Sunshine

25. April 2007 - 00:54 Uhr | Kategorie: Kritik | Noch nicht kommentiert...

2007, England
Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Alex Garland
Schauspieler: Rose Byrne, Cliff Curtis, Chris Evans, Troy Garity, Cillian Murphy, Hiroyuki Sanada
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Sunshine

Endlich mal wieder ein interessanter Science-Fiction Film, der in die Kinos kommt. Schon bei den ersten Bildern und Videos habe ich mich auf Sunshine gefreut. Ich mag das Genre, ich finde es wird viel zu wenig beachtet und behandelt, dabei bietet es doch eigentlich genügend Stoff um hunderte guter Filme zu produzieren. Actionfilme (Matrix), düstere Zukunftsvisionen (Blade Runner), Horrorfilme (Event Horizon), Thriller und Liebesgeschichten (13. Floor), Zeichentrickfilme (Titan A.E.), Komödien (Spaceballs), ja, fast jedes andere Genre lässt sich in den Kontext einer Sci-Fi Geschichte verfrachten.

Doch Sunshine geht den normalen Weg. Die Geschichte ist simpel und erfüllt ihren Zweck. 50 Jahre in der Zukunft geht der Sonne der Treibstoff aus. Langsam aber sicher verliert sie ihre Energie, was zu einem solaren Winter (paradoxe Bezeichnung, oder?) geführt hat, unter dem die Menschheit leidet. Zur Rettung dergleichen wurde ein Raumschiff zur Sonne entsendet, die Icarus I, mit dem Plan, ein riesige Bombe im Innern der Sonne zu zünden um sie somit wieder zu entfachen. Leider geht die Icarus I verloren, weswegen 7 Jahre später die Icarus II auf die gleiche Mission geschickt wird, mit dem letzten spaltbaren Material von der Erde, somit also als letzte Hoffnung der Menschheit.

Dort beginnt der Film. Wir begleiten die Icarus II auf der Reise zur Sonne, geschützt durch ein riesiges Wärmeschild, hinter dem sich das Raumschiff versteckt. Gerade als die Mannschaft die Umlaufbahn des Merkurs kreuzt, empfangen sie plötzlich ein Notrufsignal der Icarus I, und können diese sogar im Raum orten. Flugs den Kurs geändert, und schon folgt ein Unglück dem nächsten.

Sunshine

Soviel zur Story. Das Erste was einem bei dem Film auffällt, ist die optisch wirklich makellose und bombastische Inszenierung. Kaum eine Minute vergeht ohne dass man das riesige Raumschiff (bzw. eher sein Wärmeschild) oder die riesige Sonne in seiner vollen Pracht sieht. Begleitet wird das ganze mit einem dröhnenden Sound, der extrem gut die schiere Größe der Objekte unterstreicht. Doch auch an Board der Icarus II sieht alles perfekt aus. Das strahlende Weiß einiger Räume wechselt sich mit dem Grün des bordeigenen Gartens und dem Blau der Kühltanks ab. Wie gesagt, optisch sowie soundtechnisch ist der Film ein absoluter Leckerbissen. Doch kann auch der Rest des Films das hohe Niveau halten?

Prinzipiell ja. Die Geschichte bleibt ständig spannend und aufregend. Fangen die Pannen an Board erst einmal an, hören sie bis zum Schluss nicht mehr auf. Zu den anfangs nur technischen Problemen gesellen sich mit der Zeit auch psychische Probleme. So fühlt sich eines der Crewmitglieder verantwortlich für den Tod des Captains und wird daraufhin selbstmordgefährdet, der Psychiater der Icarus grillt seine Haut im Sonnendeck, weil er wie magisch von der Sonne angezogen wird, und alles verschlimmert sich noch, als die Crew die Leichen der Icarus I Besatzung auf deren Schiff findet – alle begingen aus unerklärlichen Gründen Selbstmord.

So wird der Film gegen Ende hin immer surrealer. Die Crew dezimiert sich Stück für Stück, und als plötzlich der frühere Captain der Icarus I als entstelltes Monster auf die Icarus II gelangt, geht alles den Bach runter. Für den Rückflug reicht der Sauerstoff längst nicht mehr aus, und was passiert, wenn die Bombe im Innern der Sonne gezündet wird, weiß nicht einmal der Boardphysiker so wirklich. Am Ende sind nur noch zwei Crewmitglieder übrig. Mit dem Captain, der sich nach 7 einsamen Jahren auf der Icarus I für einen Engel hält, der mit Gott spricht, kommt es zum großen Showdown, während sie an Board der Bombe mitten in die Sonne fliegen.

Sunshine

Die passende Musik unterstützt die gegen Ende hin immer abgedrehtere Optik und Handlung, das Ende erreicht gar poetisches Niveau, sowohl von den Bildern als auch vom Inhalt. Im Prinzip also eine ziemlich geile Sache, wären da nicht ein paar Macken. Zum einen gibt es ein paar Logiklöcher, die man zwar mit viel gutem Willen stopfen kann, die aber trotzdem auffallen. Für meinen Geschmack sah man außerdem das Raumschiff etwas zu oft. Klar, sieht schon geil aus, aber alle fünf Minuten?
Etwas unpassend fand ich auch das spätere Auftauchen des Captains der Icarus I. Optisch und technisch genial und einzigartig in Szene gesetzt, ja, aber wirklich nötig oder sinnvoll? Geht so. Desweiteren fand ich die Auseinandersetzung mit dem Schicksal der Besatzung der Icarus I eher unbefriedigend. Das Setting wäre perfekt für etwas Gruseltstimmung gewesen, die anfänglichen aufblitzenden Portraits der Besatzung haben beim Zuschauer psychischen Druck aufgebaut, doch dann… nichts.

Sunshine streift viele Genres, vertieft sich in einzelne meiner Meinung nach jedoch zu inkonsequent. So bleibt der Film ein recht normaler Science-Fiction Film, wie man ihn gewohnt ist, mit fantastischer Optik und technischer Qualität, einem wunderbar surrealen Ende, was aber leider doch viel zu vorhersehbar ist. Trotz seiner Schwächen ist er jedoch nicht nur für Sci-Fi-Fans wie mich zu empfehlen!

Fazit: Optisch opulenter Sci-Fi Film, der jedoch leider sein Potential nicht komplett ausgenutzt hat. Trotz Schwächen aber ein guter Film!


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