Ihr werdet es nicht glauben…

23. Juni 2007 - 02:46 Uhr | 1 Kommentar

Was bei mir gerade so abgeht. Hier geht irgendwie gerade alles schief was schief gehen kann. Aber fangen wir mal von vorne an:

Geplant war folgendes: Freitag wird noch schön gearbeitet und abends fahre ich dann mit einer bereits organisierten Mitfahrgelegenheit nach Hause, also an den Bodensee (Wer sich erinnert, ich wohne jetzt in München). Dort wird sich dann erstmal mit dem besten Freund getroffen, um Samstags dann die Mutter zu besuchen und widerum abends den Geburtstag der Stiefmutter zu feiern. Sonntag werden dann alle restlichen Freunde abgeklappert, und Sonntagabend gehts dann wieder mit einer Mitfahrgelegenheit zurück nach München, ins neue Zuhause.

Soweit der Plan. Jetzt das Malheur, das, was wirklich geschah!

Es ist Donnerstag Nachmittag. Ich mache mich auf den Weg zum nächsten Laden um mir etwas zu trinken und Tiefkühlpizza zu kaufen. Auf dem Rückweg fällt mir auf dass ich meinen Schlüsel vergessen habe. “Macht nix!” denke ich mir “Die Mitbewohnerin wird schon da sein”.

Ist sie aber nicht. Ich habe mich erfolgreich aus der Wohnung ausgeschlossen, und der andere Mitbewohner ist auch weg, bis Sonntag in Berlin, Studienreise. “Macht nix!” denke ich mir “Die wird schon noch kommen”. Also gehe ich in der Zwischenzeit zu einem Kollegen, und esse dort meine bis dahin schon aufgetaute Tiefkühlpizza.

Ein paar Stunden später, so gegen 11 Uhr abends, denke ich mir “So, jetzt wird die Mitbewohnerin bestimmt schon wieder daheim sein”, und mache mich frohen Mutes auf den Heimweg. Zuhause angekommen klingle ich, warte, klingle nochmal, warte, klingle wieder, warte, klingle wieder, warte, und fange an zu überlegen wo sie sein könnte.

Ich stehe also Donnerstag Nacht um 11 Uhr vor unserem Haus, ohne Schlüssel, der eine Mitbewohner bis Sonntag weg, und überlege wo wohl die andere Mitbewohnerin sein könnte, als es mir plötzlich wie ein Blitz durchs Gedächtnis zuckt und ich mich erinnere. Die Mitbewohnerin ist auch weg, auch in Berlin, auch bis Sonntag.

“Oh oh…” denke ich, “Und jetzt?”. Kein Schlüssel, keiner da. Anrufen! Ja, anrufen könnte ich die beiden, und fragen ob es irgendwo noch einen Erstazschlüssel gibt. Schnell das Handy rausgeholt, und da erinnere ich mich ein weiteres Mal. Das Handy ist neu, erst eine Woche alt, und außer ein paar wichtigen Nummern von Arbeitskollegen, Freunden und Familie ist da noch keine Nummer drauf gespeichert. Auch nicht die der Mitbewohner.

Meine Vorahnung wird dunkler und dunkler. Was jetzt? Irgendwie muss ich da ja rein, da drin sind all meine Sachen. Also klingle ich bei der Nachbarin, eigentlich ein No-Go (wie die Popstar-und-Topmodel-Generation so schön sagen würde), wohne ich doch fast illegal in der Wohnung, und hat mich die die Mitbewohnerin vor den Nachbarn doch gewarnt.

Über die Sprechanlage ertönt eine Stimme, ich bin aufs Schlimmste gefasst. “Ja äh… hallo… ich bin von nebenan… Schlüssel vergessen…” stammle ich. Ich sehe wie ein Auge durchs Guckloch schaut. Kurz darauf macht eine ältere Dame im Bademantel auf.
Um das ganze Gespräch mal etwas abzukürzen, sie hat auch keinen Schlüssel, und als ich nach dem Hausmeister frage eröffnet sie mir eine weitere wunderbare Neuigkeit: Der ist im Urlaub.

Langsam wird mir wirklich mulmig bei der ganzen Sache, mir schwant schon Übles. Die Nachbarin ist netter als erwartet, gibt mir einen Zettel und Stift, damit ich eine Nachricht an die Tür kleben kann. Vielleicht irre ich mich ja, und die Mitbewohnerin kommt doch noch zurück. Ich befestige den Zettel, verabschiede mich von der Nachbarin, und will gerade gehen als ich an der Wand die Anzeige eines Tag-und-Nacht Schlüsseldiensts sehe.

Ein kurzer Anruf raubt mir auch die letzte Hoffnung. 70€ verlangt er, und garantiert nicht mal dass das Schloss heil bleibt. “Zu viel.” denke ich, “Da schlaf ich lieber die drei Nächte unter der Brücke.”. Tue ich natürlich nicht, stattdessen rufe ich den gleichen Kollegen von vorhin nochmal an und frage ob ich bei ihm die nächsten 1-3 Nächte übernachten kann. “Geht klar” meint er. Also wieder zurück.

Am nächsten Tag rufe ich meinen Vater an und erkläre ihm die Situation. Ich soll trotzdem kommen, ich bin schon fest in die Geburtstagsfeier eingeplant, alle freuen sich so. Ich winde und biege mich, doch er lässt nicht locker. Also plane ich weiter. Die bereits organisierte Mitfahrgelegenheit habe ich noch im Kopf, um 17 Uhr an irgendeiner Tankstelle.

Davor allerdings nochmal zur Wohnung, den Zettel an der Tür abhängen. Mein Handy ist sowieso bald leer. Ich mache mich auf den Weg. Bei der S-Bahn Station “Harras” bekomme ich plötzlich üble Bauchschmerzen, so übel dass ich 5 Minuten später beim nächstbesten öffentlichen Irgendwas nach einer Toilette frage. Es ist ein 4-Sterne Hotel, und an der Rezeption sitzt eine Frau, die ich am Abend zuvor auch schon in der S-Bahn gesehen habe.

Etwas peinlich ist mir dass ja schon, doch es muss sein. Mein Magen ist ein ganz sensibler, und er mag es gar nicht wenn man ihn warten lässt. Als ich gerade auf dem Klo sitze und mich erleichtere, schaue ich auf die Uhr und merke, dass ich meine Mitfahrgelegenheit nicht mehr rechtzeitig erwischen werde. Ich rufe an und sage ab. Kurze Zeit später geht das automatische Licht in der Toilette aus.

Nun sitze ich also dort, in irgendeinem Hotel, im Dunkeln, auf dem Klo, ohne Haustürschlüssel, ohne Sachen, ohne Mitfahrgelegenheit, ohne Telefonnummern der Mitbewohner, ohne großartig Motivation die nächsten zwei Tage von genau diesem Klo aufzustehen.

Doch ich muss. 30 Minuten später klingle ich wieder bei der Nachbarin, sage ihr, es hätte sich alles geklärt, und nehme den Zettel von der Tür, weitere 20 Minuten später bin ich am Hauptbahnhof und lasse mir eine Zugverbindung nach Haus raussuchen. Es fährt nur noch eine, und die braucht wunderbare 5 Stunden, kommt also erst gegen Mitternacht dort an wo ich eigentlich schon längst sein sollte.

Ich bezahle und warte auf den Zug. Er kommt. Das einzige was in diesen zwei Tagen geklappt hat.

Hasst mich Gott?



    Kommentare:

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  1. schnurzelpups meint:


    Naja, shit happens, aber dass Dich Gott hasst..?! Nein, ist wenn überhaupt nur eine Prüfung, wieviel Murphy’s law Du aushältst!


    23. Juni 2007 um 08:40 Uhr | #

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