Fresse jetzt!

17. Mai 2007 - 03:05 Uhr | 3 Kommentare

Fresse jetzt, scheiß Fernseher:

Mit dem unterschriebenen Mietvertrag in der Hand stehe ich in meinem neuen, leeren Zimmer. Wollmäuse wirbeln auf, als ich zum Fenster gehe, es öffne und hinaussehe. Ja, kippen lässt es sich auch. Ich habe das Maßband vergessen, kann das Zimmer also nicht abmessen. Ich versuche die ungefähre Länge mit Schritten zu messen, merke dann aber, dass meine Schritte viel zu klein sind, und gebe es auf. Die neuen Schlüssel klimpern schon an meinem Schlüsselbund, der auch immer dicker wird.
Die Mitbewohnerin ist weg, eine Kaffeemaschine kaufen, der Mitbewohner “ist eh nie da” sagte sie mir. Ich laufe etwas in der Wohnung herum, schaue mir alles mal näher an, lege mich auf das Sofa in der Küche, setze mich aufs Klo, stelle mich an den Herd, höre mir alles an. Die Tür zu meinem Zimmer quietscht. “Naja” denke ich mir.

Auf dem Weg zu meinem Gleis spricht mich eine junge Tierschützerin an, die an einem Stand zusammen mit anderen Unterschriften und Geld für gerechte Nutztierhaltung sammelt. “Kacke” denke ich mir, denn ich weiß, dass ich bei sowas nicht »Nein« sagen kann, wie die ADAC Karte ohne dazugehöriges Auto in meinem Portemonnaie beweist. 10 Minuten später unterschreibe ich den Zettel und willige damit ein, monatlich 4 Euro zu spenden, dabei ist es mir eigentlich egal woher mein Essen kommt. Kurz darauf renne ich in Richtung von Gleis 16, gerade als ich den Knopf am Zug für die Tür drücke fährt der Zug los.

Jetzt darf ich eine Stunde auf meine nächste Zugverbindung warten, die so beschissen ist, dass ich damit fast zwei Stunden länger brauche als mit der eben verpassten. Ich gehe zurück, wieder zu den Tierschützern, um sie anzumotzen (»Wegen euren Tieren verpasse ich meinen Zug!« überlege ich mir davor.), doch der eine davon ist schwul, und das Mädchen von vorhin fängt an mit mir zu flirten und gibt mir ihre Handynummer. Nicht gerade Anmotzkandidaten, leider. Ich frage sie noch, wo es hier denn Maßbänder zu kaufen gäbe, der Schwule macht einen Penislängenwitz und ich gehe ihren Anweisungen nach in den Hertie, direkt am Bahnhof.

Nach einer dreiviertel Stunde merke ich, hier gibt es gar keine Maßbänder, oder ich habe sie nur nicht gefunden, ist auch unwahrscheinlich dass es Maßbänder in der DVD-Abteilung gibt. Da ich jetzt aber sowieso zum Zug muss, und keine Zeit mehr habe um das Zimmer auszumessen, gehe ich erfolglos zurück zum Bahnhof. Um die Tierschützer mache ich diesmal einen Bogen, und bekomme so rechtzeitig meinen Zug. Nach einer Weile ist der Zug komplett leer und ich habe das Stephen King Buch zuende gelesen. Ich schreibe meinem Vater eine SMS, er solle mich doch bitte vom Bahnhof abholen. Als ich dort ankomme, komme ich zu spät an die Tür, oder sie ist kaputt, jedenfalls öffnet sie sich nicht, und der Zug fährt mit mir weiter und mit meinem Vater hinterher zum nächsten Bahnhof.



    Kommentare:

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  1. Sari meint:


    Das ist irgendwie so ein typischer “Schlimmer geht’s nicht” Tag, oder? Mit humoristischen einlagen.
    Gut geschrieben!!


    17. Mai 2007 um 10:59 Uhr | #
  2. www.GlotzKind.de – Blog meint:


    [...] Sie sagten tatsächlich “sie” zu mir. Naja, und wie immer konnte ich auch dieses Mal nicht widerstehen, und bin jetzt 2€ ärmer und ein lustiges Taschenbuch reicher. [...]


    10. Juni 2007 um 14:32 Uhr | #
  3. www.GlotzKind.de – Blog meint:


    [...] Längere Leser dieses Blogs wissen vielleicht, dass ich mir dauernd irgendwelche Sachen aufschwätzen lasse. So geschehen schon mit einer ADAC-Karte, einem Aktiontier-Abo und einem lustigen Taschenbuch. Alles Dinge die ich nun wirklich so gar nicht brauche. Doch dieses Mal wollte ich mir nichts aufschwatzen lassen, und so meinte ich zu dem nett geschminkten Krishna-Anhänger, dass ich aber gar nicht an Gott glaube. [...]


    15. Juli 2007 um 14:53 Uhr | #

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