Ich danke, ähm… ja… is doch wurscht, oder?
So scheint es mir. Selten habe ich eine so höhepunktefreie Preisverleihung gesehen. Klar, deutsche Galas waren noch nie sonderlich emotional, interessant oder gar witzig, haben sich noch nie durch eine tolle Show oder durch aufbrausende Ansprachen ausgezeichnet, die diesjährige Bambi Verleihung setzt dem Ganzen aber noch mal die Krone auf.
Sowohl inhaltlich als auch technisch war diese Vorstellung ja wohl unter aller Sau. Fangen wir mal vorne an, bei dem Moderator. Wer kam denn bitte auf die dämliche Idee, einen semilustigen, “gerade-noch-so-Promi”-Entertainer durch den Abend führen zu lassen? Klar, viele mögen Harald Schmidt, wenn gerade nichts anderes im Fernsehen kommt kann ich ihn mir auch ansehen, aber es gibt doch wahrlich genug Menschen die nichts mit seinem Humor anfangen können. Diese Tatsache merkte man auch bei der Verleihung. Spaßeshalber habe ich mal mitgezählt (war ja nicht schwer). In den insgesamt zweieinhalb Stunden Laufzeit brachte es Schmidt ziemlich genau auf drei Sprüche über die gelacht wurde. Die ungefähr 30 anderen Witze von ihm wurden mit entblößender Totenstille bestraft.
Lag das nun an Schmidt, oder generell an den deutschen Promis und Zuschauern im Saal, die ja auch sonst recht emotionslos dem Abend beiwohnten? Nun, an beidem wohl.
Zu denken sollte allerdings geben, dass Thomas Gottschalk in seinem 10-Minuten Auftritt mindestens fünf mal so viele Lacher bekam und die Stimmung damit kurzzeitig wenigstens auf ein akzeptables Niveau hob. Ich persönlich mochte Gottschalks flapsige Art ja sowieso schon immer.
Selbst Jens Lehmanns Frau hatte es da noch besser geschafft als Schmidt, die Menge zu begeistern.
Und Eva Padberg, naja, was soll man dazu sagen? Sie hat es wenigstens versucht, und für ein Model mit wenig Erfahrung im Bereich Moderation war das schon ganz ok. Hat nicht vom Hocker gehauen, aber ein totaler Reinfall war es auch nicht.
Doch auch sonst verlief diese Preisverleihung mehr schlecht als recht. Gewollt war es sicher nicht, das man desöfteren bestimmte Mikrofone vergaß auszublenden. So bekamen wir oft schöne Kommentare zu hören.
Schmidt konnte man beispielsweise einmal hören, als man ihn gar nicht hören sollte: “Gehen wir jetzt da vor? Ja, da vor müssen wir jetzt, wir gehen jetzt da lang.”
Veronica Ferres gab Heike Makatsch bei der Bambi-Übergabe den wunderbaren Tip: “Genieß es, ja? Jetzt musste was sagen!”
Richtig leid getan hat mir ja Samuel L. Jackson. Nicht nur dass er von einer Dame angesagt wurde, die leider nicht der englischen Sprache mächtig war und offensichtlich auch keinen seiner Filme kannte (“[...], Polp Faction, Swaft… ne… Swaf… Swat? Ja Swat! Und Shaft! [...]“), nein, er musste auch noch über eine Stunde diesen langweiligen Abklatsch einer gut gemachten TV-Show verfolgen, um sich dann seinen popeligen Preis abzuholen. Seine Dankesrede begann er mit den Worten “Es ist schwer die richtigen Worte zu finden”, womit er übersetzt wohl meinte “Was soll ich schon sagen? Danke für das Geld, wann geht der nächste Flieger nach Hause?”.
Doch auch sonst waren die Reden der Promis ziemlich… naja… unmotiviert ausgeführt. Meiner Meinung nach sollte es ein Schauspieler, der für seine Tätigkeit sogar noch ausgezeichnet wird, doch schaffen können, wenigstens ein paar Emotionen bei seiner Rede vorzutäuschen. Freude, Glück, Schadenfreude, Schmerz, mir ja egal, hauptsache nicht immer diese lahmen runtergelaierten “Ich danke bla und bla und bla”-Reden.
Aber nein, eine langweiliger und monotoner als die andere, dazu noch ein paar wirklich peinliche Auftritte von (unter anderen) den Sportfreunden Stiller, Sasha und… ach, eigentlich war alles mehr oder weniger peinlich. Dabei mag ich Sasha sonst eigentlich, aber dieser Auftritt… naja.
Sehr amüsiert habe ich mich über den blinden Jungen (habe seinen Namen vergessen). Wobei, eher über dessen Eltern. Hat das sonst noch jemand gesehen? Als Oliver Kahn seine Rede hielt, und dabei auf den Jungen zu sprechen kam, wurde dieser auf seinem Platz sitzend gezeigt. Sofort kam aus dem linken Bildrand der Arm seiner Mutter hereingehuscht, die ihn nach oben zog und ihn damit zum hinstellen drängte. Kaum zehn Sekunden gestanden, kam aus dem rechten Bildrand der Arm seines Vaters, der ihn wieder nach unten in Richtung Sitz zog. Da saß er nun also wieder.
Richtig gut hingegen hat mir der Auftritt von Reamonn Sänger Rea Garvey zusammen mit Nelly Furtado gefallen. Schönes Lied, schöne Outfits, schöne Nelly.
Was allerdings Roberto Cavalli und Victoria Beckham da zu suchen hatten, das sage mir doch mal jemand. Naja, sollte mich eigentlich nicht wundern, selbst Tokio Hotel waren ja geladen.
Tja, was lässt sich abschließend über die Bambi Preisverleihung sagen? Gelangweilte Stars, Stimmung am Boden, unlustiger Moderator, monotone Reden, keine Highlights, langweilige Show. Insgesamt also kein sehr gelungener Abend.
Aber hey, so sind wir Deutschen eben, was soll man machen? Unsere Fernsehunterhaltung war noch nie sonderlich gut.
⇒ Offizielle Bambi Page
⇒ Web.de Infopage

Nachtrag: Achso, ja und die Location war auch nicht gerade toll. Klar, das Mercedes Museum ist schon geil, ich war selbst schon mal dort, aber für so eine Gala doch eher ungeeignet. Die Bühne war recht popelig, und die Gäste saßen so nah beieinander dass sie bestimmt Schwierigkeiten hatten zu atmen.
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