300

11. April 2007 - 16:51 Uhr | Kategorie: Kritik | 2 Kommentare

2007, USA
Regie: Zack Snyder
Drehbuch: Zack Snyder, Kurt Johnstad, Michael Gordon
Schauspieler: Gerard Butler, Vincent Regan, Lena Headey, David Wenham, Michael Fassbender
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300
“So lang isser! Echt!”

300 ist kein Film, das hier meine Freunde, ist ein Feuerwerk. Ein audiovisueller Orgasmus über 2 Stunden, garniert mit Bildgewalt, Sex, Blut, Heldenethos, und all das in Zeitlupe. Yeah!

Fangen wir mal mit der Story an, denn die ist am schnellsten abgehandelt. Xerxes, König der Perser, schickt seine Unterhändler ins Landesinnere von Griechenland, denn er steht vor der Tür um mit seinen Heerscharen die ganze Welt zu unterjochen. Leonidas, König von Sparta, findet das aber ziemlich uncool, und folgt lieber seinen Prinzipien als Spartaner, die zwar vieles, aber keine Untergebung beinhalten. Also killt er mal eben Xerxes’ Abgesandte, und erklärt selbigem damit den Krieg.
Dumm jedoch, dass Spartas Heilige (eklige, pestbefallene Lustmolche auf einem Berg) von Xerxes bestochen sind und sich darum gegen einen Krieg aussprechen. Somit steht Leonidas vor der Wahl: Sparta kampflos aufgeben, oder gegen den Willen der Götter in den Krieg ziehen. Er wählt den Krieg, um jedoch nicht komplett in die Missgunst der Götter zu verfallen geht er nur mit 300 ausgewählten Mannen los. Später schließen sich den Spartanern noch die Arkadier an, die jedoch alles andere als ernstzunehmende Krieger sind.

Während sich Leonidas also mit seinen 300 Kriegern gegen die riesige Armee Xerxes’ stellt, kämpft zuhause seine Frau vor den Ratsmitgliedern für seine Unterstützung. Doch der Rat sträubt sich, wenige wollen sich gegen den Willen der Götter entscheiden und Spartas Armee hinterher schicken. Vor allem ein Ratsmitglied spricht sich dagegen aus, hat der gute Herr doch die Taschen gefüllt mit persischem Gold. Und so kommt es wie es kommen muss.

300
“Nochmal ‘ne 5 in Mathe und du gehst bei den Griechen auf den Strich!”

Doch eigentlich ist das alles scheißegal! Die Story dient nur als Grundgerüst, auf welches tausende von CGI-Effekten draufgespannt wurden. Eigentlich geht es die ganze Zeit nur darum, möglichst stylische Bilder zu zeigen. Köpfe werden abgeschlagen, riesige Menschenmassen verdunkeln mit ihren Pfeilen die Sonne, ein paar Spartaner schnetzeln sich durch Unmengen an wilden Bestien und deformierten Riesen mit Äxten, nackte Frauen bewegen lasziv ihre Körper, und all das in Zeitlupe und mit einem Sound, der jeden in den Kinosessel drückt der noch nicht taub ist.

Wie schonmal irgendwer irgendwo so passend sagt: “Du kannst in dem Film an jeder Stelle anhalten, das Standbild ausdrucken und hast ein geniales Filmposter”. Jede Minute ist komplett durchgestyled, jede Szene kinematografisch perfekt ausbalanciert und durchdacht. Die Figuren sind unglaublich präzise ausgearbeitet, die Masken und die Kostüme extrem detailliert, selbst die Schauspieler passen vom Aussehen her wie die Faust aufs Auge zu den Charakteren, die sie darstellen sollen. Dies sagt zwar nichts über den Plot, die Hintergründe oder die schauspielerischen Leistungen aus, ist aber für sich gesehen eine in der Form noch nie dagewesene Leistung.

Man möchte fast meinen, hier sei kein Comic verfilmt worden, sondern hier seien einfach die Comicbilder in ihrer gesamten Pracht animiert worden. Eigentlich auch gar nicht so falsch, bedenkt man, dass der Film komplett vor dem Greenscreen gedreht wurde.
Dazu ein bombastischer Soundtrack, toll choreographierte Kämpfe, eigentlich ein geiler Film, oder?

300
“Romeo, oh Romeo!”

Nicht so ganz. Denn es gibt mindestens genauso viele Pros wie Kontras.

Anfangs sei da mal die Optik erwähnt. Diese ist natürlich Geschmackssache. Die Bilder sind übertrieben, unrealistisch beleuchtet, die Farben wirken unecht, das Blut sieht unecht aus, die computeranimierten Figuren erkennt man als solche, genau wie die Hintergründe, und auch das übermäßige Bildleuchten sowie der künstliche Grain fallen anfangs auf.
Mich persönlich störten diese Punkte anfangs ein wenig, mit der Zeit ließ ich mich allerdings komplett darauf ein, und war dementsprechend von den Bildern beeindruckt.

Dann wäre da noch die laue Story. Nun, lau ist sie tatsächlich, sieht man sie allerdings als das, was sie ist, nämlich als Mittel zum Zweck, ist sie meiner Meinung nach annehmbar. Nicht künstlich verzwirbelt, oder in die Länge gezogen. Das nötigste wird gesagt und gezeigt, mehr nicht, und das reicht auch. Genau wie mit den Schauspielern. Klar, große Schauspielkunst wird hier nicht gezeigt, aber wozu auch? Das kleine Mimik-Repertoire der Hauptdarsteller reicht vollkommen aus, um echte Krieger, denen es nur um den ehrbaren Tod im Kampf geht, zu zeigen. Mir sind 20 echte Krieger, die nicht schauspielern können, lieber als 20 echte Schauspieler, denen man das Harter-Krieger-Sein nicht abnimmt.

Viele kritisieren auch die vermittelten Ideologien im Film. Homosexualität wird als großer Witz angeprangert, die Bösen sind die Dunkelhäutigen, mit ihren Piercings, ihren Schwulen und Tunten, ihren Verstümmelungen und ihrer Inzucht. Von vielen werden auch Parallelen zu heutigen Kriegsumständen gezogen, oder es werden dem Film gleich faschistische Hintergründe zugesprochen. “Irakkriegs-Durchhalte-Propagandastreifen” oder ähnliches liest man nicht selten, genauso kann einen das ständige Gerede von Ehre und Heldenmut auf die Nerven gehen, und selbst mir war am Anfang nicht so ganz klar, ob denn diese Spartaner, die anfangs (nur als Beispiel) den wehrlosen Abgesandten von Xerxes umbringen, wirklich die Guten sind.

300
Früher schon ein viel diskutiertes Thema: Adoptionen durch homosexuelle Elternpaare.

Dementsprechend entscheidet wohl die Herangehensweise darüber, ob man diesen Film mag, oder nicht. Wer hier einen politisch korrekten, storybezogenen Kriegsfilm erwartet, ist fehl am Platz. Wer sich hingegen auf die Bilderflut einlässt, und sich von dem anderen Gedöns nicht zu sehr ablenken lässt, wird begeistert sein, denn genau das ist es, was diesen Film ausmacht, und nichts anderes. Der Film lebt von seiner Bombasterei, von seinen unglaublich geilen Bildern, seinem krachigen Sound und den guten Effekten. Nichts anderes darf man erwarten, nichts anderes sollte man erwarten, erst dann kann man den Film genießen.

Und genau darum fand ich den Film gut. Um mal die Fünf Filmfreunde zu zitieren, ja, ich habe schon bei den Trailern “freudig in die Hose ejakuliert”. Ich wollte geile Bilder, ich habe sie bekommen. Gewalt und Sex in Zeitlupe habe ich erwartet, und genau das habe ich bekommen.

Umso mehr hat mir dabei die Unbedachtheit gefallen, mit der der Film zeigt, was er zeigt. Köpfe fliegen, Gliedmaßen werden abgetrennt, Blut spritzt literweise, man sieht Brüste, man sieht Sex, nackte Männer, nackte Frauen, man sieht Krüppel und Verstümmelte, Bestien und Monster, und das alles optisch unglaublich delikat aufbereitet. Dieser Film nimmt optisch kein Blatt vor den Mund. Vielen mag das unangenehm aufstoßen, doch mir gefällt diese rohe Gewalt, mit der der Film dem Zuschauer alles zeigt, und nichts versteckt. Immerhin ist 300 auch ein Film für Erwachsene, wobei mich die Freigabe ab 16 Jahren doch sehr stutzen ließ. Meiner Meinung nach eine grobe Fehlentscheidung. Das aber nur nebenbei.

Die flache Story passt eigentlich sogar recht gut. Eine komplexere Story hätte dem Film wohl viel von seiner Atmosphäre genommen. So wie sie ist, reicht sie aus, genau wie die Charaktere und die Logik. Dieser Film ist so übertrieben fiktional, unrealistischer ist in diesem Genre schwer möglich, und das gefällt mir. Im direkten Vergleich mit Perlen wie Gladiator hat 300 natürlich klare Schwächen, ist insgesamt wohl auch niedriger zu Bewerten, für sich gesehen ist er aber hohe Kunst, und perfekt geeignet um sich für einen Abend in den Kinosessel drücken zu lassen.

Fazit: Optisch unglaublich beeindruckender Film, Popcorn-Kino deluxe, mehr aber nicht!


    Kommentare:

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  1. Alex meint:


    Beste Kritik, die ich je zu diesem geilen Film gelesen habe. Objektiv und sachlich, dabei aber witzig-persönlich. Eben genau, wie man es erwartet, wenn man sich über einen Film informieren will. Dass “300″ ein fantastisches Schnetzelepos ist, vollgestopft mit Männersprüchen, die vor “Ich liebe mein Land”-Pathos nur so triefen, steht fest, und gerade das macht den Film so toll. Weil’s mal anders ist. Weil’s die Kritiker, die stets Sinn auf gutes Benehmen legen, hinterrücks in den Hintern tritt.


    20. Mai 2008 um 01:14 Uhr | #
  2. Björn meint:


    Vielen vielen Dank, freut mich wirklich sehr dass es dir gefällt.


    21. Mai 2008 um 00:16 Uhr | #

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