem ist irgendwie seine Neugier geweckt, und als er anrufen und reservieren will heißt es vom Hotelmanager, das Zimmer sei nicht verfügbar, nie. “Jetzt erst recht” denkt sich Enslin, lässt per Anwalt das Zimmer reservieren und reist hin. Dort angekommen will der Hotelmanager Gerald Olin (Samuel L. Jackson) ihm auf jede nur erdenkliche Art und Weise ausreden in diesem Zimmer zu übernachten, gab es dort doch schon 56 Todesfälle, teils natürlich, teils wirklich abstrus.

Doch Enslin lässt sich nicht aufhalten und bekommt nach langem Bohei dann doch noch den Zimmerschlüssel vom Hotelmanager. Im Zimmer angekommen fällt ihm zuerst ins Auge, dass es ziemlich… normal ist. Doch dieser erste Eindruck soll sich schnell ändern, und Enslin beginnt seine Reise in die Hölle.

Zimmer 1408
“Eastcoast! Babäääng!!!”

Der Film beginnt spannend. Enslins Charakter wird einem recht gut dargestellt, man erkennt sofort den genervten erfolglosen Buchautor, der eigentlich nur noch schreibt um Geld zu verdienen und schon lange nicht mehr weil es seine Passion ist. Er glaubt an nichts mehr, nichts kann ihn mehr beeindrucken, er hat schon alle Tricks gesehen. Als er dann in den Hotel eintrifft, und mit dem Hotelmanager spricht, begann der Film für mich wirklich interessant zu werden. Der Manager versucht wirklich mit allen ihm gegebenen Mitteln Enslin davon abzuhalten in diesem Zimmer zu bleiben. Er erzählt ihm unveröffentlichte Geschichten von Todesfällen, die einen alle wunderbar auf den kommenden Horror einstimmen. Besonders die Geschichte mit dem Zimmermädchen, welches sich nach nur 10 Minuten in dem Zimmer selbst lachend die Augen ausstach gefiel mir sehr gut.

Die Spannung steigt eindeutig, und ist Enslin dann schlussendlich in dem Zimmer wartet man schon auf den ersten Schocker. Doch nicht mit Stephen King. Dass die Inszenierung dieses Horrorfilms keine normale ist, wird schnell klar. Intelligent umgeht der Regisseur Håfström die bekannten Klischees. Nein, dieses mal erscheint nicht irgendwann eine 666 in Blut geschrieben, der Hauptprotagonist ist abgebrüht und erkennt frühe Anzeichen (Die Zahl 13 usw.) für gefakten Horror schon frühzeitig. Allein schon dass der inzwischen standardisierte Satz “Ach, das sind doch alles nur billige Effekte” nicht fällt, zeugt von einer gewissen Durchdachtheit.

Was mir besonders gefällt ist, dass der Protagonist im Film nicht das normale dumme Opfer wie in allen anderen Horrorfilmen ist, sondern ein intelligenter Kritiker, der genauso denkt wie der Zuschauer der vor dem Fernseher sitzt denkt. Anfangs zumindest.

Langsam beginnen unheimliche Dinge zu passieren. Doch dabei rutscht der Film nie ins billige gesplattere, Blut oder Leichen sind nur minimal zu sehen, der wahre Horror geschieht im Kopf des Zuschauers. Gut, ohne ein paar Effektschocker kommt auch dieser Film nicht aus, doch sind diese eigentlich immer stimmig und passen in ihrer subtilen Art gut zwischen die restlichen Schockmomente. Was mit einem verrückt spielenden Radiowecker beginnt geht über Horrovisionen bis hin zur wiederholten Durchlebung schrecklicher Momente.

Und genau an diesem Punkt überzeugt mich der Film, was allerdings wohl an der guten Buchvorlage liegt. Mitten im Film findet Enslin sich plötzlich in seinem alten Leben wieder. Es scheint als wäre alles nur ein Traum gewesen. Er lebt sein altes Leben, spricht mit seiner Exfrau, mit seinem Vater, sein Leben scheint sich zum guten zu wandeln. Dies geht solange, dass man sogar als Zuschauer irgendwann der Meinung ist, alles wäre überstanden, und umso verständlicher erscheint einem die Verzweiflung als Enslin dann plötzlich doch wieder im alten, inzwischen total verwüsteten Hotelzimmer steht.

Hier denkt der Film weiter als andere Horrorfilme. Statt den Horror einfach zu zeigen, wird die Frage gestellt, was für den Autoren Enslin der größte Horror wäre. Die Illusion aufbauen er könne doch wieder zurück in sein altes Leben, und ihm dies wieder wegnehmen. Oder seine kleine Tochter noch ein zweites Mal in seinen Armen sterben zu lassen. Doch es kommt noch dicker.

Zimmer 1408
Forschungsarbeiten am Nordpol

Anfangs sagte der Hotelmanager zu ihm, keiner habe je länger als 60 Minuten in dem Hotelzimmer überlebt. Als Enslin dann das Zimmer betritt, stellt sich ein Timer auf dem Wecker auf 60 Minuten. Gegen Ende des Films, also er schon die größten Qualen durchlitten hat die er sich vorstellen kann, sieht er, wie der Timer abläuft. Und was passiert? Ganz einfach, nichts. Der Timer springt wieder zurück auf 60 Minuten, denn was ist die einzige Sache die schlimmer ist als seine größten seelischen Qualen zu durchleben? Ganz einfach, sie immer und immer wieder zu durchleben. Das ist die Hölle, und das habe ich so noch nie in einem anderen Film gesehen.

Doch das Zimmer lässt Enslin die Wahl, plötzlich hängen überall im Zimmer Stricke, schön zu einer Schlaufe zusammengebunden, perfekt für den Selbstmord geeignet.

Dieser Film geht im Horrorgenre neue Wege. Er versucht, den ultimativen Horror zu zeigen, also das, was uns höchstwahrscheinlich auch in der Hölle erwarten würde. Und das macht er ziemlich souverän. Auch wenn ich mir ein paar Stellen noch etwas krasser gewünscht hätte, hat der Film doch ohne jeden Zweifel grandiose Ansätze, was natürlich an der genialen Buchvorlage liegt.

Vor allem der Zwist Enslins gefällt mir wahnsinnig gut, verkörpert er doch genau den zweifelnden Zuschauer, der am Anfang nicht recht daran glauben will und sowas lächerlich findet, doch dann immer tiefer hineinrutscht und irgendwann mehr oder weniger seine Nervern verliert. Wäre die Geschichte wahr, ich glaube sie hätte genau so ablaufen können.

Und so ist dann auch das Ende ziemlich gelungen weil passend gewählt. Kein anderer Schluss hätte den Film so rund abgeschlossen. Insgesamt, meiner Meinung nach, vom Ansatz her einer der genialsten Horrorfilme seit langem, in der Ausführung mit ein paar kleineren Macken und etwas verschenktem Potential, insgesamt jedoch absolut empfehlenswert für Leute die endlich mal wieder einen logischen, intelligenten und plausiblen Horrorfilm sehen wollen.

Fazit: King ist einfach der Meister des Horrors! Der Film ist eine absolut würdige Buchumsetzung


    Kommentare:

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  1. tth meint:


    mhhh, ich bin ja durch einige Steven King TV Horrofilme geschädigt, aber den sollte ich mir vielleicht doch mal ansehen.


    30. Oktober 2007 um 17:14 Uhr | #

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